Rassismus: SVP-Hess benutzt auf Clubhouse mehrmals das N-Wort
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RassismusSVP-Hess benutzt auf Clubhouse mehrmals das N-Wort

Nicht zum ersten Mal: SVP-Nationalrat Erich Hess äussert sich auf Clubhouse mehrmals rassistisch. «N**** darf man eigentlich immer sagen», doppelt Hess auf Anfrage nach.

von
Daniel Krähenbühl
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SVP-Nationalrat Erich Hess benutzte in einer Clubhouse-Diskussion mehrmals das N-Wort. 

SVP-Nationalrat Erich Hess benutzte in einer Clubhouse-Diskussion mehrmals das N-Wort.

Tamedia AG
Im Clubhouse-Raum «Freunde der SVP» diskutierten SVP-Vertreter über die Burkainitiative.

Im Clubhouse-Raum «Freunde der SVP» diskutierten SVP-Vertreter über die Burkainitiative.

Screenshot Clubhouse
Der Zürcher Rapper Grëj ruft dazu auf, das Profil von Hess zu melden. 

Der Zürcher Rapper Grëj ruft dazu auf, das Profil von Hess zu melden.

Screenshot Clubhouse

Darum gehts

  • Auf der Audio-App Clubhouse führen SVP-Vertreter eine Diskussionsrunde zur Burkainitiative.

  • Dabei spricht SVP-Nationalrat mehrmals von N*****.

  • Auf Anfrage sagt Hess, dass er sich den Wortschatz nicht «von den Linken» vorschreiben lasse.

  • Laut der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR sind die Aussagen von Hess «unhaltbar und rassistisch»

Auf der neuen Audio-App Clubhouse trafen sich am Mittwochabend im Raum «Freunde der SVP» Parteimitglieder und Interessierte zur Diskussion über die Burkainitiative. Mit dabei: SVP-Nationalrat Erich Hess, Nils Fiechter und Adrian Spahr. Auf seine Aussage vor drei Jahren im Berner Stadtrat angesprochen («Tag für Tag sieht man vor der Reithalle hauptsächlich N**** am Dealen»), habe dabei Hess laut Anwesenden mehrmals das N-Wort benutzt – die deutsche Variante – und sich dabei rassistisch geäussert.

«Hess sagte, er finde die Aussage, dass N**** hauptsächlich Drogendealer sind, nicht rassistisch», sagt der Zürcher Rapper Grëj, der aus Interesse der Clubhouse-Diskussion zuhörte. Dass sich ein gewählter Nationalrat so äussert, gehe eindeutig zu weit. «Gleichzeitig behauptet er, dass es in der Schweiz kein Rassismus- oder Rechtsextremismus-Problem gäbe. Diese Leute leben in einer Parallelwelt», sagt Grëj.

Er lasse sich den Wortschatz nicht «von den Linken» vorschreiben, sagt Erich Hess auf Anfrage von 20 Minuten. «Um zu erklären, um was es in der Stadtrats-Debatte ging, musste ich den Begriff N**** wieder erwähnen.» Zwar seien damals Anzeigen gegen ihn eingereicht worden, die Staatsanwaltschaft sei aber offenbar zum gleichen Schluss gekommen wie er: «Das Wort N**** ist für mich weder rassistisch noch beleidigend», so Hess. «Es ist nicht verboten, das Wort N**** zu benutzen – genau so wenig wie etwa der Begriff ‹Zigeuner›», sagt Hess.

Für die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus EKR sind die Aussagen von Hess hingegen «unhaltbar und rassistisch». Das «N-Wort» sei eine abwertende Fremdbezeichnung, die durch eine kolonial-rassistische Geschichte geprägt ist. «Wer diesen Begriff heute noch verwendet, tut dies als bewusste Provokation», sagt Giulia Reimann von der EKR. Umso schlimmer sei es, wenn der Begriff in Zusammenhang mit der Pauschalisierung «alle» seien «Drogendealer» verwendet werde, denn damit werde gegen eine Gruppe von Menschen gehetzt und es werden negative Vorurteile geschürt. «Es ist Aufgabe der zuständigen Staatsanwaltschaft, zu entscheiden, ob Herrn Hess’ Aussagen auch strafbar im Sinne der Rassismusstrafnorm sind.»

Auf Twitter werden die Aussagen von Hess rege diskutiert:

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Tel. 147

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