Bern: SVP-Politiker aus der Reitschule verjagt

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BernSVP-Politiker aus der Reitschule verjagt

Vergangenen Samstag besuchte Nils Fiechter von der jungen SVP zusammen mit einem Parteikollegen die Reitschule. Doch der Abend nahm kein gutes Ende – die zwei wurden rausgeworfen.

von
aha
Da war die Welt noch in Ordnung: Nils Fiechter in der Reitschule.

Da war die Welt noch in Ordnung: Nils Fiechter in der Reitschule.

facebook/reitschulebern

Es sollte ein entspannter Abend mit guter Unterhaltung werden. Nils Fiechter (Junge SVP Bern) und sein Parteikollege Andreas Gerber besuchten am Samstagabend ein Konzert des Frauenchors im Tojo. Danach begaben sich Fiechter und sein Kollege an die Bar des Reitschul-Restaurants, um noch etwas zu trinken und den Abend ausklingen zu lassen.

Als «Nazi» beschimpft

Doch in diesem Moment kippte die Stimmung: Plötzlich wurden die zwei Jung-Politiker von «vier grossgewachsenen, mürrisch blickenden Reitschülern umzingelt», schreibt Fiechter auf Facebook. Sie wurden aufgefordert, das Gelände sofort zu verlassen – ihre Getränke durften sie nicht mehr austrinken. Auf dem Weg nach draussen seien sie als «Nazi» beschimpft worden.

Fiechter machte seinem Ärger danach auf Facebook Luft und schreibt, dass seine Toleranz mit den «anständigen Reitschülern» nun ein Ende habe. Das liess die Reitschule nicht auf sich sitzen und konterte am Sonntagabend, wie das Onlineportal watson berichtet: Von einer «Doppelmoral Level 5000!» schreibt die Reitschule auf Facebook. Denn genau eine Woche vor Fiechters Besuch in der Reitschule hatte dieser noch gemeinsam mit Erich Hess (SVP) die Unterschriften für die Initiative «Keine Steurgelder für die Berner Reitschule» eingereicht.

Döner und Blumen

Fiechter sagt auf Anfrage von 20 Minuten, dass er die Argumente der Reitschule auf Facebook verstehe. «Dass wir aber aufgrund einer anderen politischen Meinung rausgeworfen wurden, kann ich nicht nachvollziehen.» Er habe gedacht, dass die anständigen Reitschüler toleranter seien. «Ich finanziere als Steuerzahler die Reitschule schliesslich mit, also habe ich auch ein Recht darauf, micht dort aufzuhalten», meint Fiechter.

Der Reitschul-Besuch hatte für Fiechter auch noch ein weiteres Nachspiel: «Kurz nachdem die Reitschule ihren Kommentar auf Facebook gepostet hatte, bekam ich von mehreren Hauslieferdiensten unter anderem Pizzen, Döner und Blumen im Wert von mehreren hundert Franken geliefert», erzählt Fiechter. Er habe die Waren abgewiesen und die Polizei eingeschaltet. Fiechter hat die Reitschüler im Verdacht: «Der Zeitpunkt ist schon auffällig.»

Facebook-User uneinig

In den Kommentaren zum Beitrag der Reitschule sind sich die User uneinig. Ein Teil schlägt sich auf die Seite von Fiechter und Gerber: «Jemandem nach- oder anspucken ist doch einfach das Niveauloseste, was man tun kann, aber zugleich wollen jene von uns nett behandelt werden? Hmmm, klingt für mich ja echt vernünftig... Dabei sind genau diese Taten daran schuld, dass er euch hasst.» Doch es gibt auch jene, die die Reaktion der Reitschule verstehen: «Was erwartet ihr? Dass man euch mit offenen Armen begrüsst? Denke ich nicht, wenn ihr eine Woche vorher eine Initiative gegen diesen Ort eingereicht habt und ausserdem finde ich es sehr schlau, sich nachher erst die Zeit zu nehmen, persönlich bei der Reitschule vorbeizugehen und sich ein Bild zu machen.»

Auch Andreas Gerber, der mit Fiechter die Reitschule besuchte, schreibt auf Facebook: «Ja wir wurden unter Androhung von Gewalt rausgeworfen und sind offensichtlich noch ohne Erlaubnis fotografiert worden von den gleichen Leuten.» Wegen den Bildaufnahmen und deren Veröffentlichung werde man nun rechtliche Schritte prüfen. Dies bestätigt auch Fiechter.

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