Thun BE: SVP und BDP für einmal vereint
Aktualisiert

Thun BESVP und BDP für einmal vereint

Obwohl die SVP ihre Kandidaten mit klarem Vorsprung vor der der SP platzieren konnte, ist die neu angetretene BDP insgesamt als die glänzende Gewinnerin zu bezeichnen. Ihr Einzug geht zulasten der Freisinnigen.

Mit 128 916 Parteistimmen verdrängt die SVP bei einer Wahlbeteiligung von 39 Prozent die SP als grösste Fraktion im Gemeinderat. Ob das Stadtpräsidium nach elf Jahren SP mit dem ebenfalls in den Gemeinderat gewählten Raphel Lanz (SVP) in bürgerliche Hände fällt, ist noch offen. Da keiner der sechs Kandidaten das absolute Mehr von 7'130 Stimmen erreichte, muss der mögliche Stadtvater am 12. Dezember in einem zweiten Wahlgang ermittelt werden. Dass der von FDP und SVP unterstützte Lanz das Amt des abtretenden Hans-Ueli von Allmen (SP) erbt, ist nach dem Rückzug der Kandidatur der bisherigen Vizestadtpräsidentin Ursula Haller (BDP) wahrscheinlich. Sollte die SP den freigewordenen Sitz mit Peter Siegenthaler zu verteidigen versuchen, müsste dieser eine Stimmendifferenz von 1989 Stimmen ausgleichen können.

Wundenlecken bei Freisinn und SP

Die Liberalen müssen im Stadtrat zusammen mit der SP zahlenmässig am meisten Federn lassen. Ganze drei Sitze verliert die FDP, was diese mit 49'618 Listenstimmen beinahe die eigene Fraktion kostet. Besser hält sich die SP, die mit 93'679 Stimmen an der Urne ebenfalls Schelte einstecken muss, sich aber mit acht Stadträten als zweistärkste Fraktion zu halten vermag. Die BDP sichert sich aus dem Stand heraus sechs Sitze im 40-Kopf starken Gemeindeparlament. Die Grünliberalen können mit einem Sitz einen Achtungserfolg feiern, dürften sich mit dem von Gina Lehnherr gewonnen Sitz aber nicht wirklich freuen. Wäre die GLP eine Listenverbindung mit den christlichen Parteien (CVP/EVP/EDU) eingegangen, hätten die Grünliberalen mit den Restmandaten wohl einen zweiten Sitz erkämpft. Will die GLP ihre neue Verantwortung wahrnehmen, wird sie wohl mit den konservativen Parteien als Fraktion kooperieren müssen. Parteipräsident Andreas Kübli (GLP) zeigte sich indes über den früheren Entscheid enttäuscht, ohne eine Listenverbindung angetreten zu sein.

Internet als entscheidender Wahlkampfmotor

Thematisch bewegte sich der Wahlkampf auf bekannten Wegen. Neu hingegen war der Einsatz der so genannten Neuen Medien. So wurde die von SVP und FDP aufgeworfene Steuerreduktion praktisch von allen Parteien unter Einbezug der Öffentlichkeit auf verschiedenen Online-Plattformen diskutiert. Auch die Plattform politnetz.ch wurde von vielen Kandidaten als Diskussionsort benutzt. Im Kampf um die letzten, noch unentschlossenen Wählerstimmen könnte das Internet und allen voran die sozialen Medien somit eine bedeutende, wenn nicht entscheidende Rolle gespielt haben. Lukas Lanzrein (SVP) ist seit Sonntag das jüngste Mitglied des Stadtrats und überzeugt, dass die sozialen Medien einen wertvollen Beitrag zum demokratischen Diskurs und damit zu seiner Wahl geleistet haben dürften. Der junge SVPler äusserte sich in einer Anfrage positiv gegenüber neuen demokratischen Beteiligungsformen und will auch nach seiner Wahl aktiv über politnetz.ch mit den Bürgern in Kontakt bleiben.

Deine Meinung