Aktualisiert 29.04.2008 21:29

Swatch tickt gut - Hayek kritisiert Finanzmärkte

Der weltgrösste Uhrenkonzern Swatch verspürt trotz der Finanzkrise keine Anzeichen einer Verlangsamung der Geschäfte. Swatch-Vater Hayek äussert scharfe Kritik am Kasinokapitalismus. Die Börse widespiegle keineswegs die Realwirtschaft.

Alle Segmente und Regionen erreichten in den ersten vier Monaten 2008 «sehr hohe» Wachstumsraten. Nach den 2007 erzielten Rekordresultaten gehe es «weiter im gleichen Takt, auch in Amerika», sagte Konzernchef Nick Hayek am Dienstag an der Bilanzmedienkonferenz von Swatch in Biel. Zahlen nannte er nicht.

2007 hatte der Konzern, wie bereits Mitte März mitgeteilt, erstmals über eine Milliarde Franken verdient und fast 6 Mrd. Fr. umgesetzt (+17,6 Prozent). Die Nachfrage sei nun weiter gestiegen, Rekordmonat auf Rekordmonat gefolgt, auch im Luxussegment. Angesichts höherer Rohstoffpreise erwägt Swatch aber auch «moderate Preiserhöhungen».

Die Hysterie an den Börsen, der negative Herdentrieb, habe mit der Realwirtschaft wenig zu tun. Swatch habe deshalb eine geplante Analystenkonferenz kurzerhand abgesagt. Kürzlich hatte Hayek mit einem Rückzug Swatchs von der Börse geliebäugelt, die Idee wegen der erforderlichen Milliarden aber aufgegeben.

Gegen Heuschrecken

Auch Swatch-Präsident Nicolas Hayek geht im Geschäftsbericht 2007 mit der «wertabschöpfenden Wirtschaft» hart ins Gericht. Viele der Spekulanten seien Angsthasen, die sich bei ersten Problemen wieder in den Bau verkröchen.

Gerade Fonds, Hedge-Fonds und Finanzgesellschaften würden von Finanzmanagern geleitet, die grösstenteils keine unternehmerische Erfahrung hätten. Diese Fonds vertreten vehement ihre eigenen, kurzfristigen Interessen, manchmal im krassen Gegensatz zu denen des betroffenen Unternehmens, schreibt Hayek Senior.

«Die Welt und die Schweiz braucht aber Unternehmertum, das mit viel Mut, grossem Arbeitseinsatz und grosser Geistesstärke neue, echte Werte schafft, keine spekulativen Kasinospielereien», appellierte er.

Auch wenn Swatch nun während einem oder sogar zwei Jahren langsamer wachsen sollte, werden in zehn, fünfzehn und zwanzig Jahren alle Beteiligten - Mitarbeitende, Aktionäre und Bevölkerung- Nutzen daraus ziehen, prognostiziert Hayek.

Gegen 1000 offene Stellen

Das Wachstum sorgt bei Swatch weiterhin für Kapazitätsprobleme. Gesucht sind insbesondere Uhrmacher. Zurzeit sind gegen 1000 Stellen offen, wie Nick Hayek sagte. Bereits im vergangenen Jahr habe der Konzern über 2300 neue Stellen geschaffen.

Die vergangene Woche angekündigte Übernahme der Waadtländer Nobeluhrenmarke Hublot durch den französischen Konzern LVMH könne in der Branche zwar weitere Akquisitionen auslösen. Swatchs Markenportfolio sei aber vollständig und er würde es bevorzugen, wenn andere Konzerne in der Schweiz in die Produktion von Uhrwerken investierten, statt diese einfach bei Swatch zu beziehen.

Wie dem Geschäftsbericht weiter zu entnehmen ist, erhielt Konzernchef Nick Hayek 2007 eine Gesamtentschädigung von 5,6 Mio. Franken. Davon sind 3 Mio. Fr. Bonus. Sein Vater Nicolas bezog als Verwaltungsratspräsident 2,47 Mio. Franken.

(sda)

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