Aktualisiert

SRF-«Arena» zu SteuernSVPler bekriegen sich in Projers letzter Sendung

Zoffende SVP-Vertreter und uneinige Linke: Trotz des trockenen Themas war die letzte «Arena» unter Moderator Jonas Projer unterhaltsam.

von
daw
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Gerieten sich sogleich in die Haare: Die beiden SVP-Vertreter Camille Lothe (l.) und Hannes Germann.

Gerieten sich sogleich in die Haare: Die beiden SVP-Vertreter Camille Lothe (l.) und Hannes Germann.

Waren ein Herz und eine Seele: SVP-Ständerat Hannes Germann und SP-Nationalrätin Jacqueline Badran. Beide kämpfen für den AHV-Steuer-Deal.

Waren ein Herz und eine Seele: SVP-Ständerat Hannes Germann und SP-Nationalrätin Jacqueline Badran. Beide kämpfen für den AHV-Steuer-Deal.

Camille Lothe sieht in der Vorlage einen «Verfassungsbruch».

Camille Lothe sieht in der Vorlage einen «Verfassungsbruch».

Die AHV-Steuer-Reform ist so komplex, dass seltsame Allianzen entstehen: Die SVP ist gespalten und hat Stimmfreigabe beschlossen. Die SP ist dafür, während Juso und Grüne dagegen sind.

Diese Konstellation nutzte «Arena»-Dompteur Jonas Projer (37) in seiner letzten Sendung zu seinen Gunsten: Im Lager der Gegner kämpfte SVP-Jungpolitikerin Camille Lothe Seite an Seite mit Grünen-Fraktionschef Balthasar Glättli. Den beiden stellte Projer den SVP-Ständerat Hannes Germann und die SP-Nationalrätin Jacqueline Badran gegenüber.

SVP-Gäste waren sich gar nicht grün

Das Kalkül ging voll auf: So wie Projer schon im Intro zwei SVP-Schriftzüge clashen und in hundert Stücke springen liess, gerieten sich Lothe und Hermann in der Sendung sogleich in die Haare. Erster Streitpunkt war die Verknüpfung der Steuerreform mit der AHV-Finanzierung: So sollen nicht nur die international verpönten Steuerprivilegien für Statusgesellschaften abgeschafft werden, sondern auch jährlich zwei Milliarden Franken mehr in die AHV fliessen.

So verlief der Start von Projers letzter «Arena».

SVPler bekriegen sich in Projers letzter Sendung

Zoffende SVP-Vertreter und uneinige Linke: Trotz des trockenen Themas war die letzte «Arena» unter Moderator Jonas Projer unterhaltsam. (Video: SRF)

(Video: SRF)

Lothe sprach von einem «Verfassungsbruch», da durch die Verknüpfung sachfremder Themen eine unverfälschte Stimmabgabe verhindert werde. Auch Glättli warnte vor schwindendem Vertrauen in die Demokratie, wenn man versuche, sich die Zustimmung mit einem «Päckli zu erkaufen». Denn wie bei der gescheiterten Unternehmenssteuerreform III drohten bei Kantonen und Gemeinden riesige Steuerausfälle.

Die Stimmbürger würden behandelt wie kleine Kinder, sagte Glättli – und setzte zu einem bildhaften Vergleich an. «Ein Kind schmeisst den Spinat auf den Boden, weil er ihn nicht mag. Jetzt vermischt man den Spinat mit Röseliköhl und giesst etwas Zuckersauce drüber, damit das Kind den Spinat isst.»

Badran tätschelt Germann

SVP-Mann Germann widersprach: Es stehe zu viel auf dem Spiel, dass man Nein sagen könnte. Er argumentierte mit Arbeitsplätzen und damit, dass es keinen Plan C gebe. Die Vorlage sei ein typisch schweizerischer Kompromiss, wie es ihn immer wieder gegeben habe.

Zu Hochform lief Badran auf. Sie lobte die Vorlage in den höchsten Tönen, da damit die «unsäglichen Steuerprivilegien» endlich abgeschafft würden. Sie sei ein «Geniestreich». Durch die Verknüpfung sei der Kompromiss im Parlament erst möglich geworden. Als sich Glättli über die Aussagen Badrans wunderte, meinte Germann, er habe diese noch selten so gemocht. Der Schaffhauser erntete dafür Lacher aus dem Publikum und auch einen jovialen Seitenhieb von seiner Verbündeten.

«Zuschauer stellen sich uns in der Badewanne vor»

Fast zu bildhaft ging es dann bei der Debatte um den AHV-Teil der Vorlage weiter. Lothe verglich – animiert durch Projer – die AHV mit einer Badewanne, in der es keinen Stöpsel gibt, um das Wasser zu stoppen. Nun lasse man einfach immer mehr Wasser, Lothe meint damit Geld, hineinlaufen. Da entfuhr es dem SRF-Mann: «Jetzt stellen sich die Zuschauer uns alle in der Badewanne vor.»

Der Moderator, der ansonsten gewohnt souverän durch die Sendung führte, bat die Gäste gegen Ende der Sendung, ihm Tipps für einen Freitag ohne «Arena» zu geben. Lothe etwa riet ihm zum Beer Pong, wie sie es in ihrer WG bisweilen spiele.

Zum Schluss bedankte sich der fünffache Familienvater dafür, dass er das Privileg gehabt habe, während fünf Jahren die Politsendung zu moderieren. Wer genau hinschaute, konnte erkennen, dass seine Augen ein wenig wässrig wurden.

++Politik++

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