«Deutscher Filz»: SVP-Inserat löst Sturm der Entrüstung aus
Aktualisiert

«Deutscher Filz»SVP-Inserat löst Sturm der Entrüstung aus

Das Ansehen der Deutschen ist besser als ihr Ruf - so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage. Daran ändert auch die Anzeigen-Kampagne der SVP Zürich gegen deutsche Professoren nichts. Im Gegenteil: Die Mehrheit der Bevölkerung findet: Das geht überhaupt nicht.

von
Olaf Kunz

Mit ihrer neuesten Kampagne gegen den «Deutschen Filz» trifft die SVP Zürich entgegen ihrer Intention keinesfalls die Volksseele. 60 Prozent stören sich absolut nicht an der Tatsache, dass es im Hochschulbereich viele Angestellte aus Deutschland gibt. Sie stimmen der Aussage zu «es kommt ausschliesslich auf fachliche Qualifikationen und nicht auf die Nationalität an». Das ist eines der Ergebnisse einer nicht repräsentativen Umfrage von 20 Minuten Online, die noch viele weitere aufschlussreiche Einblicke in die Schweizer Volksseele gewährte.

Ohne Deutsche gäbe es Chaos

Überraschend ist auch: Trotz vieler deutsch-feindlicher Diskussionen fällt die Bilanz im Bezug auf die Zuzügler aus dem nördlichen Nachbarland alles andere als negativ aus. Vier Fünftel aller Umfrageteilnehmer arbeitet mit deutschen Kollegen zusammen. Fast die Hälfte von ihnen macht im Alltag sehr positive Erfahrungen. 35 Prozent können keinen grossen Unterschied zu Schweizer Kollegen erkennen und halten sie für gleich sympathisch. Lediglich 19 Prozent sind nicht gut auf Deutsche zu sprechen.

55 Prozent sind sich sicher, dass es sehr schwierig wäre, in ihrem Bereich ohne deutsche Mitarbeiter auszukommen. Es fehle an heimischen Fachkräften. Vor allem Krankenhäuser und Pflege, Gastronomie und Hotellerie sowie Hochschul- und Bildungseinrichtungen könnten ohne Deutsche nicht aufrechterhalten werden - davon ist immerhin jeder Zweite fest überzeugt, wobei diese Meinung vor allem in Bezug auf Spitäler am verbreitetsten ist.

Schwaben nicht unsympathisch

28 Prozent finden deutschstämmige Einwohner weniger sympathisch als Schweizer. Sie assoziieren vor allem Negativ-Eigenschaften wie «arrogant», «vorlaut» und «streberhaft» mit den «Gummihälsen». 60 Prozent können in dieser Hinsicht keinen Unterschied zwischen Eidgenossen und Bundesbürgern feststellen. Auf 13 Prozent der Schweizer wirken Deutsche indes sogar sympathischer als ihre Landsleute.

Dementsprechend ist auch die Einstellung gegenüber der Aussage, das Boot sei voll. Zwei von fünf finden keinesfalls, dass es in der Schweiz zu viele Deutsche gebe. Ein Drittel ist nicht der Ansicht, dass zu viele Deutschstämnmige hier lebten, es sollten aber auch nicht mehr werden. Für 29 Prozent hingegen gibt es zu viele Zuwanderer aus der Bundesrepublik.

Droht der SVP eine Klage?

So positiv diese Umfrageergebnisse ausfallen, so negativ ist die Reaktion des Stimmvolkes auf die Inserat-Aktion der SVP. Mehr als ein Drittel ist der Meinung, dass die Urheber innerhalb der SVP wegen Volksverhetzung strafrechtlich belangt werden sollten. Roger Liebi, Präsident der SVP Stadt Zürich, kann den Vorwurf der Volksverhetzung dennoch nicht nachvollziehen: «Ich kann verstehen, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. Aber die Oberstaatsanwaltschaft hat ja bereits kommuniziert, dass sie keine Verletzung der Rassismus-Strafnorm festgestellt hat.» Ob seine Partei noch ein weiteres Inserat schalten wird, ist dennoch mehr als fraglich in Anbetracht der enormen Negativ-Wirkung - auch wenn bei Liebi angeblich ausschliesslich positive Reaktionen eingingen.

Die Umfrage

Insgesamt 3271 Internetnutzer haben sich an der nicht-repräsentativen Web-Umfrage von 20 Minuten Online beteiligt. Davon stammen 77 Prozent der Teilnehmer aus der Schweiz. 14 Prozent aus Deutschland. Insgesamt galt es 16 spezifische Fragen rund um das Verhältnis der Schweizer zu Einwanderern aus Deutschland zu beantworten.

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