Aktualisiert 13.02.2009 12:02

Stadtpräsidiums-WahlSVP erteilt Martelli eine Abfuhr

Die SVP wird FDP-Kandidatin Kathrin Martelli im zweiten Wahlgang nicht mehr unterstützen. Die Geschäftsleitung der Stadtzürcher SVP empfiehlt den Mitgliedern Stimmabstinenz.

Natürlich sei eine bürgerliche Kandidatin immer noch besser als eine linke, sagte der Präsident der Stadtzürcher SVP, Rolf Siegenthaler, in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» vom Freitag. Er glaube aber nicht, dass Martelli die SVP-Wählerschaft noch überzeugen könne.

Zudem zahle sich für die SVP die Zusammenarbeit mit der FDP nicht aus, sagte Siegenthaler weiter. Martelli habe zwar alle Stimmen der SVP-Wähler geholt. Umgekehrt habe der SVP- Stadtratskandidat Roger Liebi aber kaum Stimmen der FDP bekommen.

Absage ans bürgerliche Bündnis

Der Entscheid der Geschäftsleitung, Martelli nicht mehr zu unterstützen, stelle auch einen Vorentscheid im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen 2010 dar. «Die SVP kann es sich nicht leisten, hinter der FDP anzustehen.»

Im ersten Wahlgang vom vergangenen Sonntag erreichten weder SP- Kandidatin Corine Mauch noch FDP-Kandidatin Kathrin Martelli das absolute Mehr. Der zweite Wahlgang für das Zürcher Stadtpräsidium findet am 29. März statt.

FDP ist befremdet über Zickzackkurs

Die FDP der Stadt Zürich ist «erstaunt und befremdet über den Zickzackkurs der SVP-Parteispitze», wie sie in einem Communiqué vom Freitag schreibt. Der Verzicht auf eine weitere Unterstützung von Martelli sei ein Zeichen dafür, dass die Politik der SVP von Frustrationen und Parteikalkül, nicht aber von Sorge um die Zukunft Zürichs geprägt sei.

Die FDP sei überzeugt, dass die Wählerinnen und Wähler aufgrund der deutlichen Unterschiede zwischen den beiden Kandidatinnen ihren Entscheid für eine zukunftsgerichtete liberale Positionen fällen würden.

«Eine Reaktion von Beleidigten»

Die SP der Stadt Zürich findet es laut einer Mitteilung vom Freitag «merkwürdig», dass die SVP ihre Wählerinnen und Wähler dazu auffordert, sich an einer Abstimmung nicht zu beteiligen. Dies schade der Demokratie sehr direkt, schreibt die Partei. Wer sich nicht zwischen zwei Kandidatinnen entscheiden könne, fasse normalerweise die Parole der Stimmfreigabe.

Mit dieser Aufforderung missbrauche die SVP eine Urnenabstimmung zu einer Abrechnung zwischen zwei Parteien. Es sei eine Reaktion von Beleidigten und alles andere als eine Wertschätzung der Stimmberechtigten, die der SVP sonst immer heilig seien.

(sda)

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