Preisvergleich: Swiss erhöht Tarife auf beliebten Strecken
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PreisvergleichSwiss erhöht Tarife auf beliebten Strecken

Seit der Einführung des neuen Swiss-Tarifsystems mit Billigtickets sind die Preise auf sieben beliebten Strecken ab Zürich um bis zu 36 Prozent gestiegen.

von
sas

Swiss-Kunden haben seit dem Sommer auf Europaflügen ab Zürich die Möglichkeit, in der Economy-Klasse zwischen drei verschiedenen Preisen zu wählen. Etwas vereinfacht gesagt gibt es einen Light-Tarif ohne Handgepäck, einen 50 Franken teureren Classic-Tarif mit Hand- und Freigepäck sowie einen noch teureren Economy-Tarif-Flex mit Gepäck und kostenloser Umbuchmöglichkeit. Als der damalige Swiss-Chef Harry Hohmeister das Tarifmodell vorstellte, sagte er, fliegen werde für preisbewusste Kunden billiger.

Nun hat der «Tages-Anzeiger» zusammen mit dem Buchungsportal Kayak die sieben am häufigsten bei der Reisesuchmaschine nachgefragten Destinationen auf Europastrecken ab Zürich analysiert. Das Ergebnis auf Basis der wöchentlichen Durchschnittspreise zeigt: Nach Einführung der neuen Tarife haben die Preise im Vergleich zu den vier Monaten davor um 8 bis 36 Prozent aufgeschlagen.

Flüge nach Belgrad 36 Prozent teurer

Am stärksten sind die von Kayak ermittelten Preisanstiege auf den Flügen nach Palma de Mallorca (+30 Prozent) und Belgrad (+36 Prozent). Bei diesen Destinationen bezahlen Swiss-Kunden im Durchschnitt sogar mit dem günstigsten Tarif ohne Freigepäck und reserviertem Sitzplatz heute mehr als vorher mit zugeteiltem Platz und Gepäck. Auf den übrigen fünf untersuchten Strecken (London, Amsterdam, Berlin, Wien, Barcelona) liegt laut «Tages-Anzeiger» zwar der günstigste Preis tiefer als vor der Umstellung aufs neue Preismodell. Rechnet man aber die Gebühr von 50 Franken fürs Mitführen von Freigepäck und dem zugeteilten Sitzplatz für den Classic-Tarif hinzu, ergeben sich auch hier Preiserhöhungen von 20 Prozent.

«Bei jedem Vergleich von Flugticketpreisen muss beachtet werden, dass sich die aktuelle Flugticketpreisgestaltung nach der aktuellen Nachfrage und dem Marktumfeld richtet», verteidigt sich Swiss-Sprecherin Karin Müller auf Anfrage von 20 Minuten. Die Nachfrage hänge von vielen Ereignissen ab – beispielsweise politische Ereignisse an anderen Destinationen – und könne stark variieren. Um eine verlässliche Aussage machen zu können, müsste man laut Swiss die Nachfrage über einen längeren Zeitraum berücksichtigen.

Zudem bemerkt die Swiss, dass es sich bei den neuen Tarifen Light, Classic und Flex um eine komplett neue Tarifstruktur mit unterschiedlichen Leistungsinhalten handle, die nicht eins zu eins zu vergleichen seien, da im vorigen Preissystem viele Tarife pro Strecke nicht buchbar gewesen seien. «Demzufolge können wir den Vergleich von Kayak nicht nachvollziehen», so Müller. Im Übrigen bewege sich die Swiss in einem hochkompetitiven Marktumfeld mit direkte Konkurrenten. Dies habe dazu geführt, dass über die letzten Jahre die durchschnittlichen Preise pro Ticket gesunken seien.

Konsumentenschutz spricht von Schaufensterpreisen

Für Beschwerden gesorgt hat das neue Preissystem der Swiss bei der Stiftung für Konsumentenschutz: Sie bezog sich explizit auf die neue Tarifgestaltung und hinterfragte die Billigangebote, sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder. Sie kritisiert gegenüber dem «Tages-Anzeiger» die Tarifpolitik: «Das sind Preise fürs Schaufenster, um gegen die Billig-Airlines bestehen zu können.»

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