Trunkenheit am Steuer: SVP-Frau Amaudruz zu Geldstrafe verurteilt
Aktualisiert

Trunkenheit am SteuerSVP-Frau Amaudruz zu Geldstrafe verurteilt

Mit 1,92 Promille in die Kontrolle fahren und Bundesrat Parmelin anrufen: Trunkenheit am Steuer kommt die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz teuer zu stehen.

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mch
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Céline Amaudruz ist betrunken am Steuer erwischt worden. Bild: Die SVP-Frau prostet Bundesrat Guy Parmelin an dessen Wahlfeier im Dezember 2015 zu.

Céline Amaudruz ist betrunken am Steuer erwischt worden. Bild: Die SVP-Frau prostet Bundesrat Guy Parmelin an dessen Wahlfeier im Dezember 2015 zu.

Keystone/Jean-christophe Bott
In einer Mitteilung entschuldigt sich Amaudruz für die Blaufahrt.

In einer Mitteilung entschuldigt sich Amaudruz für die Blaufahrt.

Keystone/Peter Klaunzer
Amaudruz sitzt seit 2011 für die Genfer SVP im Nationalrat.

Amaudruz sitzt seit 2011 für die Genfer SVP im Nationalrat.

Keystone/Alessandro Della Valle

Die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz (SVP) wurde wegen Trunkenheit am Steuer zu einer bedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 450 Franken verurteilt. Die Bewährungsfrist ist auf drei Jahre angesetzt, weil die Nationalrätin nicht vorbestraft ist. Die Nationalrätin muss die Strafe also nur zahlen, wenn sie innerhalb dieser Zeit erneut straffällig wird. Weitere 9000 Franken Busse sowie Verfahrenskosten von 250 Franken muss Amaudruz aber direkt begleichen.

Die 37-Jährige sei wegen «Hinderung einer Amtshandlung» und des Fahrens in angetrunkenem Zustand mit einer «qualifizierten Atemalkoholkonzentration» schuldig gesprochen worden, sagte der Sprecher der Genfer Justiz, Vincent Derouand, am Montagabend gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Er bestätigte damit einen Bericht des Westschweizer Radios RTS.

Mit 1,92 Promille den Bundesrat angerufen

Die Nationalrätin fuhr in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 2016 nach einem Pferdesportanlass in Genf betrunken nach Hause und wurde von der Genfer Polizei angehalten. Die Geschichte erregte nationales Interesse, als «Le Temps» Details zu ihrem Verhalten veröffentlichte: Gegen den Alkoholtest wehrte sich Amaudruz laut der Zeitung energisch und machte die Polizisten darauf aufmerksam, dass sie Nationalrätin sei. Dann wollte sie Generalstaatsanwalt Olivier Jornot informieren, der aber nicht abnahm.

Laut dem Strafbefehl hatte der Atemlufttest bei Amaudruz einen Wert von 0,96 mg/l ergeben. Das entspricht dem Blutalkoholwert von 1,92 Promille, den «Le Temps» berichtet hatte. Die Polizei nahm sie daraufhin mit auf den Posten, wo sie ihren Anwalt, FDP-Nationalrat Christian Lüscher, anrief.

Doch damit nicht genug: Amaudruz liess es sich nicht nehmen, auch auf höchster Stufe zu intervenieren. Sie rief frühmorgens bei Bundesrat Parmelin an, der tatsächlich abnahm. Er habe eine Nationalrätin «im Panikzustand» am Telefon gehabt, sagte eine dem Bundesrat nahestehende Person zu «Le Temps».

«Halt bei einem Freund gesucht»

Parmelin habe mit dem zuständigen Polizisten geredet, der die Situation erklärt habe. Daraufhin habe der Bundesrat noch einmal mit Amaudruz gesprochen und ihr gesagt, sie solle sich beruhigen und mit der Polizei kooperieren. Nach dem Telefonat mit dem Bundesrat und weiteren Anrufen an Vertraute gab Amaudruz schliesslich zu, zu viel getrunken zu haben, um zu fahren.

Doch was wollte Amaudruz mit der Intervention bei Bundesrat Parmelin erreichen? Sie verweist auf Anwalt Lüscher. Dieser sagt: «In einem Moment tiefer Verzweiflung hat sie Halt bei einem ihrer sehr nahen Freunde gesucht.» Sie habe also keinen Bundesrat angerufen, sondern einen nahen Freund, um moralische Unterstützung zu erhalten. Und Lüscher fügt an: «Céline Amaudruz hat eine grosse Dummheit begangen.»

Keine Berufung eingelegt

Die Nationalrätin entschuldigte sich später für ihr Verhalten. Gemäss RTS sagte ihr Anwalt Christian Lüscher, seine Mandatin werde keine Berufung einlegen.

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