«Sechs Amtsdauern sind genug»: SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi tritt ab
Aktualisiert

«Sechs Amtsdauern sind genug»SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi tritt ab

Der Zürcher SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi verzichtet auf eine Kandidatur im Herbst. Vor allem die Jungen in der SVP drängten ihn zum Verzicht.

von
pam
Tritt nicht mehr an: Toni Bortoluzzi, Schreiner und Betriebsinhaber aus Affoltern und Nationalrat der SVP des Kantons Zürich,

Tritt nicht mehr an: Toni Bortoluzzi, Schreiner und Betriebsinhaber aus Affoltern und Nationalrat der SVP des Kantons Zürich,

Die sechste Legislatur wird für SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi die letzte sein. Nach reiflicher Überlegung habe er sich entschieden, bei den Eidgenössischen Wahlen im Herbst nicht mehr anzutreten, berichtet heute Freitag der «Affolter Anzeiger

Druck machten vor allem aufstrebende Jungpolitiker. «Jung sein ist zwar kein Programm, aber es ist normal, dass diese auch Ansprüche haben und auf der Kandidatenliste nach vorne drängen», sagt Bortoluzzi. In seinem Verzichtsschreiben an den Kantonalvorstand schreibt Bortoluzzi: «Es war für mich als Handwerker und Vertreter des Zürcher Gewerbes eine bereichernde Zeit, eine grosse Ehre und ein besonderes Privileg, die SVP im Nationalrat vertreten zu dürfen.»

«Ich bin einer, der Klartext redet»

Bortoluzzi sorgte mit provozierenden Aussagen in der Vergangenheit für viel Wirbel in der Öffentlichkeit. In einem Interview im «Beobachter» letztes Jahr bezeichnete er Homosexuelle als «Fehlgeleitete», die einen Hirnlappen hätten, «der verkehrt läuft». Seine Aussage löste Empörung in der Homosexuellen-Szene aus. Diese Episode sieht Bortoluzzi aber nicht als Grund, um nicht mehr für den Nationalrat zu kandidieren, wie er dem «Affolter Anzeiger» sagt: «In der Partei hat mich deswegen niemand direkt kritisiert. Ich bin einer, der halt Klartext redet und seine Meinung unabhängig vertritt – damit eckt man auch an.» Kantonalpräsident Alfred Heer sagte damals, Bortoluzzis Zeit sei abgelaufen.

Bereits 2011 äusserte Bortoluzzi Zweifel an einer erneuten Kandidatur. In den letzten Monaten allerdings sei er sich nicht mehr so sicher gewesen. Der Schweizerische Arbeitgeberverband, der Apothekerverband und sogar Personen aus dem Bundesamt für Sozialversicherung hätten ihn zu einer erneuten Kandidatur ermuntert – vor allem, weil seine Kompetenzen innerhalb der SVP-Fraktion eher wenig verbreitet seien.

Erneute Kandidatur reizte ihn

Eine weitere Kandidatur für den Nationalrat reizte ihn auch wegen der anstehenden wichtigen sozial- und gesundheitspolitischen Themen wie die Altersreform 2020, das drohende AHV-Defizit oder die Probleme mit der beruflichen Vorsorge. «Das sind komplexe Themen mit schwierigen Dossiers, deren Bearbeitung sehr aufwendig ist», sagte er der Zeitung

Trotzdem kam der 68-Jährige zum Schluss, dass sechs Amtsdauern genug seien. Bortoluzzi freut sich, wieder mehr Zeit für andere Dinge zu haben: «Ich habe meine kleine Werkstatt behalten, habe eine Liegenschaft in Elm. Und ich jasse gerne.»

Hans Fehr will sich wieder zur Wahl stellen

Im Gegensatz zu Toni Bortoluzzi möchte Hans Fehr weitermachen. Der 68-jährige Fehr ist seit 1995 Nationalrat. Auch nach 20 Jahren hat er nicht genug. Er könne der Partei noch einigen Nutzen bringen, sagte er am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Unter anderem engagiert sich Fehr in der Sicherheitspolitik, in Asyl- und Ausländerfragen und «für die Unabhängigkeit», wie er sagte.

Ob es mit Fehrs Wieder-Kandidatur-Plänen klappt, steht allerdings noch nicht fest. Seine Bezirkspartei habe ihn Ende 2014 einstimmig nominiert, sagte Fehr. Die höhere Hürde steht ihm allerdings noch bevor: Am 19. Mai entscheidet der Vorstand über seine Kandidatur.

Deine Meinung