Aktualisiert 28.04.2008 13:48

Swiss: Mit «katastrophaler Maschine» nach Prag

Wer nach Prag will und bei Swiss bucht, bekommt die Überraschung an Bord serviert. Geflogen wird mit einer Maschine der englischen Fluggesellschaft Flightline. Und die hat es in sich.

von
Marius Egger

Eigentlich freute er sich auf einen Flug mit einer Swiss-Maschine nach Prag. Doch dann kam alles anders. Als R. F.* letzte Woche die Maschine besteigt, staunt er nicht schlecht. «Das Flugzeug war optisch in einem katastrophalen Zustand», sagt er gegenüber 20minuten.ch. Zudem habe das Personal nur Englisch gesprochen. Für die im Flugzeug anwesenden Familien sei dies teilweise mehr als ärgerlich gewesen. Grund: R. F. und die Mitpassagiere sassen nicht in einer Swiss-Maschine, sondern in einem Flugzeug der englischen Firma Flightline.

Diese ist seit einigen Monaten sogenannter Wet-Lease-Partner der Swiss und fliegt im Auftrag der Lufthansa-Tochter die Strecke Zürich – Prag. Für den Kunden heisst das: Ein Swiss-Ticket kaufen, mit Flightline fliegen. «Hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich mir zumindest überlegt, ob ich mir das antun soll», kritisiert R. F.

Swissair beendete Zusammenarbeit mit Flightline

Wenig überrascht über die Zustände zeigt sich der Aviatik-Experte Sepp Moser. «Flightline war schon Partner zu Zeiten der Swissair». Laut Moser wurde die Zusammenarbeit mit dem englischen Flugunternehmen damals eingestellt, weil Flightline den Ansprüchen der einst stolzen Schweizer Airline nicht genügte. «Insofern hat es mich überrascht, dass diese Zusammenarbeit nun wieder aufgenommen wurde», sagt Moser.

Der Grund, dass Swiss dem englischen Flugunternehmen wieder vertraut, ist für Moser indes klar. «Die Swiss ist der Billige Jakob in der Lufthansa-Gruppe». Um die Kosten zu drücken, nehme die Swiss unter Umständen auch einmal «den billigsten und nicht den komfortabelsten Flieger».

Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel sagt dazu: «Wir wissen, dass bei gewissen Fluggesellschaften die Kriterien anders sind als bei der Swiss». Über die Details hält er sich allerdings bedeckt. «Es ist ganz klar: Unsere Wet-Lease-Partner werden analysiert und nach verschiedenen Kriterien ausgewählt.» Auf die Details der Kriterien wollte Donzel nicht eingehen.

Flightline ist nicht der einzige Wet-Lease-Partner der Swiss. So fliegen unter anderen Contact Air (nach Warschau, Venedig und Stuttgart) und Helvetic (Budapest, Manchester und Birmingham) im Auftrag der Swiss. Die Wet-Lease-Flüge sind gemäss Donzel teilweise die Folge des Piloten- und Personalmangels und dienen auch dazu, «auf die Marktopportunität schnell zu reagieren».

«Mogelpackung»

Aviatik-Experte Moser sagt: «Für die Kunden sind solche Wet-Lease-Partnerschaften ganz prinzipiell eine Mogelpackung, weil sie nicht wissen, was sie bekommen». In Sachen Sicherheit müsse man jedoch keine Bedenken haben. Und was den Komfort betreffe, so könne ein Wet-Lease-Flug auch eine angenehme Überraschung sein. Moser: «Helvetic, die auch für die Swiss fliegt, bietet zum Beispiel eindeutig das bessere Flugerlebnis als die Swiss».

Für R. F. ein schwacher Trost. Doch gemäss Donzel ist das Ende der Flightline-Swiss-Beziehung in Sicht. Die Zusammenarbeit soll nach Ende des Sommerflugplans 2008 enden. Der Vertrag werde nicht mehr verlängert, weil die Lufthansa-Tochter in Zukunft nur noch auf Helvetic und Contact-Air als Wet-Lease-Partner setzen will. Wer den Prag-Flug übernehmen wird, steht laut Donzel «noch in den Sternen».

*Name der Redaktion bekannt

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