Luzi Stamm: SVP-Nationalrat kauft Kokain und verpfeift Dealer
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Luzi StammSVP-Nationalrat kauft Kokain und verpfeift Dealer

Der ehemalige Richter hat einen mit Drogen handelnden Strassenmusiker angezeigt. Zuvor machte er sich jedoch selbst strafbar.

von
kat
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Nationalrat Luzi Stamm hat auf den Berner Strassen einem Dealer Kokain abgekauft.

Nationalrat Luzi Stamm hat auf den Berner Strassen einem Dealer Kokain abgekauft.

Keystone/Peter Schneider
Mit dem Säckchen ging er am nächsten Tag zur Polizei und erstattete Anzeige.

Mit dem Säckchen ging er am nächsten Tag zur Polizei und erstattete Anzeige.

Keystone/Dedmityay

SVP-Nationalrat Luzi Stamm hat am Dienstagabend nach einem Anlass der Credit Suisse in Bern einem Strassenmusiker Drogen abgekauft. Dies berichtet «CH Media». Der Deal fand hinter einer Hausecke statt.

Die Absicht dahinter: Stamm wollte den Mann zur Anzeige bringen. Seit den Zeiten des Zürcher Platzspitzes in den 80ern und 90ern verfolge er Preise, Handel und die wachsende Kriminalität. Als Richter hat er damals Drogensüchtige verurteilt.

Schlaflose Nacht

Mit dem Gramm Kokain im Sack ging er zurück ins Bundeshaus. Dort wollte er es eigentlich lassen, um am nächsten Tag Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Der Sicherheitsdienst habe ihn jedoch gebeten, das Säcklein wieder mitzunehmen.

Die Situation beunruhigte den Nationalrat. Denn nicht nur der Verkauf, auch der Besitz und der Erwerb von Drogen ist laut Gesetz strafbar. Nach einer schlaflosen Nacht beorderte er am nächsten Tag die Polizei ins Bundeshaus. Die hat das Säckchen mit dem weissen Pulver in ihre Obhut genommen.

«Kampf gegen Drogenmafia»

In ein paar Wochen will Stamm dem Berner CVP-Gemeinderat und Sicherheitsdirektor Reto Nause einen Besuch abstatten, um zu sehen, ob der «Kampf gegen die Drogenmafia» angelaufen ist, wie «CH Media» weiter schreibt.

Stamm konsumiert nach eigenen Angaben kein Kokain. Er sei schon im Normalzustand eine überdrehte Person. «Würde ich Kokain nehmen, käme das nicht gut.»

Ähnlicher Fall in Genf

Die Geschichte erinnert an das Vorgehen von Eric Stauffer, dem Mitbegründer der Genfer Bürgerbewegung MCG. Der CVP-Mann war im Jahr 2013 mitsamt Kamera auf die Strasse gegangen, um zu demonstrieren, wie einfach es, in Genf an Kokain zu kommen.

Ein Kameramann des MCG filmte einen Deal zwischen einem Drogenhändler und einem anderen Mitglied des MCG, das sich als Käufer ausgab. Als die Szene im Kasten war, sollen Stauffer und seine Mitspieler sofort die Polizei angerufen haben, um den Drogenverkäufer anzuzeigen. Der Dealer wurde festgehalten, und die zwei Kügelchen Kokain sollen der Polizei übergeben worden sein.

Das Video unter dem Titel «Drogendealer im Genfer Pâquis September 2013» fand im Internet grosse Verbreitung, worauf die Genfer Staatsanwaltschaft im November eine Strafuntersuchung gegen Stauffer und den Drogenkäufer eröffnete. Der Genfer Grossrat war Ende 2015 vom Polizeigericht zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden und hat diese erfolgreich angefochten.

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