Vox-Analyse: SVP-Wähler folgten ihrer Partei nicht

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Vox-AnalyseSVP-Wähler folgten ihrer Partei nicht

Ein klares Ja forderte die SVP zur BVG-Abstimmung. Doch ihre Wählerschaft sah das anders: Nur gerade 27 Prozent der SVP-Wähler entsprachen dem Wunsch der Partei.

An der Basis vorbeipolitisiert: SVP-Präsident Toni Brunner und Christoph Blocher

An der Basis vorbeipolitisiert: SVP-Präsident Toni Brunner und Christoph Blocher

Die Senkung des BVG-Mindestumwandlungssatzes ist zwar vor allem vom linken Lager bekämpft und abgelehnt worden. Doch auch die bürgerliche Seite hat zum wuchtigen Nein vom 7. März beigetragen. Laut der Vox-Analyse überzeugten die Argumente der Gegner mehr.

Dies hat die am Montag veröffentlichte Analyse zu der Abstimmung ergeben. Besonders das Argument, wonach der tiefere Zinssatz für die 2. Säule nicht gerechtfertigt und sozial ungerecht sei, hatte die Gegnerinnen und Gegner veranlasst, ein Nein einzulegen. Die Vorlage war mit knapp 73 Prozent wuchtig verworfen worden.

Nein-Mehrheiten bei SVP und CVP

Befürwortende Argumente – etwa, dass die Senkung wegen der steigenden Lebenserwartung nötig sei – fanden ebenfalls Gehör. Wer Ja gestimmt hatte, begründete dies fast immer damit, dass die Finanzierung der Renten gesichert werden müsse. Die Finanz- und Wirtschaftskrise wurde lediglich von 11 Prozent als Grund genannt.

Am schärfsten bekämpft wurde der tiefere Mindestumwandlungssatz von Links. Doch auch bürgerlich Gesinnte sagten Nein: Die Anhänger der CVP stimmten nur zu 42 Prozent für die Vorlage, jene der SVP zu 27 Prozent, was in etwa dem landesweiten Mittel entspricht. Die SVP, die CVP und auch die FDP hatten Ja-Parolen ausgegeben.

Im freisinnig-liberalen Lager kam die Ja-Mehrheit zustande: Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Anhängerinnen und Anhänger unterstützten die Vorlage. Personen, die der Regierung ein gewisses Vertrauen entgegenbringen, sagten doppelt so häufig Ja als jene, die sich selbst als misstrauisch und unentschieden bezeichnen.

Massive Niederlage für Bundesrat und Parlament

Ältere und Personen mit höherer Bildung sagten häufiger Ja zum tieferen Mindestumwandlungssatz. Auch war in der Deutschschweiz das Ja deutlicher als in der Romandie. Wer kein Salär erhielt, liess sich überdurchschnittlich oft zu einem Ja bewegen.

Das Nein zum tieferen BVG-Umwandlungssatz war eine der massivsten Niederlagen für Bundesrat und Parlament – beide hatten ein Ja empfohlen. Zuvor und seit 1882 waren Behördenvorlagen lediglich zehn Mal mit über 72 Prozent Nein-Stimmen verworfen worden.

Linke und Frauen eher für Tierschutz-Anwälte

Die Volksinitiative für einen Tierschutz-Anwalt, die Volk und Stände ebenfalls wuchtig verwarfen, erhielt von Links, von Jüngeren und von Frauen überdurchschnittlich viel Unterstützung. 45,2 Prozent der SP-Sympathisanten sagten Ja, bei der Anhängerschaft der SVP taten dies 14,4 Prozent.

Wer Ja stimmte, tat dies meist für besseren Tierschutz, aber auch allgemein aus Tierliebe und aus ökologischen Überlegungen. Die Abstimmungskampagne beeinflusste die Stimmenden stark. Bundesrat und Parlament hatten ein Nein zu Tierschutzanwälten empfohlen.

Zum komplexen Verfassungsartikel über die Forschung am Menschen sagten 77,2 Prozent Ja, obwohl die Mehrheit den Inhalt des Artikels spontan nicht wiedergeben konnte. Ja sagten im Wesentlichen jene, die sich zu mehr Macht für den Bund und weniger Macht für die Kantone bekennen.

Wer ein Nein einlegte, tat dies vor allem aus ethischen Beweggründen. Bundesrat und Parlament hatten die Vorlage unterstützt.

Die Vox-Analyse wurde vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Genf und dem Forschungsinstitut gfs.bern durchgeführt. Befragt wurden 1502 Personen. (sda)

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