Swiss-Abbau: Reaktionen
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Swiss-Abbau: Reaktionen

Für die FDP stellen die von der Fluggesellschaft Swiss beschlossenen Massnahmen einen betriebswirtschaftlichen Entscheid dar, der in der Verantwortung des Verwaltungrats liege.

Was die Festlegung der Löhne und der Sozialpläne und anderes anbelange, so sei dies Sache der Sozialpartner, sagte FDP-Sprecher Christian Weber auf Anfrage.

Es müsse ohnehin das Ziel sein, dass der Bund seine Beteiligung an der Swiss verkaufe und sich wieder aus der Fluggesellschaft zurück ziehe. Das sei für die Partei immer eine Bedingung für das Engagement des Bundes bei der Fluggesellschaft gewesen.

SVP begrüsst Entscheide und kritisiert Bundesrat

Die SVP hat den Entscheid der Airline Swiss zur Restrukturierung begrüsst und gleichzeitig den Bundesrat scharf kritisiert. Die Fluggesellschaft sei jetzt offenbar dort, wo sie sich die SVP grössenmässig bereits 2001 gewünscht hätte, sagte SVP-Sprecher Roman Jäggi in einer ersten Stellungnahme. Stattdessen habe man damals den ganzen Koloss weiterfinanziert. In der Zwischenzeit seien zwei Milliarden Franken «verbraten», und der Bundesrat als Investor habe sich in den vergangenen Jahren erst noch sehr passiv verhalten, sagte Jäggi. Ein Riesenschaden sei entstanden, weil der Mut gefehlt habe, von Anfang an das Richtige zu tun.

Für Gewerkschaft VPOD ein Nullentscheid

Für den Präsidenten der VPOD-Sektion Luftverkehr, Daniel Vischer, hat der Swiss-Verwaltungsrat gar keinen richtigen Entscheid gefällt. Man müsse sich fragen, ob der Verwaltungsrat in Zukunft noch in der Lage sei, die Swiss in der bestehenden heiklen Situation mit den Problemen im Kurzstreckenbereich, weiter zu führen, sagte Vischer.

Es sei völlig unklar, was der Verwaltungsrat eigentlich wolle. Er stelle eine beängstigend grosse Zahl von betroffenem Personal in den Raum, ohne dass das Was, Wo und Wie klar seien. Auf eine Art habe er eine Tendenz eingeläutet, ohne sie aber auch nur annähernd präzisieren zu können. Der Verwaltungsrat überlasse es gewissermassen der Sozialpartnerschaft, durch «Goodwill» auf seinen Kurs einzuschwenken. «Wir sind eigentlich vor einer unklaren Situation», sagte Vischer. Die VPOD-Sektion Luftverkehr werde jedenfalls an ihrer bisherigen Position festhalten: Es gebe keinen Spielraum nach unten. «Wir werden nicht zulassen, dass ein Bereich der jahrelang gelebten Sozialpartnerschaft jetzt quasi billigflugmässig erodiert», sagte Vischer. Falls es beim Bodenpersonal zu Entlassungen kommen werde, und das sei abzusehen, werde die volle Durchsetzung des Sozialplans verlangt.

Abbauentscheid laut Finanzminister Merz richtig

Bundesrat Hans-Rudolf Merz hat den neuerlichen Abbau bei der Swiss als schmerzhaft, aber richtig bezeichnet. Ohne diesen Schritt wäre das Überleben nicht gewährleistet gewesen, sagte der Finanzminister am Dienstag. Das Swiss-Management verdiene weiter Unterstützung.

Für die betroffenen Mitarbeiter und Standorte sei der Entscheid sicher schmerzhaft, sagte Merz zu Radio 24. Es sei leider aber ein absolut richtiger Entscheid. Der bisherige strategische Kurs werde weitergeführt und das Überleben der Swiss werde dadurch sicherer. Ohne den neuerlichen Abbau wäre das Überleben der Swiss gefährdet gewesen. Die Swiss müsse auf die raschen Entwicklungen im Fluggeschäft reagieren, etwa auf die intensive Konkurrenz durch die Billiganbieter. «Sie macht es. Sie macht es richtig auch im Ausmass», sagte Merz.

Merz bekräftigte zudem den Willen des Bundes als grösstem Aktionär, die Fluggesellschaft weiterhin zu unterstützen. Das Management habe diese Unterstützung verdient. Der Bund wolle zwar seinen Aktienanteil früher oder später abgeben, jetzt sei aber sicher ein sehr ungünstiger Zeitpunkt dafür. «Der Bund wird in jedem Fall jetzt zur Swiss stehen», sagte Merz und verwies dabei auf den Bindungsvertrag der grössten Aktionäre. Laut Merz muss aber geprüft werden, ob für die Swiss weitere Kapitalisierungsschritte nötig sind. Es gelte, in Ruhe zu analysieren, wer in welchem Zeitraum allenfalls noch Kapital einschiessen müsse.

CVP froh über eingeschlagenen Kurs der Swiss

CVP-Generalsekretär Reto Nause zeigte sich froh über den von Swiss gewählten Kurs, so schmerzlich der damit verbundene Stellenabbau auch sei. Als Alternative zu den Restrukturierungsmassnahmen wäre vermutlich nur ein Verkauf, möglicherweise in Raten, möglich gewesen, sagte er. Dies werde von der CVP strikte abgelehnt. Entscheidend sei für die Partei, dass die Wirtschaftlichkeit der Swiss auch in Zukunft gewährt und damit die interkontinentale Anbindung der Schweiz sicher gestellt sei. Die Sicherung des Überlebens der Swiss sei für die CVP absolut zentral.

SP bedauert harten Schlag für das Swiss-Personal

Die SP hat den harten Schlag für das vom Abbau von bis zu tausend Arbeitsplätzen betroffene Swiss-Personal bedauert und die konsequente Anwendung des ausgehandelten Sozialplans verlangt. Allenfalls seien gezielte Verbesserungen notwendig, die mit den betroffenen Kantonen konzertiert definiert werden müssten, sagte SP-Sprecher Jean-Philippe Jeannerat auf Anfrage. Für die Zukunft fordere die Partei die Erneuerung aller Gesamtarbeitsverträge. Es wäre aus der Sicht der SP absolut unannehmbar, wenn die Swiss künftig in einem vertragslosen Zustand arbeiten würde. Die Swiss habe von allem Anfang nicht gewusst, was für eine Strategie sie im Europaverkehr verfolgen wolle. Dadurch sei sehr viel Zeit verloren gegangen und nun müsse sich die Airline massiv aus dem Europaverkehr zurückziehen. Für die Zukunft des Unternehmens sei dies wahrscheinlich sehr problematisch. Für die SP bleibe prioritär, dass die Swiss einer Grossallianz beitreten könne oder zumindest eine strategische Kooperation mit einer Grossfluggesellschaft eingehe. Dafür brauche es wahrscheinlich bald einen neuen Verwaltungsratspräsidenten.

Basel pocht auf Erhalt der Verbindungen ab Basel

Die Regierungen der beiden Basel zeigen Verständnis für den jüngsten Restrukturierungsentscheid der Swiss. Entscheidend sei, dass die Qualität der heutigen Flugverbindungen ab Basel von den neuen Partnern der Swiss aufrechterhalten werde, sagte der Sprecher der Kantonsregierungen der beiden Basel, Claus Wepler, am Dienstag auf Anfrage. «Auch wenn die Swiss nicht mehr selber am Steuerknüppel sitzt, muss die Anbindung des Standortes Basel an den internationalen Luftverkehr gewährleistet bleiben», sagte er. Die Verträge der Swiss mit den Partner-Airlines müssten entsprechend ausgestaltet werden. Wie viele Stellen die Swiss in Basel abbauen will, ist laut Wepler noch nicht klar. Dass Basel überproportional vom Abbau von 800 bis 1.000 Stellen betroffen sein könnte, werde nicht befürchtet, sagte er.

(dapd)

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