Aktualisiert 29.08.2019 16:33

Zoff in Partei

SVP fällt eigenem Kandidaten in Rücken

Reto Sonderegger will für die Ausserrhoder SVP in den Ständerat. Die Partei verzichtet auf jegliche Unterstützung. Sie steht hinter FDP-Mann Andrea Caroni.

von
mig
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Reto Sonderegger will für die Ständeratswahlen kandidieren.

Reto Sonderegger will für die Ständeratswahlen kandidieren.

SVP Herisau
Er fordert den bisherigen Ständerat des Kantons Appenzell Ausserrhoden, Andrea Caroni, heraus.

Er fordert den bisherigen Ständerat des Kantons Appenzell Ausserrhoden, Andrea Caroni, heraus.

andrea-caroni,ch
Als Halbkanton darf Ausserrhoden nur einen Ständerat stellen.

Als Halbkanton darf Ausserrhoden nur einen Ständerat stellen.

Er will gar nicht erst versuchen, es zu verschweigen. Reto Sonderegger gibt offen zu: «Es gibt Meinungsverschiedenheiten. Ich kann aber nicht mehr länger zuschauen.» Nicht mehr länger zuschauen, wie Andrea Caroni von der FDP den einzigen Ausserrhoder Ständeratssitz kampflos erhält. Deswegen habe er sich für eine Kandidatur entschieden, so der Vizepräsident der Herisauer SVP. Er fühle sich in Bern nicht vertreten durch Caroni.

Gerade bei Themen, die ihm sehr wichtig sind wie beispielsweise Migration oder die EU-Politik, denke der FDP-Politiker anders. Zudem meint Sonderegger: «Die FDP greift uns an, also müssen wir reagieren.» Denn die FDP stelle einen Kandidaten für den Nationalrat und greife somit den SVP-Sitz von seinem Parteikollegen David Zuberbühler an.

Keine Rückendeckung

Die SVP des Kantons Appenzell Ausserrhoden fällt Sonderegger in den Rücken. Sie teilt mit, dass sie trotz der Kandidatur weiterhin hinter Caroni stehe. Der Präsident der Herisauer SVP, Christian Oertle, sagt: «Ich verstehe die Kandidatur überhaupt nicht. Sie macht auf allen Ebenen keinen Sinn.» Für ihn ist ausserdem klar: «Mein Kollege Reto muss den Weg alleine gehen.» Heisst: Er bekommt weder finanzielle Unterstützung, noch darf er für den Wahlkampf das Parteilogo verwenden.

Sonderegger lässt dies kalt. Er plane einen Low-Budget-Wahlkampf und wolle Flyer verteilen. Auf grosse Plakate verzichte er. Dennoch glaubt der Herisauer an eine Wahl: «Meine Chancen liegen bei 49 Prozent.» Dass es mit der Partei zur grossen Versöhnung kommt, glaubt er kaum. Für ihn sei die Sache erledigt, er mache das jetzt auf eigene Faust. Ähnlich sieht dies auch sein Parteikollege Oertle. In den letzten Wochen hätten sie versucht, Sonderegger vom Plan abzuhalten. Jetzt sei dies sinnlos: «So wie ich Reto kenne, zieht er das durch.»

Spezielle Unterstützung

Für Andrea Caroni kam die Kandidatur eines SVP-Kandidaten überraschend. Er meint: «Sogar die SVP selber wurde überrumpelt.» Als Konsequenz verstärkt Caroni die Investitionen in die bereits laufende Kampagne. Über die Unterstützung der SVP freut er sich und sagt gleichzeitig: «Es ist schon etwas speziell, dass Herr Sonderegger seine Ambitionen erst ankündigte, nachdem sich seine Partei an der Delegiertenversammlung bereits für mich ausgesprochen hatte.» Noch könnten weitere Kandidaten anderer Parteien folgen. Die SP zum Beispiel will im September entscheiden.

Für den Kanton Appenzell Innerrhoden sitzt übrigens Daniel Fässler von der CVP im Ständerat. Er muss im Herbst nicht um seinen Sitz bangen. In Innerrhoden wählt die Landsgemeinde den Ständerat jeweils schon im April vor den nationalen Wahlen.

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