Aktualisiert 02.07.2014 16:13

Zürich-Enge

SVP-Gemeinderat zückt Messer in Zürcher Beiz

Ein Zürcher SVP-Gemeinderat soll im Restaurant von «Swiss-Dinner»-Koch Erik Haemmerli mit einem Sackmesser auf einen Gast losgegangen sein. Die Polizei nahm ihn mit.

von
som/rom
Im Restaurant Bederhof in Zürich-Enge soll es am vergangenen Montagabend zu wüsten Szenen gekommen sein.

Im Restaurant Bederhof in Zürich-Enge soll es am vergangenen Montagabend zu wüsten Szenen gekommen sein.

Passiert sein soll es am vergangenen Montagabend in der Bar des Restaurants Bederhof in Zürich-Enge: Der 57-jährige SVP-Gemeinderat betrat gemäss «Blick» das Lokal bereits angetrunken mit einem Glas Wein in der Hand und versuchte eine Zigarre zu rauchen. Auch soll er Gäste belästigt haben. Als der Bar-Chef ihn bat, das Lokal zu verlassen, soll er diesem die Faust gegen die Brust geschlagen haben. Die gerufene Polizei nahm den Fall auf, ging aber wieder. Darauf rauchte der Politiker erneut in der Bar.

Als ein Gast nun versuchte, die Türe zu schliessen, soll der SVP-Gemeinderat ihn gegen das Schienbein getreten haben. Dann eskalierte die Situation: Der Gast soll zu einem Aschenbecher gegriffen, der Politiker ein Sackmesser hervorgenommen und ihn bedroht haben - laut «Blick» mit folgenden Worten: «Ich schlitze dir die Kehle auf!» Wieder wurde die Polizei gerufen, nun nahm sie den Mann mit und brachte ihn in die Ausnüchterungszelle.

«Es war richtig heavy»

In einem Interview im «Tagblatt der Stadt Zürich» im vergangenen Frühling antwortete der SVP-Gemeinderat auf die Frage, wann er zum letzten Mal einen über den Durst getrunken habe: «Ich trinke sehr gerne mal ein Bier. Dass ich danach nicht mehr fahre, kommt öfters mal vor.»

Schockiert über den Vorfall ist «Swiss Dinner»-Koch Erik Haemmerli, Chef des Restaurants Bederhof: «Es war richtig heavy», sagte er zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Stadtpolizei-Medienchef Marco Cortesi bestätigt gegenüber 20 Minuten einen Polizeieinsatz am Montagabend an der Bederstrasse, konkreter könne er sich jedoch nicht dazu äussern. Keine Auskunft gibt er zudem darüber, ob sich der Politiker noch in Polizeigewahrsam befindet.

Nicht im Rathaus erschienen

Heute Mittwoch um 17 Uhr hätte er eigentlich zur wöchentlichen Sitzung des Stadtparlaments im Rathaus erscheinen müssen. Doch er kam nicht. SVP-Fraktionschef Mauro Tuena weiss nicht wo er steckt und konnte ihn bislang auch nicht erreichen: «Normalerweise schreibt er etwa bei SMS immer gleich zurück - jetzt kriege ich nicht mal eine Lesebestätigung», sagt er zu 20 Minuten.

Auch das Haus, in dem der Mann wohnt und arbeitet, wirkte am Mittwoch verlassen. Niemand öffnete die Türe. Im Garten standen auf einem Tisch noch zwei Weinflaschen und ein paar Gläser. In der Fraktionssitzung war der Fall am Mittwoch ebenfalls ein Thema. «Wir haben beschlossen, dass wir ihm, sobald wir ihn erreicht haben, den Rücktritt nahelegen, sollten sich die Vorwürfe gegen ihn erhärten», sagt Tuena. Denn jemand, der so etwas getan habe, habe im Gemeinderat nichts zu suchen.

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