Münchenstein BL: SVPler feiert russische Annexion ab und tritt nach Kritik aus der Partei aus

Aktualisiert

Münchenstein BLSVPler feiert russische Annexion ab und tritt nach Kritik aus der Partei aus

Wilhelm Wyss unterstützt die Annexion Russlands auf ukrainischem Staatsgebiet und teilt russische Propaganda. Auf Twitter hat er heftige Reaktionen ausgelöst. Nun meldet sich die Baselbieter SVP zu Wort. Kurz darauf verkündete Wyss seinen Austritt.

von
Vanessa Travasci
Steve Last
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«Donezk, Lugansk, Cherson und Saporoschschja sind endlich wieder mit Russland vereinigt. Ein schwerer Schlag für die Globalisten», schreibt Wilhelm Wyss auf Twitter. Danach folgen auf Russisch die Aussagen «Slava Rossii», also «Ruhm für Russland» und «Za Prezidenta», sprich für den Präsidenten.  

«Donezk, Lugansk, Cherson und Saporoschschja sind endlich wieder mit Russland vereinigt. Ein schwerer Schlag für die Globalisten», schreibt Wilhelm Wyss auf Twitter. Danach folgen auf Russisch die Aussagen «Slava Rossii», also «Ruhm für Russland» und «Za Prezidenta», sprich für den Präsidenten.  

Twitter/@WyssWilhelm
«Faschist», kommentiert ein User auf seinen Tweet. Doch Wyss lässt sich davon nicht beirren und antwortete: «Ich muss Sie enttäuschen, hier liegt eine Verwechslung vor. Aber wenn Sie Faschisten suchen, finden Sie diese in der Ukraine.»

«Faschist», kommentiert ein User auf seinen Tweet. Doch Wyss lässt sich davon nicht beirren und antwortete: «Ich muss Sie enttäuschen, hier liegt eine Verwechslung vor. Aber wenn Sie Faschisten suchen, finden Sie diese in der Ukraine.»

twitter/@WyssWilhelm
Für HD Zimmermann, Politiker bei den Grünliberalen in St. Gallen, ist der Fall klar. Er adressiert seine Antwort direkt an die Partei der SVP: «Ich empfinde diese Äusserungen eures Mitglieds Wilhelm Wyss vom 1. Oktober als Skandal!»

Für HD Zimmermann, Politiker bei den Grünliberalen in St. Gallen, ist der Fall klar. Er adressiert seine Antwort direkt an die Partei der SVP: «Ich empfinde diese Äusserungen eures Mitglieds Wilhelm Wyss vom 1. Oktober als Skandal!»

Twitter/@hdzimmermann

Darum gehts

«Donezk, Lugansk, Cherson und Saporoschschja sind endlich wieder mit Russland vereinigt. Ein schwerer Schlag für die Globalisten», schreibt Vorstandsmitglied der SVP Arlesheim-Münchenstein Wilhelm Wyss am Sonntag auf Twitter. Danach folgen auf Russisch die Aussagen «Slava Rossii», also «Ruhm für Russland» und «Za Prezidenta», sprich «für den Präsidenten». Russland hatte die ukrainischen Regionen, die es im Rahmen seines völkerrechtswidrigen Angriffskriegs nur teilweise kontrolliert, nach Scheinreferenden annektiert.

Seither gab es heftige Reaktionen. Knapp 600 Mal wurde der Tweet des Sekretariats- und Medienverantwortlichen der SVP Münchenstein-Arlesheim kommentiert. «Faschist», schrieb etwa ein User. Wyss schien sich davon nicht beirren zu lassen und antwortete: «Wenn Sie Faschisten suchen, finden Sie diese in der Ukraine.» Auch Parteikollegen finden klare Worte zu den pro-russischen Aussagen des Polit- und Slavistikstudenten der Uni Basel. So kommentiert Stefan Basler der SVP Bülach: «Suchen Sie sich eine andere Partei.»

Kantonalpartei geht auf Distanz

Nun äussert sich auch die SVP Baselland in einer Medienmitteilung vom Montag und distanziert sich klar: «Der Kantonalpartei liegt es völlig fern, Präsident Putin in irgendeiner Weise zu bewundern. Vielmehr verurteilen wir sein Tun in aller Form und in ganzem Umfang.» Die Scheinreferenden nennt sie «Volksabstimmungen, die diesen Namen nicht verdienen». Die Meinung von Wyss sei zwar freie Meinungsäusserung, entspreche der Auffassung der SVP Baselland aber «in keiner Weise». Die russischen Annexionen in der Ukraine «können nicht toleriert werden», die Aggression komme ausschliesslich von Russland.

Die Kantonalpartei habe das Gespräch mit der betroffenen Ortssektion gesucht und gefunden. Über das weitere Vorgehen werde noch entschieden. Ein Parteiausschluss des jungen SVP-Politikers sei dabei eine «mögliche Option». 20 Minuten konnte bereits kurz mit Personen aus der Ortspartei sprechen. Sie wird über das weitere Vorgehen beraten. Eine Stellungnahme zu den Ergebnissen ist für Dienstag angekündigt.

Austritt vor Rausschmiss?

Am Montag um 12.21 Uhr setzte Wyss einen weiteren Tweet ab, wohl seinen letzten als SVP-Mitglied. Er verkündete seinen Austritt aus der Partei. «Weil ich meine sehr dezidierte persönliche Meinung nicht in Zusammenhang mit Parteipolitik bringen möchte, trete ich vorerst aus der SVP aus», heisst es darin.

Wilhelm Wyss hat auf Anfragen von 20 Minuten auf mehreren Kanälen noch nicht reagiert.

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Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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