Bundesratskandidatur: Bundesratskandidat Hans-Ueli Vogt wird von Frage nach Sexualität überrascht

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BundesratskandidaturBundesratskandidat Hans-Ueli Vogt wird von Frage nach Sexualität überrascht

Lange zögerte die SVP Zürich, jetzt lässt sie die Katze aus dem Sack: Sie steigt mit Hans-Ueli Vogt ins Rennen um die Nachfolge von Ueli Maurer im Bundesrat. 

von
Daniel Graf
Stefan Lanz
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Hans-Ueli Vogt will Bundesrat werden.

Hans-Ueli Vogt will Bundesrat werden.

20min/Marino Walser
An einer Pressekonferenz informiert die SVP Zürich über die Kandidatur von Hans-Ueli Vogt für den Bundesrat. 

An einer Pressekonferenz informiert die SVP Zürich über die Kandidatur von Hans-Ueli Vogt für den Bundesrat. 

Screenshot Youtube.com 

Darum gehts

Die Zürcher SVP steigt ins Rennen um den frei werdenden Sitz von Bundesrat Ueli Maurer ein. In einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz am Mittwochmorgen erklärte Domenik Ledergerber, Kantonsrat und Parteipräsident, dass Hans-Ueli Vogt für den Bundesratssitz kandidieren wird. 

«Ich will ein Bundesrat für alle sein» 

Vogt sagt an der Pressekonferenz, er habe Gründlichkeit in der Beschäftigung mit einer Sache und den Willen, sich mit den Argumenten der anderen auseinanderzusetzen, anzubieten. Er habe aber auch grossen Respekt vor der Aufgabe. Sein politisches Grundverständnis sei: «Bei immer mehr Fragen zeigt sich eine urbane, globale, moderne und manchmal auch eine modernistische Schweiz. Auf der anderen Seite haben wir eine ländliche, durchaus aufgeschlossene, aber auch konservative Schweiz. Das ist eine Bereicherung für unser Land, daraus darf aber kein Graben entstehen.» Vogt habe beide Seiten der Schweiz im Sinn und auch im Herzen und sehe sie auch in sich vereinigt. «In diesem Sinn will ich ein Bundesrat für alle sein», sagt Vogt. 

Rita Fuhrer, Präsidentin der Findungskommission, sagt, es sei immer schwierig, geeignete und gewillte Kandidaten zu finden. Hans-Ueli Vogt sei der perfekte Kandidat als erfahrener, angesehener, allseits sehr respektierter Politiker. Er sei in steter Verbindung zur Partei, unterrichte seit bald 20 Jahren an der Uni Zürich und sei seit vielen Jahren als Gutachter und Berater in seinem Fachgebiet tätig. 

Steile Karriere fand jähes Ende

Hans-Ueli Vogt hat in der SVP erst eine steile Karriere gemacht, die dann aber jäh – vorläufig – endete. Von 2011 bis 2015 sass er im Kantonsrat. Bei den Wahlen 2015 schaffte er den Sprung in den Nationalrat.

Ist Hans-Ueli Vogt der geeignete Bundesrat für die Schweiz?

Im Nationalrat war er aber innerhalb der SVP-Fraktion ein Aussenseiter. Zwar wurden ihm als Wirtschaftsrechtsprofessor grosse Dossierkenntnisse zugesprochen, allerdings schaffte er es nie in den innersten Zirkel der SVP-Machthaber im Bundeshaus. Überliefert ist zum Beispiel eine Episode, als er den Tränen nahe eine Kommissionssitzung verliess, bei welcher er harte Kritik – gerade seiner eigenen Partei – einstecken musste.

Vogt steht offen zu seiner Homosexualität

In Bern fiel er als Sachpolitiker auf, der inhaltlich hart auf der SVP-Linie politisierte. 2021 trat er aus dem Nationalrat zurück, «weil sein Naturell nicht zum Politbetrieb passe», wie er sich im «Tages-Anzeiger» zitieren liess. An der Medienkonferenz heute betonte er, dass er sich schon in ebendiesem Interview das Hintertürchen für ein Exekutivamt einen Spalt offen gelassen habe.

Hans-Ueli Vogt steht offen zu seiner Homosexualität. Hinter vorgehaltener Hand wurde ihm das von gewissen SVPlern auch immer wieder zum Vorwurf gemacht. Der Journalist an der Pressekonferenz schickte seiner Frage denn auch voraus: «Man sollte diese Frage nicht stellen und mir ist bewusst, dass sie nicht nötig sein sollte. Trotzdem muss ich sie fragen, weil die Frage kommen wird: Ist die Schweiz und ist das Parlament, das Sie wählen muss, bereit für den ersten schwulen Bundesrat?» 

«Gehöre einer Minderheit an, das kann nur helfen»

Vogt reagierte gelassen, gab aber auch zu verstehen, dass auch er die Frage für unangebracht hält: «Ich muss gestehen, mit dieser Frage habe ich nicht gerechnet. Man hat mir geraten, einen Fragebogen zusammenzustellen mit möglichen Fragen von Journalistinnen und Journalisten. Die Frage nach meiner Sexualität stand nicht darauf.» Er gehe davon aus, dass, wenn er als Mensch und als Politiker Eigenschaften mitbringen könne, die diesem Land helfen könnten, die Sexualität keine Rolle spielen werde. Und wenn, dann habe er als Mitglied einer Minderheit Empathie, Verständnis und Einfühlsamkeit gelernt – Eigenschaften, die ihm auch in seiner Rolle als Bundesrat nur zugutekommen würden. 

Auch der Kantonalpräsident und die Präsidentin der Findungskommission stützten Vogt selbstverständlich, sprachen von einer toleranten Gesellschaft und davon, dass die Sexualität eines Bundesrats in der heutigen Zeit keine Nachteile mit sich bringen dürfe und solle. 

«Ich habe nur den Schweizer Pass»

Zuletzt wird Vogt gefragt, ob er noch einen zweiten Pass habe. Der Journalist spielt damit auf die Verwirrung rund um die Bundesrats-Kandidatur von Michèle Blöchliger an. Sie kandidiert ebenfalls für den Bundesrat. Kurz nach der Bekanntmachung musste sie Auskunft darüber geben, ob sie noch einen englischen Pass besitze. Die SVP hatte sich stets gegen die Ausübung von hohen politischen Ämtern durch Doppelbürger gestellt. 

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