Uhrenindustrie: Swiss-Made-Label ist keine Garantie für Erfolg
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UhrenindustrieSwiss-Made-Label ist keine Garantie für Erfolg

Die Schweizer Uhrenindustrie steht derzeit vor den Fragen, ob sie nicht zu sehr vom Luxussegment abhängig ist und wo ihre Wachstumschancen liegen.

Wo liegt die Zukunft der Schweizer Uhrenindustrie?

Wo liegt die Zukunft der Schweizer Uhrenindustrie?

Nach Ansicht von Xavier Comtesse, Direktor von Avenir Suisse Romandie, ist die Schweizer Uhrenindustrie stark vom Luxussegment abhängig. Dieses werde von Faktoren wie Design und Werbung bestimmt sowie von den Trends, welche die grossen Zentren wie Paris oder Mailand diktierten. Von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen könne sich die Uhrenindustrie diesem Diktat kaum entziehen, ein autonomes Geschäften sei kaum möglich.

Ähnlich wie die Kinoindustrie unterliege der Uhrenindustrie zudem einer «Kassenschlager«-Dynamik. Wer auf dem Markt mitbestimmen wolle, müsse die Milliarden-Umsatz-Marke brechen, sagt Comtesse. Ein solcher Masseneffekt erlaube es, den Markt zu dominieren und die Markt-Regeln zu diktieren.

Ausnahmen Swatch und Rolex

Die Mehrheit dieser Blockbusters gehören jedoch - mit Ausnahme der Swatch Group und von Rolex - ausländischen Luxusgüterkonzernen wie LVMH (bekannt für Marken wie Louis Vuitton oder Givenchy) oder Kering (ehemals PPR und Mutterkonzern von Cucci und Yves-Saint-Laurent).

Laut Comtesse hat es von den Schweizer Marken nur Rolex geschafft, sich erfolgreich gegen diese Dominanz zu wehren. Gelungen sei ihr dies, weil sie es geschafft habe, ihren Uhren ein Symbol für gesellschaftlichen Aufstieg zu machen und sich so von den anderen Marken abzuheben.

Gefährdete Status-Symbol-Funktion

Mit dieser Blockbuster-These ist der Waadtländer Uhrenfabrikant Jean-Claude Biver nicht einverstanden. «Es ist falsch zu sagen, dass die grossen Marken den Luxusgütermarkt dominieren», sagt der Verwaltungsratspräsident der Schweizer Luxusuhrenmarke Hublot.

Aus seiner Sicht ist die Mehrheit der Firmen in dieser Branche unabhängig und aufgrund ihrer spezifischen Besonderheiten mit den anderen nicht zu vergleichen. Von einem Marktdiktat könne nicht die Rede sein.

«Zunehmend abhängig sind wir vom Wachstum auf den Märkten mit grossem Wachstumspotential, etwa in Asien, sowie von den Vorlieben der neuen Kundengeneration», sagt Biver. Ein Risiko sieht der Fabrikant etwa darin, dass die Uhren in Zukunft ihre Funktion als Statussymbol verlieren könnten.

Fokus auf die «Seele» der Uhr

Wollen die Uhrenhersteller künftig ihr Überleben sichern, müssten sie sich vom rein materiellen Aspekt ihrer Produkte lösen und sich durch andere Markenzeichen als durch den Luxus auszeichnen, glaubt Avenir-Suisse-Regionaldirektor Comtesse. «Die Firmen müssen versuchen, sich durch die Seele der Uhr auszuzeichnen, also durch kulturelle Werte und durch ein ausgeklügeltes Uhrwerk», so Comtesse.

Als Erfolgsbeispiel führt er die Westschweizer Marke Greubel Forsey an. Dieser sei es gelungen, sich dank intelligenter Innovation auf dem Markt zu behaupten. Überhaupt sei die Uhrenindustrie gut beraten, vermehrt auf Innovation und Know-how zu setzen und weniger auf das Label Swiss Made. «Die Zukunft der Branche wird nicht über ein erfolgreiches Marketing des Swiss-Made-Labels entschieden», glaubt Comtesse.

Nicht auf den Lorbeeren ausruhen

Hublot-Präsident Biver sieht dies anders. Für ihn stellt das Schweizer Label im Gegenteil ein eigentliches Symbol für Innovation und Qualität dar.

Die Bedenken angesichts der Abhängigkeit vom Luxuslabel teilt er jedoch. Eine Fokussierung auf das Luxussegment biete keine Garantie für das Überleben einer Branche, warnt Biver. Dies habe sich etwa bei der Pelzindustrie gezeigt, die plötzlich von der Bildfläche verschwunden sei. Sein Ziel sei es, die Schweizer Uhrenhersteller aufzurütteln und zu verhindern, dass sie einschlafen, während sie sich auf ihren Lorbeeren ausruhten. (sda)

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