30.07.2020 16:50

Marco Chiesa

SVP schlägt Tessiner Ständerat als Präsidenten vor

Die SVP-Findungskommission schlägt Marco Chiesa als Parteipräsidenten vor. Den Tessiner Ständerat hatten nur wenige auf dem Schirm.

von
Reto Heimann/Daniel Waldmeier
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Marco Chiesa soll neuer SVP-Präsident werden, wenn es nach der Findungskommission geht.

Marco Chiesa soll neuer SVP-Präsident werden, wenn es nach der Findungskommission geht.

KEYSTONE
Der 45-Jährige ist Ständerat aus dem Kanton Tessin.

Der 45-Jährige ist Ständerat aus dem Kanton Tessin.

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Marco Chiesa war in der Findungskommission von Anfang an einer der Wunschkandidaten. Das schreibt die SVP in einer Medienmitteilung.

Chiesa sitzt seit 2019 für den Tessin im Ständerat. Davor war er während zwei Legislaturen Nationalrat. «Die Findungskommision erachtet es als Glücksfall, dass der künftige Parteipräsident aus der lateinischen Schweiz kommt, geht es doch in der kommenden Amtsperiode vor allem auch darum, die SVP in der Romandie zu stärken», schreibt Caspar Baader, Präsident der SVP-Findungskommission.

«Wir haben einen Kandidaten gesucht, hinter dem die Partei geeint stehen kann.»

Toni Brunner

Gemäss der Medienmitteilung steht Chiesa seit Jahren ein gegen eine «unkontrollierte Zuwanderung», gegen «steigende Immobilienpreise» und «insbesondere auch den Lohndruck» auf dem Arbeitsmarkt. «Auch wehrt sich Marco Chiesa aus tiefster Überzeugung gegen die institutionelle Anbindung der Schweiz an die EU mit einem Rahmenabkommen», schreibt Baader.

Gegen ein Rahmenabkommen

Ex-SVP-Präsident Toni Brunner ist Mitglied der Findungskommission. Chiesa sei eine integrierende Persönlichkeit, habe aber viel Charisma, sagt er. «Wir haben einen Kandidaten gesucht, hinter dem die Partei geeint stehen kann.»

In der Ständeratswahl im Tessin habe er sogar den bekannten CVP-Fraktionschef Filippo Lombardi ausgestochen. «Das zeigt, dass er mehrheitsfähig ist.» Brunner ist überzeugt, dass Chiesa die SVP nach der Wahlniederlage im letzten Jahr wieder auf die Erfolgsspur führen kann.

Dass Chiesa in der Deutschschweiz unbekannt ist, findet Brunner nicht tragisch: «Er ist eloquent und spricht alle drei Landessprachen. Man wird ihn jetzt kennenlernen.» Als Tessiner sei er in den wichtigen Fragen – Migration oder bei der EU-Politik – voll auf Parteilinie.

Auf die Frage, ob Chiesa auch Alt-Bundesrat Christoph Blocher passt, antwortet Brunner: «Wir schlagen keinen Kandidaten vor, der nicht von der ganzen Partei breit abgestützt ist.»

Kein Thema war laut Brunner die Entlöhnung: «Das Amt ist nicht entschädigt, über Spesenpauschalen würden die Parteigremien entscheiden.»

Berufliche Neuorientierung

Chiesa ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Er hat Betriebsökonomie an der Universität Freiburg abgeschlossen. Bis vor kurzem arbeitete Chiesa 80 Prozent als Leiter eines Alterszentrums. Unterdessen hat er diese Stelle jedoch gekündigt und möchte sich beruflich neu orientieren. Chiesa spricht fliessend italienisch und französisch sowie gut Deutsch.

Der neue SVP-Präsident wird an der Delegiertenversammlung der Partei in Brugg im Kanton Aargau am 22. August gewählt. Der bisherige Präsident Albert Rösti zieht sich nach vier Jahren an der Spitze der SVP zurück. Interesse am Amt angekündigt haben auch der Zürcher Nationalrat Alfred Heer und der Aargauer Nationalrat Andreas Glarner. Beide waren heute nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Das letzte Wort haben die Delegierten.

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