Aktualisiert 18.10.2018 07:23

Interview-Eklat

Swiss-Manager beleidigt eigene Flugbegleiter

Swiss-Topmanager Lorenzo Stoll nimmt in einem Interview die Arbeit seiner Flugbegleiter wenig ernst. Diese sind empört.

von
Isabel Strassheim

Ein Interview eines Swiss-Topmanagers sorgt unter den Flugbegleitern für Furore: Lorenzo Stoll, der für die Westschweiz zuständige Direktor der Airline, meint auf die Frage nach dem niedrigen Lohn für das Swiss-Bordpersonal: «Lassen sie uns nicht vergessen, dass unsere Anforderungen für die persönliche Qualifikation der Flugbegleiter nicht super, super hoch sind.»

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«Für uns ist das eine grosse Beleidigung und wirkt wie ein Schlag ins Gesicht», sagt Denny Manimanakis zu 20 Minuten. Der Präsident der Gewerkschaft des Swiss-Kabinenpersonals will Stoll in der kommenden Woche bei einer Managementsitzung auf das Interview von CNN Money Switzerland noch einmal ansprechen. Das Gespräch wurde schon im Juli veröffentlicht und hat im Sommer unter dem Personal in der Westschweiz für Unruhe gesorgt. Erst jetzt macht es auch in der Deutschschweiz die Runde und wird unter den Flugbegleitern hier diskutiert.

«Sie brauchen nicht viel Ausbildung»

«Sie brauchen nicht viel Ausbildung, wir trainieren sie im Job und bringen sie zu Arbeitstempo», sagt Stoll weiter über die Flugbegleiter im Interview mit CNN Money Switzerland. Laut Manimanakis nehmen auch andere Swiss-Manager die Arbeit der Flugbegleiter nicht ernst und sprechen von «Huschelis».

Über die Swiss-Medienstelle lässt sich Stoll nun entschuldigen: «Er bedauert sehr, dass er mit seiner Formulierung offenbar die Gefühle seiner Mitarbeitenden sowie anderer Personen des Berufstands verletzt hat, dies war nicht seine Absicht.» Stoll schätze die Arbeit und den Einsatz der Flugbegleiter sehr, so die Medienstelle weiter.

Einkommen von 4000 Franken

Flugbegleiter kommen laut Swiss auf ein Einstiegssalär von rund 4000 Franken im Monat, inklusive aller Zulagen und Spesen. Ab dem 6. Jahr gibt es einen 13. Monatslohn.

Im Interview weist Stoll darauf hin, dass Flugbegleiter auch am Verkauf von Zollfrei-Ware an Bord verdienen und so schnell zu mehr Lohn kommen könnten. Manimanakis weist dies zurück: Man könne froh sein, wenn man überhaupt 50 Franken pro Monat an Kommissionen erziele. Auf Europaflügen gebe es wegen mangelnder Zeit ohnehin meist keine Bordverkäufe.

Viele haben Lehr- oder Studienabschluss

Swiss-Manager Stoll hat laut der Swiss-Medienstelle in dem Interview darauf hinweisen wollen, dass es naheliegend sei, dass das Gehaltsniveau von Flugbegleitern unter demjenigen von Berufen mit deutlich längeren Ausbildungswegen liegt. Personalsprecher Manimanakis weist dies zurück: Die meisten Flugbegleiter hätten einen Lehrabschluss, eine Matura oder auch einen Studienabschluss.

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