Aktualisiert 14.04.2015 13:23

«Kiffen wird verharmlost»SVP-Nationalrätin fordert Kampagne gegen Cannabis

SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler fordert eine nationale Kampagne, um vor den Folgen des Cannabiskonsums zu warnen. Das stösst bei Fachstellen nicht auf Anklang.

von
num
Eine nationale Cannabis-Kampagne ist laut Experten überflüssig.

Eine nationale Cannabis-Kampagne ist laut Experten überflüssig.

Für Anti-Tabak- oder Anti-Alkoholkampagnen wirft der Bund viel Geld auf: Neun Millionen Franken für die aktuelle Nichtraucherkampagne, 650'000 Franken jährlich für die künftige Alkoholpräventionskampagne. SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler hat nun mit einer Motion den Bundesrat aufgefordert, auch eine Cannabis-Präventionskampagne zu lancieren.

Sie sagt in der «Neuen Luzerner Zeitung»: «Kiffen wird in unserer Gesellschaft verharmlost.» Es habe nie eine flächendeckende Aufklärung zu den möglichen Schäden gegeben – anders als beim Nikotin und Alkohol. Kiffen sei Auslöser für Psychosen oder Konzentrations- und Lernschwierigkeiten.

Bei Sucht Schweiz winkt man aber ab. Mediensprecher Markus Meury sieht wenig Sinn darin, da viel weniger Personen Cannabis konsumierten als Alkohol oder Tabak. «Es stellt sich die Frage, ob es sich lohnt, die rund 97 Prozent, die nicht regelmässig Cannabis konsumieren, bezüglich dieser Substanz anzusprechen», sagt er der Zeitung.

Nur wenige konsumieren täglich Cannabis

Laut Meury droht gar ein gegenteiliger Effekt: Eine massenmediale Kampagne könne den Eindruck erwecken, dass ein Grossteil der Schweizer regelmässig kifft – sodass es als normal angesehen wird, was zu einem Konsumanreiz führen könne.

Ähnlich klingt es beim Bundesamt für Gesundheit: 11,9 Prozent der Schweizer konsumierten fast täglich Alkohol – bei Cannabis liege dieser Wert nur bei 0,5 Prozent. Und auch im Strassenverkehr ist laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung der Alkohol und nicht Cannabis das Hauptproblem.

Durch Kriminalisierung entstehen Probleme

Sven Schendekehl vom Verein Legalize it sagt auf Anfrage, dass Organisationen wie Sucht Schweiz bereits jetzt genug Informationen über Cannabis anbieten würden. «Cannabis ist nicht harmlos, das stimmt, auch wenn seine Wirkung niemals so viele Probleme wie Alkohol verursacht.»

Er sieht das Hauptproblem beim Cannabis aber in der fehlenden Legalisierung. «Durch die Kriminalisierung entstehen tatsächlich grosse Probleme.» Wenn es eine Kampagne bräuchte, dann laut Schendekehl eine, um zu zeigen, wie repressiv Polizei und Staatsanwaltschaft gegen die konsumierenden Bürger vorgehen würden. «Ich stelle bei meinen Rechtsauskünften immer wieder fest, dass viele Konsumierende die Folgen des Verbotes stark unterschätzen.»

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