«Pilots of Instagram»: Swiss-Piloten machen verbotene Cockpit-Fotos
Aktualisiert

«Pilots of Instagram»Swiss-Piloten machen verbotene Cockpit-Fotos

Handybilder von Piloten sorgen für Turbulenzen: Viele von ihnen sollen damit gegen Sicherheitsregeln verstossen. Auch Swiss-Piloten knipsen über den Wolken.

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Ein iPhone-Bild, geschossen während des Starts: Ein Swiss-Pilot stellte dieses Bild auf Instagram.

Ein iPhone-Bild, geschossen während des Starts: Ein Swiss-Pilot stellte dieses Bild auf Instagram.

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Eigentlich gilt unter 3000 Metern Flughöhe die «Sterile Cockpit Rule»: Nur flugrelevante Tätigkeiten sind für die Piloten erlaubt. Hier fotografiert ein anderer Pilot oder Co-Pilot den spektakulären Anflug auf eine Landebahn des Flughafens Zürich.

Eigentlich gilt unter 3000 Metern Flughöhe die «Sterile Cockpit Rule»: Nur flugrelevante Tätigkeiten sind für die Piloten erlaubt. Hier fotografiert ein anderer Pilot oder Co-Pilot den spektakulären Anflug auf eine Landebahn des Flughafens Zürich.

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Auch offiziell ist die Swiss mit @flyswiss auf Instagram vertreten. Manche Bilder entstünden offiziell, heisst es. Hier zu sehen: Ein Sturmtief in der Nähe von Japan.

Auch offiziell ist die Swiss mit @flyswiss auf Instagram vertreten. Manche Bilder entstünden offiziell, heisst es. Hier zu sehen: Ein Sturmtief in der Nähe von Japan.

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Sie sind bekannt als «Pilots of Instagram»: Dutzende, wenn nicht Hunderte von Passagierflugzeugpiloten veröffentlichen regelmässig Fotos auf dem beliebten sozialen Netzwerk für Fotos. Ihre Anhängerschaft ist gross: Fliegen fasziniert und die Ausblicke aus dem Cockpit – sei es beim Start, bei der Landung, hoch über dem Meer, den Bergen oder grossen Städten – sind immer wieder schön anzusehen.

Einige Piloten der Swiss machen fleissig mit beim Bilderreigen aus den Cockpits der Passagiermaschinen. «Approaching Zurich – Runway 14», schreibt einer – mit einem spektakulären Foto kurz vor dem Aufsetzen. «Cockpit, Take-off, Swiss», schreibt ein anderer – die Geodaten des Fotos verraten, dass seine Maschine gerade in Moskau abhebt. Auch Handy-Videos findet man auf den sozialen Netzwerken: «Take-off Moscow», das Bild wackelt, der Airbus hebt ab.

Schön, aber nicht erlaubt

Gerade in kritischen Phasen, wie etwa bei Start und Landung, sei das Fotografieren oder das Filmen keine gute Idee, schreibt «Quartz». Charles «Bud» Bernat, ein ehemaliger Pilot, der 29 Jahre lang für United Airlines flog, sagt zum Portal: «Jemand, der eine Kamera oder ein Gerät hält – das ist ein grosses No-Go.»

Ausserdem: Viele der Fotos und Filme entstanden nicht legal, wie das das Portal Quartz schreibt: Bei der amerikanischen Federal Aviation Administration (FAA) gilt schon seit einigen Jahren die «Sterile Cockpit Rule», die jede nicht flugrelevante Tätigkeit für Crewmitglieder unter 3000 Metern Flughähe verbietet. Seit einem halben Jahr ist der Gebrauch von persönlichen elektronischen Geräten im Cockpit explizit verboten. Die Regelungen der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) sind nur unwesentlich lockerer.

Swiss: «Disziplinarische Konsequenzen»

Sprecherin Karin Müller bestätigt, dass die «Sterile Cockpit Rule» auch bei der Swiss gelte: «Das heisst, unter 3000 Meter über Flugplatzhöhe, also rund 15 bis 20 Minuten vor der Landung, darf nur noch Flugrelevantes getan und besprochen werden.» Es sei allerdings nicht immer feststellbar, ob wirklich der Pilot oder der Kopilot die Fotografen seien: «Einige der Bilder und Videos können auch von einer dritten Person im Cockpit ohne flugrelevante Aufgabe stammen. Ausserdem entstehen viele Bilder oder Videos mit zertifizierter Aufnahmetechnik offiziell im Auftrag von Swiss und sind somit bewilligt, auch von von der Flugsicherheitsbehörde.» Mit einem iPhone im Flugmodus, fügt die Sprecherin an, stellten Fotos während des Fluges bei normalen Verhältnissen kein Sicherheitsrisiko dar.

Die Regeln für Pilotinnen und Piloten seien klar, sagt Müller. Aber: «Natürlich können wir nicht jeden Social-Media-Account aller Mitarbeiter auf Fehlverhalten überprüfen. Aber falls wir ein solches feststellen, hat das disziplinarische Konsequenzen.» Das sei zwar selten, «aber es gab vereinzelte Fälle».

Hansjörg Bürgi, Chefredaktor SkyNews.ch, gibt zu bedenken: «Das Problem mit den Selfies, Bildern und Filmchen haben nicht nur die Piloten, das haben ja fast alle: Es wird einfach zu wenig überlegt.» Bürgi meint, die Passagiere hätten nicht viel zu befürchten: «Die Sicherheit muss natürlich an erster Stelle stehen. Aber bei guten Verhältnissen sollte ein kleiner Film oder ein Schnappschuss kein Problem sein – so viel Vertrauen sollte man zu einem Piloten haben.» Und er fügt an: «Ob es gescheit ist, immer alles gleich zu veröffentlichen, das ist eine ganz andere Frage.»

Journalist im Shitstorm

Nachdem US-Journalist David Yanowsky hunderte der «Pilots of Instagram» ausfindig gemacht und zum Teil namentlich genannt hatte, bekam er die Wut der Piloten und Flug-Foto-Fans zu spüren. Ein tagelanger «Shitstorm» ergoss sich über den Reporter – obwohl er, wie Aviatik-Experten in seinem Text betonen, eigentlich bloss festgestellt hatte, dass die geltenden Regeln von vielen nicht eingehalten werden. Nun haben ihn anonyme User massiv bedroht, Bilder seiner Schwester veröffentlicht, zum Selbstmord aufgefordert. Es soll darunter auch Piloten gegeben haben – aber mehrheitlich habe der aufgebrachte anonyme Mob aus Leuten bestanden, die nichts mit der Fliegerei zu tun hätten.

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