Aktualisiert 25.10.2015 10:30

Bulle FRSVP-Grossrat wegen Tierquälerei verurteilt

Roger Schuwey, SVP-Politiker und Jäger, musste sich für den qualvollen Tod einer Gämse verantworten. Er stand nicht zum ersten Mal wegen Tierquälerei vor Gericht.

von
gbr
Roger Schuwey, SVP, Hotelier, Jäger und für die SVP im Grossen Rat des Kanton Freiburg.

Roger Schuwey, SVP, Hotelier, Jäger und für die SVP im Grossen Rat des Kanton Freiburg.

SVP-Grossrat Roger Schuwey sass am Donnerstag vor dem Polizeigericht des Greyerzbezirks im Kanton Freiburg. Laut einem Bericht der «Freiburger Nachrichten» wurde dem Politiker Tierquälerei vorgeworfen.

Es geht um eine Jagd bei Fochsen auf der Jaun im September 2014: Schuwey schoss aus aus 150 Metern Distanz aus liegender Position auf eine Gämse. Dies mit einem Gewehr eines Freundes – sein eigenes war laut seinen Angaben in Reparatur. Wie vor Gericht weiter herauskam, hatte Schuwey vier Patronen sowie eine Fangschusspistole dabei. Die Zeitung beschreibt folgenden Ablauf: Schuwey habe mit dem ersten Schuss ein Vorderbein des Tieres getroffen – die Gämse brach ein, stand auf, legte sich wieder nieder. Schuwey schoss zwei weitere Male – daneben. Die Gämse lag ungünstig – Schuwey wartete. Nach vierzig Minuten feuerte er seinen letzten Schuss ab – wieder daneben.

«Mit Jagen hat das nichts zu tun»

Danach habe Schuwey sich dem verletzten Tier genähert – die Gämse floh. Erst nach 70 Minuten seit dem ersten Schuss habe er sie packen können und mit der Fangschusspistole von ihrem Leid erlösen können.

Ein Wildhüter hat das alles aus rund 400 Metern Distanz beobachtet – und einige Szenen mit seiner Handykamera gefilmt, wie die Zeitung weiter berichtet. Danach habe der Wildhüter Schuwey zur Rede gestellt und ihm gesagt: «Mit Jagen hat das nichts zu tun», worauf dieser geantwortet habe: «Ja, das stimmt». Eine spätere Anzeige führte per Staatsanwaltschaft zu einer Verurteilung mittels Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 30 Franken und einer Busse von 800 Franken.

Drei Füchse gewildert, einen noch lebend entsorgt

Es ist nicht das erste Mal, dass Roger Schuwey im Zusammenhang mit der Tötung von Tieren gebüsst wurde: Im November 2013 schoss der Politiker von sich zu Hause aus auf drei Füchse – was illegal ist – und entsorgte sie in einem Abfallsack. Eines der Tiere hatte zu diesem Zeitpunkt noch gelebt. Dafür war Schuwey mit einer Busse von 1000 Franken und einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen à 120 Franken bestraft worden. Wegen der Gämsen-Tat wurde diese bedingte Geldstrafe von total 1800 Franken nun in eine unbedingte Geldstrafe umgewandelt. Das wollte Schuwey nicht akzeptieren, weshalb der Gämsen-Fall vor Gericht kam.

Vor Gericht argumentierte Schuwey am Donnerstag laut «Freiburger Nachrichten», er habe nicht schiessen können, weil ihm die Gämse das Hinterteil zuwandte. Ein Schuss hätte das Tier nicht getötet, er habe warten müssen. «Ich weiss, dass es nicht schön war, aber habe alles Mögliche gemacht, damit die Gämse nicht lange leiden musste», sagte er dem Polizeirichter. Der Wildhüter war hingegen der Ansicht, Schuwey hätte dem angeschossenen Tier schneller nachgehen sollen. Ebenfalls stand die Frage im Raum, weshalb der Wildhüter die Szene nur beobachtete, statt einzuschreiten. Laut der Zeitung ist das nicht die Aufgabe des Wildhüters: Sie lassen Jäger auf der Jagd in Ruhe – ausser, Jäger kontaktieren sie, wenn sie Unterstützung brauchen.

Schuldig gesprochen

Das Greyerzer Gericht anerkannte am Freitag zwar, dass Nervosität in ­dieser Situation eine Rolle spielen kann – doch die Wartezeit von 40 Minuten sei unerklärlich lang. Der Politiker habe den Tod des Tieres fahrlässig hinausgezögert und ihm unzumutbares Leid zugefügt. Schuwey wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 130 Franken verurteilt. Und er muss eine Busse von 500 Franken bezahlen.

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