Facebook: SVP-Schmitt stellt Mieterin an Pranger
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FacebookSVP-Schmitt stellt Mieterin an Pranger

Der Wiler SVP-Politiker Mario Schmitt macht seinem Ärger wieder einmal via Facebook Luft. Diesmal ist seine Mieterin das Opfer. Sie schulde ihm 16'000 Franken.

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taw

«Acht Monate keine Miete bezahlt und jetzt machen sie auch noch die Hütte kaputt… jetzt reicht es – Ende Monat verleihe ich dem Pack Flügel...», so beginnt der Post, den der Wiler SVP-Stadtparlamentarier Mario Schmitt kürzlich auf seinem Facebook-Profil veröffentlicht hat. Gemeint ist seine inzwischen ehemalige Mieterin B.* Die 58-Jährige wohnte rund drei Jahre in einem Sechseinhalb-Zimmer-Haus im thurgauischen Märwil, das Schmitts Firma vermietet. In der Kommentarspalte zum Post setzt Schmitt noch einen drauf, indem er schreibt «Aufgepasst vor dieser Mietnomadin» und den Facebook-Account von B. dazu verlinkt.

Sie schulde ihm 16'000 Franken

«Die Frau hat immer mal wieder die Miete nicht bezahlt, bis es sich auf acht Mieten summiert hat», so Schmitt gegenüber 20 Minuten. Die Miete beträgt 2080 Franken pro Monat. Damit schulde B. ihm also rund 16'000 Franken. «Immer wieder bin ich mit ihr zusammengesessen und habe ihr versucht klar zu machen, dass sie sich etwas Günstigeres suchen muss», so Schmitt. Doch B. sei immer wieder weinend zu ihm gekommen und jedes Mal sei er weich geworden und man habe eine Lösung gesucht.

Zu den fehlenden Mieten kamen laut Schmitt auch Beschwerden der Nachbarn hinzu. «Bei B. wurden Hunde in der Garage gehalten und offenbar ist da sogar der Urin rausgelaufen. Das hat entsprechend gestunken und die Nachbarn hat es gestört», so Schmitt.

Irgendwann sei es einfach genug gewesen, dann habe er ihr gekündigt und sie betrieben und seinem Ärger via Facebook Luft gemacht. «Mieterschutz ist ja gut und recht, aber es bräuchte auch einen Vermieterschutz. Vor solchen Mietern muss man doch warnen», findet Schmitt. Er ist sich sicher: «Das Geld sehe ich nie wieder.»

«Ich bin sehr enttäuscht»

B. ist über den Internet-Pranger sehr enttäuscht. «Das ist doch nicht fair, ich habe das auch nicht mit Absicht gemacht», so B. Zudem sage Schmitt auch nicht die Wahrheit: «Es sind nicht acht fehlende Monatsmieten, sondern nur vier.» Ausserdem sei sie mit Schmitt zusammengesessen und habe gedacht, man wäre sich einig: «Ich habe ihm gesagt, dass ich ihm das Geld zurückzahlen werde, und das tue ich auch.»

Laut dem St. Galler Anwalt Andreas Fäh fällt der Post unter Cyber-Mobbing. «Das Wort 'Pack' ist klar ehrverletzend», so Fäh. «Genau so das Wort 'Mietnomadin', denn das suggeriert, dass die Frau vorher schon einmal Mieten schuldig blieb und es auch in Zukunft wieder tut.» Fäh rät B. deshalb, sie solle Strafanzeige erstatten und sich einen Anwalt nehmen. «So etwas muss man sich nicht bieten lassen», so Fäh. Wie B. auf Anfrage sagt, fehle ihr aber dazu ganz einfach das Geld.

Mario Schmitt kümmert es wenig. Einem User, der ihn auf Facebook darauf aufmerksam machte, dass sein Eintrag heikel sei, antwortet er: «Das ist mir sowas von egal.»

Nicht das erste Mal

Es ist nicht das erste Mal, dass Schmitt mit einem Facebook-Post für Aufsehen sorgt. Wegen eines Islam-Posts stand er im Juli dieses Jahres sogar vor dem Kreisgericht Wil und wurde wegen mehrfacher Rassendiskriminierung verurteilt. Auf Facebook bezeichnet er den Richter daraufhin als «inkompetent» und «unverschämt».

Mieterin B.* ist Anfang September in eine neue Wohnung in Märwil gezogen. Ihre alte Wohnung hat Schmitt noch nicht weitervermietet. Den Post hat der umstrittene SVP-Mann inzwischen von seinem Facebook-Profil gelöscht.

* Name der Redaktion bekannt

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