Stadt Luzern: SVP und SP sehen Klimaschutz und Denkmalpflege im Konflikt

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Stadt LuzernSVP und SP sehen Klimaschutz und Denkmalpflege im Konflikt

Die SP und die SVP verfolgen für einmal die gleichen Ziele. In einer Interpellation an den Stadtrat hinterfragen sie die Denkmalpflege kritisch und wollen wissen, wie mit aktuellen Problemen wie dem Klimaschutz umgegangen wird.

von
Yann Bartal
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Die Luzerner Altstadt wird von der Denkmalpflege als Ortsbild von nationaler Bedeutung eingestuft und daher in besonderem Masse geschützt.

Die Luzerner Altstadt wird von der Denkmalpflege als Ortsbild von nationaler Bedeutung eingestuft und daher in besonderem Masse geschützt.

20min/Martin Messmer
Blick vom Wasserturm über die Stadt Luzern in einer heissen Sommernacht 2022. Ausser an der Promenade gehören Bäume nicht zum historischen Ortsbild Luzerns.

Blick vom Wasserturm über die Stadt Luzern in einer heissen Sommernacht 2022. Ausser an der Promenade gehören Bäume nicht zum historischen Ortsbild Luzerns.

20Min/News-Scout
Grossstadtrat Patrick Zibung von der SVP wünscht sich, dass gerade im Hinblick auf den Klimaschutz und die Klimakrise die Auflagen der Denkmalpflege ein bisschen gelockert werden können.

Grossstadtrat Patrick Zibung von der SVP wünscht sich, dass gerade im Hinblick auf den Klimaschutz und die Klimakrise die Auflagen der Denkmalpflege ein bisschen gelockert werden können.

svp-lu.ch

Darum gehts

Die Luzerner Altstadt ist ein Wahrzeichen und viele Denkmäler zählen zu den touristischen Attraktionen der Stadt. Da Luzern als Ortsbild von nationaler Bedeutung eingestuft wird, wird es von der Denkmalpflege und dem Heimatschutz in besonderem Masse erhalten. Die Denkmalpflege schützt und dokumentiert das architektonische Kulturerbe der Stadt und versucht, das Luzerner Ortsbild zu bewahren. Bäume hingegen gehören nicht zum historischen Stadtbild.

Die Grossstadträte Mario Stübi von der SP und Patrick Zibung von der SVP finden das problematisch. In einer Interpellation an den Stadtrat fragen sie nach dem genauen Vorgehen der Denkmalpflege und sehen vor allem in Bezug auf den Klimaschutz Konfliktpotenzial. «In der Luzerner Altstadt hat es fast keine Bäume, weil es nicht zum Ortsbild passt. Bäume sind aber ein sehr effizientes Mittel, um das Stadtklima abzukühlen. Der Mensch muss sich und seine Stadt auch anpassen können. Ich denke, es würden sich wenig Leute an mehr Bäumen in der Altstadt stören, oder?», gibt Mario Stübi zu bedenken.

Solaranlagen auf schützenswerten Gebäuden

Bei der Denkmalpflege ist insbesondere die Installationen von Photovoltaikanlagen immer wieder ein Thema. «Die Gebäude in der Stadt Luzern haben massiven Nachholbedarf bei der Installation von Photovoltaikanlagen. Inwiefern sind diese Bestrebungen mit der Praxis der Fachstelle vereinbar?», fragen Stübi und Zibung in ihrer Interpellation.

«Es wäre schade, wenn man solche Panels montieren will, aber dann die Denkmalpflege kommt und sagt, dass das nicht ins Ortsbild passt. Das mag aus fachlicher Perspektive richtig sein, aber ich finde, man muss sich an Solarpanels gewöhnen. Wenn wir nichts verändern dürfen, können wir noch so lange von Klimazielen reden», meint Stübi von der SP.

«Am Schluss muss eine Stadt gut funktionieren.»

Patrick Zibung, Luzerner Grossstadtrat SVP

Dieser Meinung ist auch Patrick Zibung von der SVP: «Gerade da, wo es niemandem wehtut, soll man die Auflagen ein bisschen lockern. Solaranlagen stellen einen Eingriff in das Ortsbild dar – aber sie sind ein temporärer Eingriff für ein Problem, das extrem aktuell ist.»

«Historische Gebäude sind sehr ökologisch»

Roman Brunner von der Denkmalpflege Stadt Luzern bedauert, dass in der aktuellen Debatte nicht innovative Lösungen für die Energiewende gesucht werden. «Die Denkmalpfleger sind sich der Themen um die Klima- und Energiekrise bewusst und reagieren auch darauf. Aber man darf nicht vergessen, dass nur ein ganz kleiner Prozentsatz aller beheizten Gebäude im Denkmalschutz-Inventar ist.»

«Im Gegensatz zu modernen Glashäusern überhitzt die Altstadt nicht.»

Roman Brunner, Teamleiter Denkmalpflege und Kulturgüterschutz Luzern

Brunner erklärt, dass eine Altstadt sehr energieeffizient sei. «Die Gebäude werden seit Jahrhunderten gebraucht und sind dicht aneinander gebaut. Im Winter geben die sich warm wie Pinguine und im Sommer funktioniert die Kühlung gut – im Gegensatz zu vielen modernen Glasbauten. Dass historische Gebäude in der heutigen Gesellschaft als Energieschleudern wahrgenommen werden, greift zu kurz. Alte Gebäude leisten auch in energetischer Sicht sehr viel für die Gesellschaft, weil ihr Lebenszyklus in der Regel viel länger ist.»

Patrick Zibung und Mario Stübi aus dem Luzerner Kantonsrat wollen, dass Luzern den aktuellen Herausforderungen entsprechend gestaltet wird und nicht zu einem Museum verkommt. Roman Brunner von der Denkmalpflege nimmt das ernst. Schliesslich wird es darum gehen, einen gutschweizerischen Kompromiss zu finden. Das heisst, die aktuellen Herausforderungen und Krisen ernst zu nehmen und gleichzeitig andere Werte nicht aus den Augen zu verlieren. 

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