Nächtliche Öffnung : SVP befürchtet Saufgelage und Drogen auf der Pläfe

Aktualisiert

Nächtliche Öffnung SVP befürchtet Saufgelage und Drogen auf der Pläfe

Die Münsterplattform, die Pläfe, soll versuchsweise rund um die Uhr geöffnet sein. Der Stadtrat testet in einem fünfmonatigen Projekt, ob dies ohne Ärger funktioniert.

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rc
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Die Münsterplattform, im Volksmund Pläfe, wird seit 1983 nachts geschlossen. Der Gemeinderat reagierte damals vor allem auf den grassierenden Drogenkonsum in der Parkanlage.

Die Münsterplattform, im Volksmund Pläfe, wird seit 1983 nachts geschlossen. Der Gemeinderat reagierte damals vor allem auf den grassierenden Drogenkonsum in der Parkanlage.

In einem fünfmonatigen Pilotversuch soll ausgelotet werden, ob die Pläfe die ganze Nacht über als Freiraum zur Verfügung gestellt werden kann, ohne dass es viele negative Begleiterscheinungen gibt.

In einem fünfmonatigen Pilotversuch soll ausgelotet werden, ob die Pläfe die ganze Nacht über als Freiraum zur Verfügung gestellt werden kann, ohne dass es viele negative Begleiterscheinungen gibt.

SUL
Die Stadtregierung sei offen für einen Versuch, nehme die Bedenken aber ernst, sagte Gemeinderätin Ursula Wyss (SP).

Die Stadtregierung sei offen für einen Versuch, nehme die Bedenken aber ernst, sagte Gemeinderätin Ursula Wyss (SP).

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Die Münsterplattform in Bern, im Volksmund Pläfe, ist seit jeher ein Politikum. Die Stadt ärgerte sich schon 1983 über die offene Drogenszene, die sich in der Parkanlage einnistete, und forderte Massnahmen. Seither schliesst die Parkanlage nachts ihre Tore.

Nun hat sich der Stadtrat jedoch dazu entschieden, diese Regelung zu überdenken. In einem fünfmonatigen Versuch soll getestet werden, ob die Pläfe wieder rund um die Uhr freigegeben werden kann. Gibt es zu viele negative Begleiterscheinungen, bleibt alles wie bisher. Vom 1. Juni bis 30. Oktober soll der Versuch stattfinden.

Andere Zeiten

«Wir werden sehen, ob die Bevölkerung mit dieser Freiheit umgehen kann», sagt Tom Berger von den Jungfreisinnigen. Gemeinsam mit Vertretern der FDP, GLP, GFL, SP und der Freien Fraktion steht er hinter einer freizugänglichen Pläfe. Laut Berger sei es unbestritten, dass die Stadt Bern grosse Probleme mit der offenen Drogenszene hatte. «Jedoch hat sich in diesem Bereich seit 1983 viel getan», sagt Berger. Er streite nicht ab, dass es damals vielleicht gute Gründe für die nächtliche Schliessung gab. «Trotzdem sollte 36 Jahre später der Grundsatz verfolgt werden, dass öffentliche Räume rund um die Uhr zugänglich sind.»

Ausserdem habe sich die Drogenszene nach der Schliessung der Pläfe einfach in den Kocherpark verlagert. Als dieser zu gewissen Zeiten schliessen musste, verschwand die Drogenszene auch von dort. «Heute ist der Kocherpark wieder rund um die Uhr zugänglich, ohne dass sich die Drogenszene wieder im Park befindet.» Berger ist davon überzeugt, dass das auch bei der Münsterplattform funktionieren kann.

«Drogen vergraben

Alexander Feuz, SVP-Fraktionspräsident ist anderer Meinung. Er kennt die Drogenszene auf der Münsterplattform noch von 1983: «Drogensüchtige und Händler vergruben damals auf der Pläfe ihren Stoff. Es herrschten keine schönen Zustände auf dem Areal.» Auch Prostitution soll es gegeben haben. Aussderdem befürchtet Feuz, dass die Leute mit der neuen Regelung nach dem Ausgang noch auf der Pläfe weiterfesten würden. «Wenn am Morgen dann Kinder in den Park kommen, ist im Gras alles voller Scherben und vielleicht sogar voller Spritzen.»

Ausserdem befinde sich die Münsterplattform im Unesco-Perimeter und nicht irgendwo abseits. «Es gibt zahlreiche Leute, die in der Nähe wohnen. Zudem kann man bereits bis um ein Uhr Morgens dort verweilen, das sollte reichen», meint Feuz. Endlose Partynächte seien eine Zumutung für die Anwohner.

Gegen die nächtliche Öffnung hatte sich auch die Vereinigte Altstadtleiste ausgesprochen, die die Interessen von Anwohnern, Geschäftstreibenden sowie von Haus- und Wohnungseigentümern vertreten. Und auch die Münsterbauleitung bekundete Bedenken und forderte eine durchgehende Überwachung des Areals durch die Polizei.

Fünfmonatige Testphase

Die Stadtregierung sei offen für einen Versuch, nehme die Bedenken aber ernst, sagte Gemeinderätin Ursula Wyss (SP). Der Test werde genau ausgewertet. In aller Regel gehe die Berner Bevölkerung verantwortungsvoll und rücksichtsvoll mit dem öffentlichen Raum um.

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