Gemeinderatswahlen Bern: «SVP hat gute Chancen, wieder in die Regierung einzuziehen»
Aktualisiert

Gemeinderatswahlen Bern«SVP hat gute Chancen, wieder in die Regierung einzuziehen»

Die SVP steigt mit fünf Kandidaten in die Stadtberner Gemeinderatswahlen. Politologe Mark Balsiger schätzt den Schachzug ein.

von
Sonja Mühlemann

Die SVP Stadt Bern setzt auf fünf Männer. Die Delegierten dürften am 1. Februar folgende Kandidaten offiziell nominieren: Ex-Stadtrat Jimy Hofer (parteilos), Parteipräsident Rudolf Friedli, den designierten Grossrat Stefan Hofer, Nationalrat Erich Hess und den Direktor des Tierparks Dählhölzli, Bernd Schildger.

Mark Balsiger, die SVP setzt auf prominente Namen: Gelingt ihr mit diesem Schachzug der Einzug in den Gemeinderat?

Mark Balsiger: Mit einem bunten Kandidatenmix und dank der vollen Liste hat die SVP gute Chancen, nach 12 Jahren Pause wieder in die Regierung gewählt zu werden.

Welche SVP-Kandidaten haben aus Ihrer Sicht die grösste Chancen?

Die Tragik des Stadtberner Wahlsystems ist es, dass nicht primär Köpfe, sondern Blöcke (Listen wie bei Nationalratswahlen) gewählt werden. Es ist höchste Zeit, endlich das Majorzsystem einzuführen. Die Parteispitze spekuliert darauf, mit den populären Figuren Bernd Schildger und Jimy Hofer parteiunabhängige Wähler anzuziehen. Das übergeordnete Ziel: Erich Hess und Rudolf Friedli sollen zusätzliche Stimmen erhalten. Friedli hätte das Zeug zum Gemeinderat, Hess wird von vielen Leuten als Politclown bezeichnet. Aber er hat auch viele Supporter.

Wie beurteilen Sie die Kandidatur von Tierparkdirektor Schildger?

Schildger will nun offensichtlich in die Politik wechseln, nachdem er vor vier Jahren nochmals kalte Füsse gekriegt hat (siehe Box). Wird er nicht gewählt, hat er ein Legitimationsproblem in seiner jetzigen Funktion. Er verlöre an Glaubwürdigkeit.

Wackelt durch den Angriff der SVP das Rot-Grün-Mitte-Bündnis?

Nein, was die SVP macht, ist ein Frontalangriff auf die beiden bürgerlichen Gemeinderäte Reto Nause und Alexandre Schmidt. Es ist möglich, dass das Rot-Grün-Mitte-Bündnis davon profitiert und so neu vier statt drei Sitze in der Regierung haben wird.

Vom Tierparkdirektor zum Gemeinderat?

Die SVP Stadt Bern wollte Bernd Schildger bereits 2012 zum Gemeinderatskandidaten machen. Doch dieser sagte in letzter Minute ab. Vier Jahre später begründet er dies wie folgt: «Der Tierpark befand sich damals in einem Sturm. Seither hat das Stimmvolk aber dem neuen Tierparkreglement zugestimmt und dieser ist finanziell unabhängiger geworden. Die Strategie ist zukunftstragend und das Schiff nun in ruhigen Gewässern unterwegs», sagt Bernd Schildger. Die Wahlen sehe er sportlich, sofern er von den SVP-Delegierten offiziell aufgestellt werde. «Für mich ist klar: Wenn ich in ein Rennen steige, will ich dieses gewinnen.» Sollte er keinen Sitz ergattern, wolle er Tierparkdirektor bleiben. Er sehe hierbei kein Glaubwürdigkeitsproblem.

Sein derzeitiger Vorgesetzer Reto Nause (CVP) sehe kein Problem, was die Kandidatur angehe. Auch wenn sie dadurch zu Konkurrenten werden. Das Parteiprogramm der SVP passe zu ihm, so Schildger. «Wenn die SVP in den Gemeinderat eingebunden wird, macht sie diesen leistungsfähiger.» (smü)

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