350'000 Franken: SVP-Glarner sammelt Geld für Flüchtlingslager
Aktualisiert

350'000 FrankenSVP-Glarner sammelt Geld für Flüchtlingslager

Das Dorf Oberwil-Lieli AG wehrte sich vehement gegen Asylbewerber. Dafür sammelt Gemeindeammann Andreas Glarner (SVP) nun Geld für gestrandete Flüchtlinge.

von
D. Waldmeier
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Andreas Glarner besuchte im Sommer zwei Flüchtlingscamps in Griechenland.

Andreas Glarner besuchte im Sommer zwei Flüchtlingscamps in Griechenland.

zvg
Mit diesem Flyer ermuntern die Gemeinde und Private die Bevölkerung nun, zu spenden.

Mit diesem Flyer ermuntern die Gemeinde und Private die Bevölkerung nun, zu spenden.

Glarner hat während der Reise auch selbst Fotos geschossen. «Es handelte sich um alte Fabrikhallen, wo man Zelte aufgestellt hat. Im Lager in Frakaport sind die Flüchtlinge praktisch sich selbst überlassen, weil Griechenland das Geld gar nicht hat, um sie zu versorgen», berichtet er.

Glarner hat während der Reise auch selbst Fotos geschossen. «Es handelte sich um alte Fabrikhallen, wo man Zelte aufgestellt hat. Im Lager in Frakaport sind die Flüchtlinge praktisch sich selbst überlassen, weil Griechenland das Geld gar nicht hat, um sie zu versorgen», berichtet er.

zvg

Die Gemeinde Oberwil-Lieli und ihr Ammann Andreas Glarner sorgten vergangenes Jahr europaweit für Schlagzeilen: Das Aargauer Dorf weigerte sich, Asylbewerber aufzunehmen, und entrichtete lieber eine Ersatzabgabe an den Kanton.

Inzwischen hat der Gemeinderat aber beschlossen, nach Möglichkeit eine fünfköpfige christlich-syrische Familie aufzunehmen. Die Gemeinde sucht derzeit nach einer 4,5-Zimmer-Wohnung.

300'000 Franken für Hilfsorganisation

Gleichzeitig möchte Asylhardliner Glarner beweisen, dass das Dorf die Augen «nicht vor dem Flüchtlingselend dieser Welt verschliesst». Die Gemeinderat beantragt der Einwohnerversammlung am Freitag deshalb, 50'000 Franken zugunsten der Organisation Schwizerchrüz.ch von Michael Räber zu sprechen, die in Flüchtlingscamps in der Türkei und Griechenland hilft. Glarner hatte im Sommer selbst zwei Lager besucht und sich ob der Zustände erschüttert gezeigt.

Zudem haben Gemeinde und Private eine Sammelaktion lanciert. In einem Flugblatt ermuntern sie die Bevölkerung zu weiteren Spenden. Laut SVP-Nationalrat Glarner sind bereits rund 300'000 Franken zusammengekommen. Eine Privatperson habe «unglaubliche» 250'000 Franken zugesagt.

«Man kann Glarner nicht verbieten, schlauer zu werden»

Die IG Solidarität, die sich für die Aufnahme von Asylsuchenden im Dorf einsetzt, begrüsst die Spendenaktion. Sprecher Martin Uebelhart sagt: «Dass sich ausgerechnet Glarner bei seinem Lagerbesuch mit syrischen Flüchtlingsbabys fotografieren liess, fanden zwar viele peinlich. Aber dank unseres Widerstands hat sich der Gemeindeammann nun bewegt.» Dies sei auch nötig, da Glarner mit seiner Flüchtlingspolitik den Ruf des Dorfs ramponiert habe. Die Spende sei aber kein Ersatz für die geplante Unterbringung von Asylsuchenden im Ort.

Auch der Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth sieht in der Spende eine nette Geste: «Oberwil-Lieli ist wegen des Gemeindeammanns zu Unrecht in Verruf geraten.» Man könne Glarner nicht verbieten, schlauer zu werden. «Allerdings machen ein schöner Flyer und eine Spende die unmenschliche Politik der SVP nicht ungeschehen, die die Not- und Entwicklungshilfe gnadenlos zusammenstreichen will.»

«Nicht nur reiche Säcke ohne Herz»

Glarner wehrt sich: «Wir machen echte Hilfe vor Ort. In Oberwil-Lieli wohnen nicht nur reiche Säcke, die kein Herz haben, wie uns immer vorgeworfen wird.» Es gehe nicht darum, das Gewissen zu beruhigen oder das Image aufzupolieren, sondern dort zu helfen, wo das Geld effizient eingesetzt werde.

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