Luftfahrtexperte: «Swiss-Kauf wäre eine grosse Dummheit»
Aktualisiert

Luftfahrtexperte«Swiss-Kauf wäre eine grosse Dummheit»

Politiker fordern, statt Staatshilfen den Kauf der Swiss durch den Bund zu prüfen. Andreas Wittmer, Luftfahrtexperte und Leiter des Center for Aviation Competence an der Universität St. Gallen, hält nichts davon.

von
Joel Probst
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Die Flieger der Swiss stehen wegen der Corona-Krise grösstenteils still, die Angestellten sind in Kurzarbeit.

Die Flieger der Swiss stehen wegen der Corona-Krise grösstenteils still, die Angestellten sind in Kurzarbeit.

Foto: Keystone
Die Tochtergesellschaft des deutschen Lufthansa-Konzerns will deshalb Schweizer Staatshilfe – und wird sie wohl bekommen.

Die Tochtergesellschaft des deutschen Lufthansa-Konzerns will deshalb Schweizer Staatshilfe – und wird sie wohl bekommen.

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Die Finanzverwaltung hat ein Rettungspaket für die Swiss über 1,5 Milliarden ausgearbeitet.

Die Finanzverwaltung hat ein Rettungspaket für die Swiss über 1,5 Milliarden ausgearbeitet.

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Andreas Wittmer, was würde es kosten, die Swiss der Lufthansa abzukaufen?

Einen Preis hat die Swiss nicht. Die Lufthansa könnte einen astronomischen Betrag verlangen, weil sie ihre Cashcow Swiss sicher nicht verkaufen will. Denn seit dem Kauf hat die Lufthansa mit ihr rund fünf Milliarden Franken Gewinn eingefahren. Beim Kaufpreis müsste man mindestens mit mehreren Milliarden rechnen.

Wäre der Kauf der Swiss durch den Bund eine gute Idee?

Nein, das wäre eine grosse Dummheit. Wenn man die Swiss aus der Lufthansa-Gruppe rausreissen würde, wäre sie wohl kaum überlebensfähig. Dass die Swiss so viel Geld verdient, liegt an der globalen Vernetzung und den Synergien, die sie dank der Zugehörigkeit zur Lufthansa-Gruppe und zur Star Alliance hat. Das fängt an bei der Koordination der Flugzeiten, geht bis über die Wartung und hin zum gemeinsamen Einkauf von Flugzeugen. Überall hat die Swiss dank der Grösse des Lufthansa-Konzerns immense Vorteile. Der Schweizer Markt ist zu klein, damit eine eigenständige Swiss in der heutigen Grössenordnung überleben könnte. Der Bund würde sich mit einem Kauf ein gröberes Problem schaffen, besonders in der Corona-Krise, die sowieso schon für eine Marktbereinigung sorgt.

Ist also der geplante Notkredit die beste Lösung?

Es ist sicher die am schnellsten und unkompliziertesten umzusetzende Lösung. Zudem wird der Kredit ja nur abgerufen, falls es notwendig wird. Die Swiss bereitet sich lediglich auf ein schlechtes Szenario vor. Man könnte aber auch über eine Beteiligung an der Lufthansa in irgendeiner Form nachdenken. Dabei müsste man definieren, dass das Geld zweckgebunden für die Swiss eingesetzt würde. So ein Vorgehen ist jedoch kaum in kurzer Zeit umsetzbar. Dafür müsste der Bund ein viel höheres Risiko als bei einem Kredit in Kauf nehmen und vor allem sofort Kapital lockermachen und dieses im Ausland investieren und sich mit der Lufthansa einigen. Das scheint kaum möglich zu sein.

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