«Freue mich nicht»: SVP-Glarner provoziert mit Post über Neugeborenes
Aktualisiert

«Freue mich nicht»SVP-Glarner provoziert mit Post über Neugeborenes

Das erste Baby des Jahres aus dem Kanton Schwyz heisst Muhammed, die Eltern sind Flüchtlinge. Andreas Glarner (SVP) findet, die Familie habe zu viele Kinder, und eckt mit einem Post an.

von
Martin Messmer
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Im Spital Schwyz kam das Kind namens Muhammed zur Welt.

Im Spital Schwyz kam das Kind namens Muhammed zur Welt.

Glarner sagt:« Ich gehe davon aus, dass diese Familie von Sozialhilfe lebt. Unsere arbeitende Bevölkerung muss jetzt für das sechste ihrer Kinder aufkommen. Da kann man sich nicht freuen.»

Glarner sagt:« Ich gehe davon aus, dass diese Familie von Sozialhilfe lebt. Unsere arbeitende Bevölkerung muss jetzt für das sechste ihrer Kinder aufkommen. Da kann man sich nicht freuen.»

Keystone/Anthony Anex

«Irgendwie kann ich mich gar nicht so richtig freuen...»: Das postete SVP-Nationalrat Andreas Glarner auf Facebook zu einem Zeitungsbericht im «Boten der Urschweiz» zur Geburt des ersten Babys 2019, das am 1. Januar im Spital Schwyz auf die Welt kam.

Grund für Glarners Post: Das Kind heisst Muhammed. Seine Eltern sind Flüchtlinge aus Afghanistan, die nun sechs Kinder haben. Die Familie ist seit dreieinhalb Jahren in der Schweiz. Der Vater würde laut Artikel gern arbeiten, dürfe dies wegen seines Flüchtlingstatus aber nicht.

«Ich bin einfach nur schockiert»

Weit über 200 Kommentare erhielt Glarner auf seinen Post. Etliche äussern ihr Missfallen. Ein User schrieb: «Sie müssen sich nicht freuen, aber das Mindeste wäre Grundrespekt gegenüber jedem Menschen. Dieses Kind ist kaum eine Woche alt, viel unschuldiger gehts nicht.» Ein anderer meint schlicht: «Lieber Herr SVP-Nationalrat Andreas Glarner, ich bin einfach nur schockiert über ihre Aussage.»

Glarner erhält jedoch auch viel Support. «Ich glaube, dass niemand hier das Baby persönlich angreifen möchte. Das Kind bzw. diese Familiengeschichte steht in meinen Augen als Sinnbild für die momentane Einwanderungspolitik», heisst es etwa. Viele von Glarners Anhängern auf Facebook scheinen sich ebenso wie der Nationalrat vor einer «Islamisierung» der Schweiz zu fürchten.

«Das ist nicht mein Niveau»

Auch in seinen eigenen Parteireihen wird Glarners Post kontrovers aufgenommen. Der Schwyzer SVP-Ständerat Alex Kuprecht sagt auf Anfrage: «Ich würde nie einen solchen Kommentar machen. Das ist einfach nicht mein Niveau. Aber das ist eben Herr Glarner.»

Der Schwyzer SVP-Parteipräsident Roland Lutz hingegen sagt: «Glarner verweist mit diesem Artikel auf den steigenden Anteil islamischer Mitbürger. Dass er darüber nicht gerade erfreut ist, kann ich mir vorstellen.» Dass Glarner einen Zeitungsartikel über ein Neujahrsbaby wählte, um seine Haltung zu transportieren, findet Lutz «unproblematisch».

«Bevölkerung muss auch noch fürs sechste Kind zahlen»

Andreas Glarner steht hinter seinem Post, wie er gegenüber 20 Minuten bekräftigte. Er habe diesen abgesetzt, «weil die Islamisierung der Schweiz um sich greift». Bei aller Religionsfreiheit mache ihm das extrem Sorgen. «Ich gehe davon aus, dass diese Familie von Sozialhilfe lebt. Unsere arbeitende Bevölkerung muss jetzt auch noch für das sechste ihrer Kinder aufkommen. Da kann man sich nicht freuen», sagt er.

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