Aktualisiert 19.11.2007 16:57

Swiss Re taucht an der Börse

Die US-Kreditkrise erfasst nach den Grossbanken auch die Swiss Re. Nur zwei Wochen nach den Quartalszahlen musste der weltgrösste Rückversicherer ein Milliardenloch bekannt geben. Die Investoren reagierten verschnupft. Die Aktie stürzte ab.

Insgesamt habe die Swiss Re einen Bewertungsverlust von 1,226 Mrd. Fr. erlitten, teilte der Rückversicherer am Montag überraschend mit. Nach Steuern belaufe sich das Defizit auf 981 Mio. Franken. Das Loch stammt aus der Absicherung des Portfolios eines Kunden gegen Wertverluste, das zu einem massgeblichen Teil durch US-Hypotheken gesicherte Wertpapiere enthält.

Vor der US-Hypothekenkrise seien alle diese Wertpapiere durch die Ratingagenturen noch mit guten bis besten Bonitätsnoten ausgezeichnet gewesen, sagte Finanzchef George Quinn in einer Telefonkonferenz. Nach Ausbruch der Krise hätten diese Papiere aber massiv an Wert verloren und seien von den Ratingagenturen markant schlechter eingestuft worden.

Die Geschwindigkeit, mit der sich die Finanzmärkte verschlechtert hätten und das Ausmass der Zurückstufungen im Oktober seien nicht vorhersehbar gewesen, sagte Quinn. So etwas komme höchstens alle 30 Jahre einmal vor.

Riesenabschreiber

Mittlerweile ist der Markt für US-hypothekengesicherte Wertpapiere fast zusammengebrochen. Der Marktwert des betroffenen Portfolios bei der Swiss Re schmolz von 5,27 Mrd. auf 3,6 Mrd. Franken. Die vermögensgesicherten Wertschriften (ABS) in Form von verbrieften Schuldobligationen (CDOs) habe die Swiss Re von zuvor 953 Mio. Fr. ganz auf Null abgeschrieben, sagte Quinn.

Die Wertschriften, die auf zweitklassigen US-Hypotheken beruhten, würden lediglich noch auf 62 Prozent des ursprünglichen Wertes eingestuft. Zudem habe die Swiss Re weitere 300 Mio. Fr. auf verschiedene Engagements in ABS, CDS und hypothekarisch gesicherten Anlagen abgeschrieben.

Die beiden Transaktionen für die Absicherung des Kundenportfolios, die zu dem Milliardenloch führten, seien die einzigen ihrer Art, die Swiss Re eingegangen sei, versicherte Quinn. Die erste Transaktion sei im vergangenen Jahr durchgeführt worden, die zweite in diesem Jahr. Sie seien durch die internen Risikoausschüsse gebilligt worden.

Entdeckt worden seien sie erst in den vergangenen Tagen. In der Folge habe man einen grossen Aufwand betrieben, um die Risikoexpositionen des Konzerns zu durchleuchten. Weitere solche Risiken gebe es nicht in den Anlage- und Handelsportfolios der Swiss Re.

Man habe jetzt die volle Transparenz, sagte Quinn. Allerdings seien die Transaktionen den Marktbewegungen ausgesetzt.

Aktie stürzt ab

Dank der ausgezeichneten Geschäftsentwicklung des Konzerns seit Jahresbeginn könne die Swiss Re die ausserordentlichen Entwicklungen an den Finanzmärkten im Oktober auffangen, hiess es weiter. Man halte an den Ertragszielen und am Aktienrückkaufprogramm unverändert fest.

Das Milliardenloch hat aber personelle Konsequenzen. Der Verantwortliche der betroffenen Einheit sei suspendiert worden, sagte Quinn.

Gründe für strategische Änderungen sehe er aber keine. Der Bereich Financial Services werde in den Konzern als Ganzes integriert, aber über die definitive Struktur sei noch nicht entschieden.

An der Börse löste die Hiobsbotschaft eine Verkaufswelle aus. Bis Börsenschluss sackte die Aktie um 10,3 Prozent auf 87,55 Fr. ab und riss auch die anderen Finanzwerte in die Tiefe.

Vor knapp zwei Wochen erst hatte der Konzern bei der Präsentation der Zahlen des dritten Quartals noch betont, von den Finanzmarktturbulenzen nicht wesentlich getroffen worden zu sein. Die Exposition bei den zweitklassigen US-Hypotheken hatte die Swiss Re damals auf 290 Mio. Fr. beziffert.

(sda)

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