Aktualisiert 12.01.2018 07:32

Tamedia-Wahlumfrage

SVP und GLP legen zu, CVP stürzt ab

Knapp zwei Jahre vor den Nationalratswahlen sind die Grünliberalen und die SVP im Aufwind. Das zeigt die Tamedia-Wahlumfrage.

von
daw
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Im Oktober 2019 wird gewählt. Die Tamedia-Umfrage zeigt, wo die Parteien heute stehen.

Im Oktober 2019 wird gewählt. Die Tamedia-Umfrage zeigt, wo die Parteien heute stehen.

Keystone/Dominic Steinmann
Die Partei von SVP-Chef Albert Rösti kommt laut der Umfrage auf eine Wählerstärke von über 30 Prozent.

Die Partei von SVP-Chef Albert Rösti kommt laut der Umfrage auf eine Wählerstärke von über 30 Prozent.

Keystone/Ennio Leanza
Auch der neue GLP-Präsident ist auf Kurs: Seine Partei legt laut der Umfrage um 1,5 Prozentpunkte zu im Vergleich zu den letzten Wahlen.

Auch der neue GLP-Präsident ist auf Kurs: Seine Partei legt laut der Umfrage um 1,5 Prozentpunkte zu im Vergleich zu den letzten Wahlen.

Keystone/Ennio Leanza

Wer hätte zu den strahlenden Siegern gehört, wenn am vergangenen Wochenende Nationalratswahlen stattgefunden hätten? Und wer hätte vor den Medien eine bittere Niederlage erklären müssen?

Eine Antwort gibt die erste Tamedia-Wahlumfrage mit über 20'000 Teilnehmern, die den Formstand der Parteien zur Mitte der Legislatur misst. Grössere Umwälzungen wie in Frankreich, wo sich Emmanuel Macron mit seiner Bewegung En Marche die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung sicherte, sind im Schweizer System nicht zu erwarten. Bei drei Parteien zeigen sich aber klare Trends.

GLP und SVP sind im Aufwind

Bei der CVP ist es dem neuen Präsidenten Gerhard Pfister noch nicht gelungen, die Abwärtsspirale zu durchbrechen: Die Christdemokraten tauchen in der Umfrage unter die 10-Prozent-Marke und kommen auf eine Wählerstärke von gerade noch 9,1 Prozent. Das sind 2,5 Prozentpunkte weniger als bei den letzten nationalen Wahlen 2015.

Dafür ist mit der GLP eine andere Mitte-Partei die grösste Gewinnerin zur Halbzeit der Legislatur. Die Grünliberalen legen im Vergleich zu den Wahlen 2015 um 1,5 Prozentpunkte zu und kommen gemäss der Umfrage auf 6,1 Prozent. Die GLP hatte bei den letzten Wahlen 0,8 Prozentpunkte und fast die Hälfte der Nationalratssitze verloren.

Die SVP ist nach ihrem Wahlsieg vor gut zwei Jahren weiter im Hoch: Sie kann auf bereits rekordhohem Niveau noch einmal 1,4 Prozentpunkte dazugewinnen und kommt derzeit auf 30,8 Prozent Wähleranteil. Auf der Stelle treten dagegen FDP, SP, BDP und Grüne: Bei diesen Parteien liegen die Veränderungen nicht im signifikanten Bereich.

«Anreize statt wirtschaftsfeindliche Vorschriften»

GLP-Präsident Jürg Grossen freut sich über das Zwischenresultat: «Es ist schön, zu sehen, dass es in die richtige Richtung geht. Viele Junge, aber auch nachhaltige Unternehmer identifizieren sich mit den grünliberalen Werten.»

Eine Erklärung dafür könnte laut Grossen sein, dass Umweltthemen nach wie vor weit oben auf der Agenda stünden in Zeiten, in denen die USA aus dem Klimaschutzvertrag aussteigen wollten. «Anders als die Linksgrünen versuchen wir aber, die Probleme mit Anreizen zu lösen statt mit wirtschaftsfeindlichen Verboten und Vorschriften. Und in gesellschaftlichen Themen sind wir eine progressive Kraft, was uns von anderen Parteien abhebt.»

SVP will in der Westschweiz wachsen

SVP-Präsident Albert Rösti bremst derweil die Erwartungen: «Die Umfrage ist nur eine Momentaufnahme. Wenn wir bei den nächsten Wahlen das Resultat von 2015 bestätigen können, ist das schon ein riesiger Erfolg.» Dass die SVP auf hohem Niveau noch zulegen kann, schliesst Rösti aber nicht aus: «Jeder Parteipräsident will wachsen. Wenn wir in der Deutschschweiz das Niveau halten und in der Westschweiz zulegen können, ist das möglich.»

Rösti glaubt, dass das Resultat durch die jüngsten Streitereien mit Brüssel beeinflusst wurde: «Die SVP hat sich als einzige Partei gegen die Ostmilliarde und gegen ein institutionelles Rahmenabkommen gestellt, das die automatische Übernahme von EU-Recht bringt.» Der Besuch von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker habe wohl einigen die Augen geöffnet: «Wie die EU mit Dritten umgeht, beschäftigt die Schweizer.»

Auch der Politologe Nenad Stojanovic von der Universität Luzern sagt, dass der Streit mit der EU der SVP gegenwärtig in die Hände spiele. Grosses Wachstumspotenzial sieht er bei der SVP aber nicht mehr: «In der Westschweiz und im Tessin bremsen das MCG und die Lega die SVP. Auch ist Bundesrat Guy Parmelin nicht das Zugpferd in der Westschweiz, wie es viele Kommentatoren erwartet haben.»

Die Umfrage

20'422 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 4. und 5. Januar online an der ersten Tamedia-Wahlumfrage teilgenommen. Die Wahlumfrage wird in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt.

Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,2 Prozentpunkten. Bis zu den eidgenössischen Wahlen am 20. Oktober 2019 sind insgesamt sechs Erhebungen geplant.

Weitere Informationen finden Sie hier.

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