Swiss-Grossaktionäre gehen auf Tauchstation
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Swiss-Grossaktionäre gehen auf Tauchstation

Vor den Gesprächen mit der Airline wollten sich die Kapitalgeber der Swiss nicht zur Fusion mit der Lufthansa äussern.

Die Swiss führt laut Konzernsprecher Jean-Claude Donzel im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung der Lufthansa am 22. März verschiedene Gesprächsrunden mit ihren Grossaktionären. Zum Zeitplan wollte sich Donzel am Montag nicht äussern. Wie aus Aktionärskreisen verlautete, war ein erstes Treffen auf Montagabend in Zürich geplant. Die Einladungen dazu wurden offenbar bereits am vergangenen Donnerstag versandt.

Die angefragten Grossaktionäre wollten sich vorerst nicht festlegen. Man werde die Bedingungen der Lufthansa genau prüfen und sich dann eine Meinung bilden, sagte UBS-Sprecherin Eveline Müller. Der Bund, die Credit Suisse und der Kanton Zürich nahmen vorerst nicht Stellung. Die Swisscom unterstütze eine Lösung, die dem Wirtschaftstandort Schweiz nütze, sagte Konzernsprecher Christian Neuhaus. Das sei bei einer Übernahme durch die Lufthansa nicht ausgeschlossen, falls die Konditionen stimmten.

Auf Distanz ging FDP-Nationalrat Johann Schneider-Ammann, dessen Ammann-Gruppe bei der Geburt der Swiss ebenfalls Pate stand: «Die Swiss gehört in eine Allianz, aber sie muss mehrheitlich im Besitz von Schweizer Aktionären bleiben», sagte er in einem Interview des «Tages-Anzeigers». Der Bund und die Kantone dürften ihre Anteile nicht verkaufen.

Klare Preisvorstellungen hat bereits der Präsident der Schutzvereinigung Schweizer Anleger (SVSA), Hans-Jacob Heitz. Der aktuelle Börsenkurs dürfe nicht massgeblich sein, ein Übernahmeangebot müsse sich am ursprünglichen Nominalwert von 50 Franken pro Aktie orientieren, forderte er.

Auch die Gewerkschaften formulierten klare Bedingungen. Die Lufthansa müsse den Betrieb des Hubs Zürich mit 20 Langstreckenflügen auf mindestens fünf Jahre garantieren, sagte Daniel Vischer, Präsident der VPOD-Sektion Luftverkehr. Die Swiss dürfe nicht zum Regional-Ableger der Lufthansa werden, sagte der Präsident der Pilotengewerkschaft Aeropers, Christoph Ulrich. Am Hub-Konzept müsse festgehalten werden.

Auch die Fluglärmgegner meldeten Forderungen an. Vor einem Verkauf der Swiss müsse Deutschland in der Fluglärmfrage einlenken und verbindliche Zusicherungen für die Rückkehr zum alten Anflugregime machen, teilte das Fluglärmforum Süd mit. Der Landrat des deutschen Landkreises Waldshut, Bernhard Wütz, lehnte jegliche Konzessionen ab: «Der Flughafen Zürich ist und bleibt ein schweizerischer Flughafen», teilte er mit.

An der Börse gehörten die Aktien von Swiss und Lufthansa zu den Gewinnern. Der Swiss-Aktie schoss um bis zu 18,3 Prozent auf 12,30 Franken hinauf. Der Kurs der Lufthansa-Aktie legte um 2,8 Prozent auf 11,48 Euro zu.

«Wir gehen davon aus, dass die Übernahme über die Bühne gehen wird», schrieb ZKB-Analyst Patrik Schwendimann in seinem Marktkommentar. Die Swiss sei alleine nicht überlebensfähig. Die Grossaktionäre dürften froh sein, wenn sie nicht nochmals Geld einschiessen müssten. Bei einem Preis von 10,40 Franken pro Aktie wären laut Schwendimann die gesetzlichen Vorgaben erfüllt. (dapd)

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