Pandemie-Profiteur – Corona-Kritik bringt SVP neue Wähler

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Pandemie-Profiteur Corona-Kritik bringt SVP neue Wähler

SVP und Grünliberale gewinnen, Grüne verlieren. Das zeigt die erste Umfrage von 20 Minuten und Tamedia vor den eidgenössischen Wahlen 2023.

von
Claudia Blumer
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SVP-Präsident Marco Chiesa kann auf einen Zuwachs an der Wählerbasis hoffen: Die SVP hat laut Umfrage von 20 Minuten und Tamedia mehr Sympathien als bei den Wahlen 2019.

SVP-Präsident Marco Chiesa kann auf einen Zuwachs an der Wählerbasis hoffen: Die SVP hat laut Umfrage von 20 Minuten und Tamedia mehr Sympathien als bei den Wahlen 2019.

20min/Taddeo Cerletti
Politologe Claude Longchamp: «Meistens gewinnt die Partei, die vorher verloren hat und umgekehrt.»

Politologe Claude Longchamp: «Meistens gewinnt die Partei, die vorher verloren hat und umgekehrt.»

Tamedia
SVP Medienkonferenz zum Thema "Die Schmarotzer-Politik der links-grünen Städte" mit dem Parteipräsident und Ständerat Marco Chiesa (TI).
09.09.2021

SVP Medienkonferenz zum Thema "Die Schmarotzer-Politik der links-grünen Städte" mit dem Parteipräsident und Ständerat Marco Chiesa (TI).
09.09.2021

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

Bei den letzten eidgenössischen Wahlen sank der Wähleranteil der SVP auf 25,6 Prozent. Mittlerweile ist er gestiegen, das zeigen die Resultate der ersten Wahlumfrage von 20 Minuten und Tamedia vor den eidgenössischen Wahlen im Herbst 2023 (siehe Box). Heute kommt sie gemäss Umfrage auf eine Zustimmung von 27 Prozent, das entspricht einem Plus von 1,4 Prozentpunkten.

Hingegen verlieren die Grünen, die 2019 stark zugelegt haben, um 1,5 Prozentpunkte und sind laut der Umfrage noch bei 11,7 Prozent. Die Veränderungen bei FDP, Mitte und SP sind laut Studienautoren zu geringfügig für statistisch belastbare Aussagen. Bei der FDP betragen sie plus 0,3, bei der Mitte minus 0,5 und bei der SP minus 0,6 Prozentpunkte.

Der Zuwachs bei der SVP hat offensichtlich einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. So geben 41 Prozent der SVP-Neuwählerinnen und -wähler an, dass die Partei, die sie 2019 gewählt hätten, ihre Einstellungen nicht mehr wiedergebe. 29 Prozent sagen, dass sich die Problemstellung verändert habe und die SVP die besseren Antworten darauf habe.

Stimmen dank Pandemie?

Studienautor Lucas Leemann hält es für plausibel, dass dieser Stimmenzuwachs auf die Pandemie zurückzuführen sei. Dies unter anderem deshalb, weil die Situation mit Corona viele vorherige Nicht-Wählerinnen und -Wähler mobilisiert habe. Und auch wegen der Gründe, welche die SVP-Neuwähler und -wählerinnen angeben. Gleichzeitig bedeute das auch, dass mit einer Überwindung der Pandemie bis 2023 auch die Gunst für die SVP wieder abnehmen könnte.

Auch Politologe Claude Longchamp sagt: «Der Wählerzuwachs der SVP hat damit zu tun, dass die Polparteien von einer Debatte, wie wir sie heute haben, zuerst profitieren.» Diese Debatten kämen und gingen aber zyklisch und es würde nicht immer die gleiche Partei profitieren. Meistens sei es jene Partei, die letztes Mal verloren habe, und umgekehrt. Die Ergebnisse der 20-Minuten-Umfrage bestätigten diesen Befund: Die SVP hat 2019 verloren und gewinne jetzt Sympathien; die Grünen haben 2019 gewonnen und verlieren jetzt Stimmen.

Grüne verlieren, Grünliberale gewinnen

Die Grünen können ihren historischen Erfolg von 2019 gemäss der Umfrage nicht halten. Jedoch gewinnen die Grünliberalen gleich 2,4 Prozentpunkte hinzu und liegen bei 10,2 Prozent Anteil. Anders als bei der SVP geben viele GLP-Neuwählerinnen und -wähler einen anderen Grund für den Wechsel an: Die neue Partei habe ihre Position angenähert.

Knapp 20’000 Personen haben teilgenommen

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