Mehr Einnahmen: Swiss Life profitiert vom «Scudo»
Aktualisiert

Mehr EinnahmenSwiss Life profitiert vom «Scudo»

Reiche Privatkunden, vor allem aus Italien, lassen die Prämieneinnahmen der Swiss Life um 23 Prozent steigen. In der Schweiz sieht es allerdings nicht so rosig aus.

Überraschend hat der Lebensversicherungskonzern Swiss Life im ersten Quartal deutlich mehr eingenommen: Reiche Privatkunden, die ihre Vermögen in Lebensversicherungen anlegten, liessen die Prämienerlöse des Zürcher Traditionshauses auf 7,87 Mrd. Fr. anschwellen.

Spezielle Lebensversicherungsprodukte für reiche Kunden (Private Placement Life Insurance, PPLI) waren vor allem bei italienischen Kunden gefragt: Im Zuge des «Scudo», der Steueramnestie, parkierten sie wie schon 2009 massenweise Geld um, wie Finanzchef Thomas Buess an einer Telefonkonferenz am Dienstag erläuterte.

Die sogenannten «Versicherungsmäntel» sind im Zuge der internationalen Steueraffären bei vermögenden Kunden beliebt geworden, da sie nach geltenden Gesetzen eine legale Form von steuergünstigen Vermögensanlagen sind. Auch Konkurrent Baloise hatte 2009 mit ähnlichen Produkten hohe Prämiensummen verbucht.

Mit dem PPLI-Geschäft will die Swiss Life allerdings weltweit wachsen: «Wir verlassen uns nicht auf eine einzelne Steueramnestie», erklärte der Finanzchef. Im ersten Quartal sei das Geschäft auch in Asien gewachsen, zudem späht die Swiss Life auch auf Lateinamerika, wo das PPLI-Geschäft noch wenig Kunden hat.

Während der Konzern in Frankreich zulegen konnte, sind die Prämieneinnahmen im Schweizer Geschäft leicht rückläufig. Analysten vermuten, dass die Swiss Life besonders in der beruflichen Vorsorge Boden an die Konkurrenz verloren hat.

Erwartungen übertroffen

Mit dem Prämienplus übertrifft die Swiss Life aber die Prognosen der Experten: Von der Finanznachrichtenagentur AWP befragte Analysten hatten im Schnitt Einnahmen von 6,56 Mrd. Fr. erwartet.

Nachdem der Aktienkurs am Morgen mit 2,2 Prozent im Plus gestartet war, fiel er zur Mittagszeit ins Minus und schloss 1,8 Prozent tiefer auf 130.2 Franken. Gemäss Marktbeobachtern geht dies aber primär auf die Sorgen um den Euro und Gerüchte um einen 280- Mrd.-Euro-Hilferuf aus Spanien zurück. Zu den Swiss-Life-Zahlen hatten sich die Analysten positiv geäussert.

AWD mit positivem EBIT

Die deutsche Finanzproduktevertriebs-Tochter AWD, immer wieder das Sorgenkind des Swiss-Life-Konzerns, erzielte im ersten Quartal einen operativen Gewinn (EBIT) von 9,8 Mio. Euro, nach einem Verlust von 6 Mio. Euro im Vorjahr. Der Umsatz der 2008 übernommenen Tochter blieb mit 133,8 Mio. Euro. unverändert.

Damit hat die in Hannover beheimatete Gesellschaft aus Sicht des Konzerns das Schlimmste hinter sich: «Die Trendwende bei AWD ist auf Kurs», sagte Finanzchef Buess.

Griechenland-Risiken reduziert

Der Konzern habe indessen weiter Kosten eingespart, während die Rendite der Kapitalanlagen im ersten Quartal «im Rahmen der Erwartungen» liege, berichtete der Finanzchef weiter.

Staatspapiere vom krisengeschüttelten Griechenland seien kürzlich von 335 Mio. Fr. auf 250 Mio. Fr. reduziert worden; Der Anteil der ebenfalls argwöhnisch beäugten portugiesischen Anleihen im Swiss- Life-Portefeuille liege unverändert bei 170 Mio. Franken. (sda)

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