2,7 Millionen Franken: «Eine Rente einfordern, die einem zusteht, ist die natürlichste Sache»
Aktualisiert

2,7 Millionen Franken«Eine Rente einfordern, die einem zusteht, ist die natürlichste Sache»

Der Alt Bundesrat fordert nachträglich seine Rente ein, was für Verständnis bei der Parteispitze sorgt. Doch nicht jeder in der Partei befürwortet das Verhalten.

von
Yasmin Rosner
1 / 5
Christoph Blocher verteidigt sein Vorgehen und glaubt nicht an einen Imageschaden für die Partei. (Archivbild)

Christoph Blocher verteidigt sein Vorgehen und glaubt nicht an einen Imageschaden für die Partei. (Archivbild)

keystone-sda.ch
Rückendeckung bekommt Blocher von SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi.

Rückendeckung bekommt Blocher von SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi.

keystone-sda.ch
Roger Köppel übt Kritik, aber an Blochers Kritikern. «Nichts braucht heute weniger Zivilcourage, als Blocher oder die SVP zu kritisieren», so der SVP-Politiker.

Roger Köppel übt Kritik, aber an Blochers Kritikern. «Nichts braucht heute weniger Zivilcourage, als Blocher oder die SVP zu kritisieren», so der SVP-Politiker.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Christoph Blocher verlangt 12 Jahre nach seinem Abgang aus dem Bundesrat eine Rente von 2,77 Millionen Franken.
  • Dafür hat der alt Bundesrat viel Kritik einstecken müssen – auch intern.
  • Die SVP-Spitze aber steht hinter Christoph Blocher.

Jetzt äussern sich erstmals SVP-Politiker zur Millionenrente, die Alt-Bundesrat Christoph Blocher von der Eidgenossenschaft einfordert. Fraktionschef Thomas Aeschi zeigt Verständnis für Blochers Vorgehen. «Eine Mehrheit von Bundesrat und Verwaltung drängen darauf, die Schweiz noch enger an die EU anzubinden», sagt Aeschi gegenüber der «SonntagsZeitung». Wenn Blocher jetzt Geld vom Staat zurück verlange, sei dies nachvollziehbar. «Er weiss das Geld besser einzusetzen als die aktuelle Staatselite.»

Nationalrat Roger Köppel wettert derweil gegen die «Moral-Superhelden», die Blochers Vorgehen anprangern. «Nichts braucht heute weniger Zivilcourage, als Blocher oder die SVP zu kritisieren», schreibt er auf Twitter. Martina Bircher, Kandidatin fürs SVP-Präsidium, hingegen will die Angelegenheit nicht kommentieren: «Das ist eine Privatangelegenheit von Herrn Blocher.»

Imageschaden für die Partei

Kritischer sehen dies gemäss «SonntagsBlick» andere Parteimitglieder. Eines sagt demnach hinter vorgehaltener Hand: «Die Parteibasis hat für diese Forderung absolut kein Verständnis.» Zumal Blocker stets betont habe, nicht wie andere alt Bundesräte, kein Geld vom Staat beziehen zu wollen. Dies würde sowieso mit den Werten der SVP im Widerspruch stehen. «Das führt zu einem Imageschaden», ist sich das Parteimitglied sicher.

SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann sei hingegen erstaunt, dass Blocher ausgerechnet jetzt seine Rente zurückverlange. Zu einem Zeitpunkt, in dem der Staat viel Geld ausgebe und wichtige Abstimmungen anstünden. Die Zürcherin aber sagt auch: «Ich kenne die Beweggründe von Herrn Blocher nicht.»

Blocher wehrt sich

Als ein Grund wurde gemutmasst, dass Liquidätsengpässe zu diesem Schritt geführt hätten. Dem aber widerspricht Blocher in der «SonntagsZeitung» und sagt: «Wenn ich sehe, wie das rot-grüne Parlament Geld ausgibt oder wie zum Beispiel Bundesrätin Karin Keller-Sutter als Sprachrohr der Interessenverbände gegen die Begrenzungsinitiative antritt, dann darf es keine Geschenke geben an diesen Staat.»

An einen Imageschaden durch sein Verhalten glaubt er nicht: «Wenn jemand findet, man sollte keine ihm zustehende Rente beziehen, sondern dieses Geld dem Staat verschenken, dann soll er mit gutem Beispiel vorangehen.» Blocher weiter: «Eine Rente einfordern, die einem zusteht, ist die natürlichste Sache, die es gibt.»

Deine Meinung

130 Kommentare