Johann Schneider-Ammann: SVP-Ja setzt Schweizer Forscher unter Druck
Aktualisiert

Johann Schneider-AmmannSVP-Ja setzt Schweizer Forscher unter Druck

Europa spricht der Schweizer Forschung seit dem Ja zur SVP-Initiative keine Fördergelder mehr zu. Das Vorgehen beim Kroatien-Dossier dürfte auch hier entscheidend sein.

Gehören zu den Verlierern beim Ja zur Zuwanderungsinitiative: Martin Vetterli, Praesident des Nationalen Forschungsrates des SNF (links) und Bundesrat Johann Schneider-Ammann

Gehören zu den Verlierern beim Ja zur Zuwanderungsinitiative: Martin Vetterli, Praesident des Nationalen Forschungsrates des SNF (links) und Bundesrat Johann Schneider-Ammann

Bei der Forschung hat die Abstimmung vom 9. Februar unmittelbar zu Kollateralschäden geführt. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) und das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) bemühen sich gemeinsam um Schadensbegrenzung. Politisch bleibt das Dossier vorerst blockiert.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann konnte bei einem Besuch beim SNF am Freitag keine Entwarnung geben. Die EU habe stets klar gemacht, dass es beim Kroatien-Dossier Bewegung brauche, bevor wieder über Horizon 2020 gesprochen werden könne, sagte er gegenüber Medienvertretern.

Obwohl es positive Signale aus Brüssel gibt, ist es noch nicht so weit. Mit Resultaten sei frühstens in einigen Wochen zu rechnen, sagte Schneider-Ammann. Auch bei einem günstigen Verlauf wird es Zeit brauchen, bis der Bundesrat sein erklärtes Ziel erreicht hat: Die vollständige Anbindung an das EU-Förderprogramm Horizon 2020. Die EU hat entsprechende Verhandlungen abgebrochen, nachdem die Schweiz angekündigt hatte, das Protokoll zur Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien nicht unterzeichnen zu können.

Forschungsbetrieb sicherstellen

Bis diese Probleme gelöst sind, müssen Nationalfonds und Behörden dafür sorgen, dass der Forschungsbetrieb weiterläuft. Wenn die Schweiz die Beschäftigung erhalten wolle, müsse sie innovativ und wettbewerbsfähig bleiben, sagte Schneider-Ammann. «Das heisst, die beste Forschung ist nicht gut genug.»

Wie diese genau finanziert werden soll, ist noch unklar. Das SBFI arbeitet derzeit an einer Übergangslösung, um Forschende in der Schweiz direkt finanzieren zu können. Die Übergangslösung könnte sich an der Kooperation mit der EU orientieren, die vor der Assoziierung der Schweiz ans Forschungsabkommen im Jahr 2004 bestanden hatte. Konkrete Vorschläge stellte Schneider-Ammann für Mai oder Juni in Aussicht.

Nationalfonds mit befristetem Förderinstrument

Rascher reagiert hat der Nationalfonds: Da Schweizer Forschende seit Ende Februar beim Europäischen Forschungsrat (ERC) keine Gesuche für Fördergelder einreichen können, hat der SNF ein befristetes Förderinstrument für sie geschaffen. Dieses ist bis zum Ablauf der Eingabefrist rege genutzt worden.

Insgesamt ersuchten 145 Forschende den SNF um Forschungsgelder im Umfang von 219 Millionen Franken. Wie viele dieser Projekte mit einem so genannten «SNSF Starting Grants» über maximal 1,5 Millionen Franken gefördert werden, konnte SNF-Forschungsratspräsident Martin Vetterli nicht sagen. Die Gesuche würden derzeit geprüft. Entscheide sollen bis Ende 2014 fallen.

Schweiz muss Einbussen hinnehmen

Das Geld für diese Übergangsmassnahme kommt aus dem EU-Budget des SBFI, das nun nicht für EU-Forschungsprogramme verwendet wird. Ende April ist eine weitere Ausschreibung für ebenfalls befristete «SNSF Consolidator Grants» geplant. Diese sind für weiter fortgeschrittene Wissenschaftler mit sieben bis zwölf Jahren Erfahrung gedacht.

Vetterli sprach von einer «Notlösung». Der fehlende internationale Wettbewerb könne mittel- und langfristig nicht ersetzt werden. Zudem stünden mit der Übergangslösung weniger Mittel zur Verfügung als beim Europäischen Forschungsrat. Nach Angaben von Vetterli wurden Forschende in der Schweiz zwischen 2007 und 2013 vom ERC mit über 500 Millionen Euro gefördert - gut doppelt so viel, wie die Schweiz in dem Zeitraum beigesteuert hatte. (sda)

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