Beschimpfungen im Netz : SVP-Glarner führt Feldzug gegen seine Hater
Aktualisiert

Beschimpfungen im Netz SVP-Glarner führt Feldzug gegen seine Hater

Andreas Glarner hält die Justiz auf Trab: Der SVP-Nationalrat hat zahlreiche Bürger angezeigt, weil sie ihn im Netz beschimpft haben. Einige wurden bereits gebüsst.

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daw/lz
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Beschimpft und beleidigt: Andreas Glarner zeigt Hasskommentare gegen seine Person konsequent an.

Beschimpft und beleidigt: Andreas Glarner zeigt Hasskommentare gegen seine Person konsequent an.

Keystone/Peter Klaunzer
Ein Twitterer unterstellte Glarner pädophile Neigungen – und wurde verurteilt.

Ein Twitterer unterstellte Glarner pädophile Neigungen – und wurde verurteilt.

In einem zweiten Fall wurde ein Nutzer eines Online-Marktplatzes belangt.

In einem zweiten Fall wurde ein Nutzer eines Online-Marktplatzes belangt.

SVP-Asylchef Andreas Glarner liebt die Provokation – und packt gern selbst den Zweihänder aus. Wird er jedoch auf Internetplattformen wüst beschimpft, beleidigt oder verleumdet, hört bei ihm der Spass auf.

So hat der streitbare Aargauer seit seiner Wahl in den Nationalrat in mindestens zehn Fällen Strafanzeige gestellt – die letzte am 31. Januar, nachdem ihm in einem E-Mail «Rassenhass» unterstellt wurde. In einigen Fällen hat die Staatsanwaltschaft bereits Strafbefehl erlassen. 20 Minuten hatte Einsicht in die Akten. Drei Fälle zeigen beispielhaft, womit sich die Justiz befassen muss.

Der Pädophilie bezichtigt

Fall 1: Ein Zürcher Student bezichtigte Glarner in einem Tweet der Pädophilie. Zu einem Bild, das Glarner zeigt, wie er ein Kind in einem Flüchtlingscamp in Griechenland herzt, schrieb er im Juli 2016 auf Twitter: «Andreas Glarner zeigt in den Medien ungehemmt seine Pädophilie: Wo bleibt die Empörung von Natalie Rickli

Mit dem Tweet handelte sich der Student einen Strafregistereintrag ein. Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten verurteilte den Student. Ende Oktober wegen übler Nachrede zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 20 Franken und zu einer Busse von 400 Franken. Hinzu kommt eine Gebühr von 1200 Franken. Der Student hat Rekurs gegen den Strafbefehl eingelegt.

Sauna verkauft – und als Faschist bezeichnet

Fall 2: Glarner verkaufte auf einem Kleinanzeigen-Portal unter einem Pseudonym eine Sauna. In der Kommentarspalte schrieb er, sie könne an seinem Wohnort in Oberwil-Lieli AG besichtigt werden. Daraufhin schrieb «Armando696»: «Sind Sie der rassistische Andreas Glarner, leider immer noch Gemeindepräsident von Oberwil-Lieli? Und verkaufen Sie den gesamten Hausrat, weil sie aus Oberwil-Lieli wegziehen wollen und sich Ihre Frau von Ihnen scheiden lassen will? Von Faschisten kaufe ich generell nichts.»

Die Staatsanwaltschaft verlangte von dem Portal die Offenlegung der Nutzerdaten und erliess wegen übler Nachrede einen Strafbefehl gegen A.A. Das Verdikt: eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 40 Franken bedingt, 200 Franken Busse und ein Eintrag im Strafregister. A. zieht den Fall ans Gericht weiter. Die Hauptverhandlung ist auf den 7. März angesetzt.

Drohung auf Facebook

Fall 3: S.K. schickte Glarner Ende Oktober 2016 eine gehässige Nachricht via Facebook: «Ich hoffe, dass dumme Leute wie Sie bald aussterben! Und natürlich sind rassistische Bemerkungen illegal! Genau wie mein Fuss in Ihrem Gesicht!! Du Vollidiot!!!»

Glarner reichte auch in diesem Fall Strafanzeige ein. Er liegt nun bei der Staatsanwaltschaft.

«Ich wünsche mir mehr Gelassenheit von Glarner»

Von seinem juristischen Feldzug erhofft sich Glarner eine abschreckende Wirkung: «Es spricht sich herum, dass ich jeden packe», sagt der SVP-Hardliner. Laut Glarner konnten die Täter nicht in jedem Fall ausfindig gemacht werden. Wo das gelang, habe er bislang aber in jedem Fall gewonnen.

Der Zürcher Student, der Glarner Pädophilie vorwarf, wollte sich nicht zum Fall äussern. Es handle sich um ein laufendes Verfahren. Der andere Beschuldigte, A.A., weilt derzeit im Ausland. Sein Anwalt wollte ohne Rücksprache mit seinem Mandanten keine Stellung zum Fall nehmen.

Glarner selbst wurde in der Vergangenheit von der Juso wegen Amtsmissbrauchs angezeigt, der Genfer SP-Nationalrat Carlo Sommaruga zeigte ihn wegen wegen Schreckung der Bevölkerung an. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen allerdings in beiden Fällen ein.

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