15.10.2018 17:41

Mehraufwand fürs Kabinenpersonal

Swiss-Crews nerven sich über Tomatensaft

Eine Kabinen-Crew der Swiss ärgert sich über die Einführung des Tomatensafts auf den Kurzstrecken. Es fehlt der Platz in den Getränkewagen.

von
fss
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Die Getränkewagen der Flight-Attendants haben nicht genügend Platz für den Tomatensaft.

Die Getränkewagen der Flight-Attendants haben nicht genügend Platz für den Tomatensaft.

Keystone/Christian Beutler
Dieser wird erst seit kurzer Zeit auch auf den Kurzstreckenflügen angeboten.

Dieser wird erst seit kurzer Zeit auch auf den Kurzstreckenflügen angeboten.

Eivaisla
Dafür muss das Kabinenpersonal beim Beladen auf andere Getränke verzichten.

Dafür muss das Kabinenpersonal beim Beladen auf andere Getränke verzichten.

Keystone/Salvatore di Nolfi

Seit Ende Juli gibt es bei der Swiss auch auf Kurzstrecken Tomatensaft zu trinken. Ein Entscheid, der von der Öffentlichkeit durchaus positiv aufgenommen wurde. Intern erntet das zusätzliche Angebot allerdings viel Kritik. Besonders das Flugpersonal klagt über die Einführung des Gemüsedrinks.

Das Problem: Der fehlende Platz in den Getränkewagen. Die Flight-Attendants müssen sich entscheiden, was sie auf Kosten des Tomatensafts nicht beladen. Doch falls sich ein Passagier ausgerechnet für das nicht vorhandene Getränk entscheidet, ergibt das zusätzlichen Stress. Dann muss das Servicepersonal extra in die Bordküche zurück und läuft Gefahr, nicht alle Passagiere innert Service-Zeit bedienen zu können.

Unausgegorene Idee

Wie die «Aargauer Zeitung» berichtet, schreibt ein Vorstandsmitglied, des Kabinencrew-Personalverbands Kapers im neusten internen Magazin über das Tomaten-Gate: «Es ist unmöglich, alle vorgesehenen Getränke in die Schublade auf dem Trolley zu stellen.» Auch dass der Saft ausserhalb der Schubladen platziert wird, ist keine Option: «Beim kleinsten Schubs können diese umfallen und sich über nichtsahnende Passagiere ergiessen.»

Das Vorstandsmitglied spricht von einer unausgegorenen Idee, die nur aus Marketinggründen eingeführt wurde. Auch seine eigene Service-Erfahrung bringt er mit ein. Im Schnitt gibt es pro Flug nur einen Gast, der Tomatensaft verlangt.

«Tomatensaft hat das Fass zum Überlaufen gebracht»

Auf Anfrage der «AZ» gibt eine Swiss-Sprecherin eine andere Auskunft. «Das Angebot wird von unseren Fluggästen sehr geschätzt.» Die Bilanz nach zwei Monaten sieht sehr positiv aus. Die Verärgerung des Kabinenpersonals nimmt man allerdings sehr ernst und befindet sich im ständigen Austausch.

Der Tomatensaft fungiert jedoch nur als Sinnbild für die Kritik des Servicepersonals. Die Swiss baute ihr Angebot immer mehr aus – zu Lasten des Personals. Denny Manimanakis, der Kapers-Präsident, sagt: «Der Tomatensaft hat das Fass quasi zum Überlaufen gebracht.» Auch deshalb begrüsse er die Gesprächsbereitschaft der Swiss.

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