SVP-Politiker-Sohn verpasst SP-Gemeinderat «Schwedenküsse»
Aktualisiert

SVP-Politiker-Sohn verpasst SP-Gemeinderat «Schwedenküsse»

Der betrunkene Sohn eines St. Galler SVP-Politikers hat einem SP-Gemeinderat mehrere Kopfstösse versetzt und ihm das Nasenbein gebrochen. Heute stand er deswegen vor Kreisgericht.

Dem 20-Jährigen wurden noch weitere Straftaten vorgeworfen: So soll er vor einem Jahr in St. Gallen zusammen mit zwei Kollegen einen Mann angegriffen und ihm das Portemonnaie abgenommen haben. Auch bei jener Tat war er stark betrunken.

Der Staatsanwalt forderte für den vorbestraften Angeklagten eine unbedingte Freiheitsstrafe von 17 Monaten wegen Raubes und Körperverletzung. Zudem soll er eine frühere, bedingte Strafe von sieben Tagen absitzen. Begleitend zum Strafvollzug beantragte der Staatsanwalt für den jungen Mann eine Therapie.

Eine bedingte Strafe würde den 20-Jährigen nicht davon abhalten, weiter Alkohol zu konsumieren und zu delinquieren. Er warf ihm fehlende Einsicht vor. So habe er, trotz des laufenden Strafverfahrens, im Mai 2007 anlässlich eines Fussballspiels in Luzern an mehreren Liegenschaften Sprayereien angebracht.

Teilweise geständig

Der Angeklagte selbst verharmloste die Vorwürfe zum Teil. Beim Streit mit dem SP-Gemeinderat sei er provoziert und in die Enge getrieben worden, sagte er. Den Raub stritt er ab. Er habe dem Opfer zwar das Portemonnaie vorübergehend weggenommen, aber kein Geld gestohlen.

Der 20-Jährige beklagte sich, dass er als Sohn des SVP- Politikers abgestempelt und dauernd «angezündet» werde. Seine Alkoholprobleme stritt er nicht ab. Er versprach der Gerichtspräsidentin: «Ich saufe jetzt nicht mehr.» Eine Therapie lehnte er jedoch als unnütz ab.

Vom Vater verteidigt

Der Angeklagte wurde von seinem Vater verteidigt. Der SVP- Kantonsrat und Nationalratskandidat übte harsche Kritik an der Anklage und bezeichnete den Strafantrag als absurd hoch. Er beantragte für seinen Sohn eine bedingte Geldstrafe und eine Busse wegen Körperverletzung. Vom Vorwurf des Raubs sei er freizusprechen.

Es sei «kein Schwerverbrecher» zu beurteilen, betonte er und erwähnte die «unheilvolle Rolle des Alkohols». Sein Sohn habe nach seiner Einweisung in ein Erziehungsheim eine Berufsausbildung absolviert. Er verdiene nochmals eine Chance. Das Urteil des Kreisgerichts wird voraussichtlich Anfang nächste Woche bekanntgegeben.

(sda)

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