Bern: SVP-Fraktionschef zahlte Lehrling keinen Lohn
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BernSVP-Fraktionschef zahlte Lehrling keinen Lohn

Roland Jakob zahlte über ein halbes Jahr lang keinen Lehrlingslohn. Auch sonst hat er Mühe mit Geld: Er hat 80 Betreibungen am Hals.

von
kaf
Dem SVP-Fraktionspräsidet Roland Jakob wurde schon mehrmals mit dem Konkurs gedroht.

Dem SVP-Fraktionspräsidet Roland Jakob wurde schon mehrmals mit dem Konkurs gedroht.

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Roland Jakob setzt sich als Präsident der Berner SVP-Fraktion für Recht und Ordnung ein – dabei läuft es in seinem Malergeschäft ganz anders, wie die «Berner Zeitung» schreibt. Bereits 2011 wurde bekannt, dass er über Monate seine Beträge an die Steuerverwaltung und weitere Amtsstellen nicht bezahlt hatte.

Nun meldete sich sein einziger Lehrling im Mai bei der kantonalen Lehraufsichtsbehörde: Jakob habe ihm seinen Lohn seit über einem halben Jahr nicht mehr bezahlt. Der Lehrling hatte laut der Zeitung im Vorfeld eine Vereinbarung unterschrieben, wonach er damit einverstanden ist, den Lohn erst später einmal zu erhalten. Jakob solle ihn dazu gebracht haben.

Nachdem der Lehrling sich bei der Behörde gemeldet hatte, hat Jakob ihn anscheinend ausbezahlt. Der Fall könnte schwerwiegende Folgen für Jakob haben: Die Lehraufsicht kann Betriebe, die ihre Lehrlinge wiederholt nicht entlöhnen, sanktionieren oder gar die Ausbildungsberechtigung entziehen, wie Theo Ninck, Vorsteher des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamtes, gegenüber der BZ sagt.

Vom Berufsverband hinausgeworfen

Aber nicht nur der Lehrling gelangte mit seiner Forderung an Jakob vor die Behörde. Auch die Verantwortlichen des Ausbildungszentrums für Maler und Gipser in Worb beschwerten sich. Der Unternehmer habe das Kursgeld für die obligatorischen Lehrlingskurse nicht bezahlt. Das Ausbildungszentrum fordert 3440 Franken.

Beim Berufsverband der Maler, die das Ausbildungszentrum führen, wurde Jakob wegen nicht bezahlter Mitgliederbeiträge bereits vor Jahren rausgeworfen. Als Ersatz für den Verbandsbeitrag muss er nun einen gewissen Betrag in einen nationalen Berufsbildungsfonds bezahlen. Was er offensichtlich unterlässt, denn auch von dort wird er betrieben.

Damit stehen der Berufsverband und die Berufsbildungsfonds nicht alleine da: 80 Einträge werden in Jakobs Betreibungsregisterauszug aufgeführt, bereits wurde ihm mehrmals mit dem Konkurs gedroht. Diesen konnte er bis jetzt immer abwenden, indem er die Schulden an Privatgläubiger in letzter Minute tilgte. Bei Stellen der öffentlichen Hand, wie Steuerverwaltung oder der AHV-Ausgleichskasse, häufen sich die Schulden derweil.

Gegenüber der «Berner Zeitung» wollte Roland Jakob keine Stellung nehmen.

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