Aktualisiert 31.03.2007 16:22

Swiss hätte alleine überleben können

Eine unabhängige Swiss wäre nach Ansicht des ehemaligen Swiss-Verwaltungsratspräsidenten Pieter Bouw möglich gewesen: «Wir hätten aber dafür einen Preis bezahlen müssen.

Die Swiss wäre viel kleiner geworden, als sie es heute ist.»

Neben den Europa-Strecken wären nur noch ungefähr fünf Langstreckenverbindungen übriggeblieben, sagte Bouw in einem Interview mit der Zeitung «Der Bund» vom Samstag. Den Vorwurf, dass die Swiss an die Lufthansa verscherbelt worden sei, wies Bouw zurück.

Die Lufthansa habe so viel bezahlt, wie die Swiss damals Wert gewesen sei. Zudem habe die Lufthansa auch die Risiken übernommen. «Es war überhaupt nicht sicher, dass die Sanierung der Swiss gelingen würde», sagte Bouw. Wenn es der Schweizer Fluggesellschaft heute viel besser gehe, sei das auch dank der Zusammenarbeit mit der Lufthansa.

Milliardenspritze ein gutes Geschäft

Für den Staat sei es ein gutes Geschäft gewesen, nach dem Untergang der Swissair 2,5 Mrd. Fr. in den Aufbau der Swiss zu investieren. «Der volkswirtschaftliche Nutzen der Luftfahrt ist für die Schweiz allein pro Jahr dreimal höher als diese Investitionen», sagte Bouw.

Es sei völlig falsch zu glauben, dass andere Fluggesellschaften die Lücke gefüllt hätten, wenn es die Swiss nicht gäbe. «Ohne eigene Fluggesellschaft mit Drehkreuz in Kloten hätte die Schweiz nur rund einen Drittel der heutigen Verbindungen», sagte Bouw.

Um ein grosses Netz profitabel zu betreiben, brauche es ein Drehkreuz mit Umsteigepassagieren. «Das macht aber nur eine Gesellschaft mit Sitz in der Schweiz. Air France oder British Airways hätten einfach die Schweizer Passagiere auf ihre Drehkreuze in Paris respektive London abgezogen», sagte Bouw.

Belastung durch Regionalpiloten

Unterschätzt habe er die Kampfbereitschaft der Regionalpiloten. «Wir hätten sie viel früher und mit mehr Druck dazu bringen müssen, mit uns zu kooperieren.» Und als klar geworden sei, dass die Regionalpiloten nicht einlenken würden, hätte die Swiss ihre Flüge in Basel viel schneller reduzieren müssen. «Wir haben ein Jahr zu spät reagiert und so viel Geld verloren», sagte Bouw.

Beim Start im März 2002 habe die Swiss die richtige Grösse gehabt - mit Ausnahme der Regionalflotte. «Diese wurde tel quel von der Crossair übernommen und war deshalb viel zu gross», sagte Bouw. Zudem hätten Rivalitäten zwischen Basel und Zürich der Swiss das Leben schwer gemacht. Es wäre wirtschaftlich sinnvoller gewesen, den Hauptsitz nach Zürich zu verlegen.

(sda)

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