Aktualisiert 28.12.2010 11:49

DJ Bobo

«Swiss Man Makes Worst Song Ever»

Anders als damals beim ESC hat es DJ Bobo heuer in die Top-Ränge eines internationalen Wettbewerbs geschafft: In den «schlechtesten Europop-Songs von 2010» belegt er Platz zwei.

von
obi

Wenn man im Auge des Hurrikans steht, ist einem vielleicht der Wirbelwind nicht bewusst, der um einen herum entfacht wird. So vergisst man mitunter, mit welchem ungläubigen Erstaunen die Restwelt auf das Schaffen des wohl erfolgreichsten Schweizer Musiker blickt – DJ Bobo.

Gerade in der angelsächsischen Welt empfindet man kontinentaleuropäisches Popmusik-Schaffen als hochgradig exotisch, als etwas, das sich ähnlich fremd anhört wie etwa chinesische Schlager. So wurden die Etiketten «Eurodance» oder «Europop» auch ursprünglich von britischen Musikjournalisten kreiert, um die fremdländischen Klänge aus dem fernen Europa zu kategorisieren.

Die Hassliebe gegenüber stechenden 4/4-Technobeats aus teutonischen Gefilden ist bei den ironieerprobten Angelsachsen inzwischen so ausgeprägt, dass im World Wide Web etliche englischsprachige Fan-Blogs dieses Genres zu finden sind. Am prominentesten ist «Europopped.com», betrieben von einem «amerikanischen Liebhaber von allem, was mit Euro-Zone zu tun hat». Der Mann segelt zudem unter dem wunderbar klischierten Pseudonym Helmut Le Funk.

Darf man Bobo eine reinhauen?

«Europopped.com» kürt alljährlich die «fünf schlechtesten Europop-Songs oder –Videos». Spitzenreiterin für 2010 ist die üppige Bulgarin Gerganan mit ihrer Ode an das Social Media Network «Facebook». Eine gute Wahl, denn der Song und das dazugehörige Video sind kaum von einer Parodie zu unterscheiden.

Auf Platz zwei folgt aber unser aller Lieblings-Kölliker René Baumann, der von «Europopped» liebevoll als «Wiederholungstäter» bezeichnet wird. DJ Bobos 2010-Single «Superstar» ist «in einem epischen Ausmass so schlecht, dass sie spielend die Top Five knackt – was zum Teufel passiert eigentlich da in diesem Video?», fragt der Blogger.

Der Song «Superstar» begeisterte schon bei seinem Release im Frühjahr 2010, was den Blog zur Meldung veranlasste «Schweizer Mann macht schlechtesten Song aller Zeiten». «Ist es falsch, wenn ich ihm die Faust ins Gesicht schlagen möchte?», fragte sich Helmut Le Funk damals.

Bobo selbstkritisch

Immerhin muss man DJ Bobo zugute halten, dass er mitunter ziemlich selbstkritisch sein kann. So bezeichnete er im Interview mit «20 Minuten» sein Schaffen als «Fast-Food-Musik» und gestand, seine früheren Werke seien «musikalisch keine Brüller». Doch gerade bei «Superstar» war er überzeugt, den Nerv der Zeit getroffen zu haben.

Das Ausland sieht es freilich anders: «Die Schweizer scheinen zu viel Geld und zu viel Zeit zu haben. Es gibt einfach keine andere Erklärung für dieses schockierend banale Video.»

In der Schweiz chartete «Superstar» sieben Wochen lang und erreichte die Höchstplatzierung 14. In Österreich landete der Song auf Platz 72.

www.20min.ch/soundshack/player/?albumId=0000000012383647

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