05.04.2017 03:48

Namens-Streit

SVP kämpft gegen die «Vegi-Wurst»

Keine Fleischnamen für vegetarische Produkte: Das fordert die Fleischbranche. Nun bekommt sie Support aus Bundesbern.

von
J. Büchi
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Vegetarische Fleischersatz-Produkte boomen. Das Hiltl eröffnete 2013 in Zürich gar die erste vegetarische Metzgerei der Schweiz.

Vegetarische Fleischersatz-Produkte boomen. Das Hiltl eröffnete 2013 in Zürich gar die erste vegetarische Metzgerei der Schweiz.

Hiltl Vegi-Metzg/ Adrian Bretscher
Auch bei den Grossverteilern wächst das Sortiment veganer und vegetarischer Produkte stetig. Coop hat etwa eine vegetarische Bratwurst im Sortiment – Grillstreifen inklusive.

Auch bei den Grossverteilern wächst das Sortiment veganer und vegetarischer Produkte stetig. Coop hat etwa eine vegetarische Bratwurst im Sortiment – Grillstreifen inklusive.

Coop
Ebenfalls im Angebot: Vegetarische Cervelats ...

Ebenfalls im Angebot: Vegetarische Cervelats ...

Coop

Der «Aufschnitt» schimmert zartrosa durch die Verpackung, die «Bratwurst» im Zweierpack kommt mit braunen Grillstreifen daher: Nicht nur in Farbe und Form sehen viele vegetarische Produkte ihren Pendants vom Tier zum Verwechseln ähnlich. Auch die Namensgebung orientiert sich stark am Original aus Fleisch.

Geht es nach dem Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF), soll damit Schluss sein. «Im Sinne der individuellen Wahlfreiheit haben wir nichts gegen vegetarische oder vegane Speisen», sagt Direktor Ruedi Hadorn. «Was für uns nicht geht, ist jedoch, dass sich die jeweiligen Hersteller bei Begriffen aus der Fleischbranche bedienen, anstatt eigene Namenskreationen zu entwerfen.»

«Veganes Rinderfilet ist absurd»

Die Bezeichnungen Schnitzel oder Wurst würden oft mit Fleisch assoziiert, so Hadorn. «Wenn dem Konsumenten unter diesem Titel ein fleischloses Produkt angeboten wird, stiftet das Verwirrung, ja geht sogar in Richtung Täuschung.» Noch schlimmer sei es bei Produkten, deren Bezeichnung geschützt ist oder die gar den Namen einer Tierart enthielten. «Die Bezeichnung ‹veganes Rinderfilet› ist schlicht absurd.»

In der Debatte über das neue Lebensmittelrecht machte sich der SFF beim Bund für schärfere Regeln stark – bislang allerdings vergebens. Nun wird die Politik aktiv: «Ich bin ganz klar der Meinung, dass der Konsument getäuscht wird, wenn in einem Schnitzel kein Fleisch ist», sagt der Berner SVP-Nationalrat Erich Hess. Er wolle die Fleischwirtschaft in ihrem Kampf gegen den Namenswildwuchs unterstützen und das Thema ins Parlament tragen.

Auch sein Schwyzer Fraktionskollege Marcel Dettling findet den Namensklau «scheinheilig». «Da verteufelt man Fleisch und benennt seine Produkte gleichzeitig danach.» Könnten die Begriffe aus der Fleischwirtschaft mit den bestehenden Gesetzen nicht genügend geschützt werden und nehme die Palette vegetarischer Fleischimitate weiter zu, müsse die Politik eingreifen.

Deutschland arbeitet an Regelwerk

Heute gilt in der Schweiz: Bezeichnungen wie «vegetarisches Schnitzel» sind explizit erlaubt. Als täuschend werden hingegen Bezeichnungen wie «Rinderfilet» eingestuft, wenn diese Tierart im Produkt nicht enthalten ist. Dasselbe gilt für geschützte Bezeichnungen wie «Cervelat» oder «Bündnerfleisch».

Allerdings: Coop hat einen Vegi-Cervelat im Angebot, auch in der Hiltl-Metzgerei war bis vor kurzem ein solches Produkt erhältlich. «Wir sind darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Bezeichnung Cervelat geschützt ist – nun heisst die Wurst bei uns ‹Stumpe-Chlöpfer›», so Geschäftsführer Rolf Hiltl. Von einem generellen Verbot von fleischähnlichen Bezeichnungen will er aber nichts wissen: «Es gibt Lachs-Tatar, Gemüse-Tatar – warum sollten wir kein vegetarisches Hiltl-Tatar anbieten dürfen?»

Anstatt juristisch oder politisch für ein Verbot zu kämpfen, empfehle er den Metzgern, selber innovativ zu sein und vegetarische Alternativen anzubieten. «Die Rügewalder Mühle, einer der grössten Fleischverarbeiter in Deutschland, hat damit grossen Erfolg.»

Coop-«Cervelat» illegal?

Coop hat seinen vegetarischen Cervelat erst gerade ins Sortiment aufgenommen. Sprecherin Angela Wimmer geht davon aus, «dass die Begrifflichkeiten der geltenden Gesetzgebung entsprechen». Entscheidend seien die Gesamtaufmachung der Produkte und ein klarer Hinweis auf den vegetarischen Charakter. «Uns ist keine Kundenreklamation und auch kein Fall bekannt, in dem ein Fleischersatzprodukt anstatt des richtigen Fleischerzeugnisses gekauft wurde.»

Der Basler Kantonschemiker, der für die Kontrolle der Produktbezeichnungen zuständig ist, will den Coop-Cervelat nun jedoch unter die Lupe nehmen, wie er auf Anfrage von 20 Minuten sagt. Falsch deklarierte Vegi-Produkte beschäftigen Kantonschemiker laut einem Bericht der SRF-Sendung «Espresso» immer wieder. Die Händler werden bei Verstössen dazu aufgefordert, die Kennzeichnung zu ändern.

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