Massiver Stellenabbau - Swiss baut bis zu 650 Jobs ab
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Massiver Stellenabbau Swiss baut bis zu 650 Jobs ab

Die Schweizer Fluggesellschaft streicht hunderte Stellen und reduziert die Flugzeugflotte. Mittelfristig glaubt man bei der Airline nicht an eine Erholung des Flugbetriebs.

von
Katja Fässler
Patrick McEvily
Künftig will die Swiss mit 15 Prozent weniger Maschinen fliegen.

Künftig will die Swiss mit 15 Prozent weniger Maschinen fliegen.

AFP

Die Swiss leidet unter der Corona-Pandemie und handelt nun: 650 Stellen werden gestrichten und die Flotte um 15 Prozent reduziert, wie es in einer Mitteilung heisst. Davon wären bis zu 780 Personen betroffen. Dass Schritte dieser Art erfolgen, kommt angesichts der schweren Verluste der Swiss nicht überraschend. Im ersten Quartal 2021 hat die Airline einen Verlust von 201 Millionen Franken geschrieben.

Swiss muss 500 Millionen sparen

Nachdem die Swiss in den vergangenen Tagen bereits eine Prüfung des eigenen Geschäfts angekündigt hatte, spricht die Airline nun Klartext. Nachdem im vergangenen Jahr bereits der Abbau von 1000 Stellen bekannt gegeben wurde, könnten nun noch einmal 650 hinzukommen. Dies würde 780 Mitarbeitende betreffen. Diese Zahl hat die Swiss am Donnerstagmorgen selbst bekanntgegeben. Davon würden rund 200 Stellen auf das Bodenpersonal, 60 auf die Technik, 400 auf das Kabinenpersonal und 120 auf das Cockpit entfallen.

Die Swiss glaubt nicht an eine rasche Erholung des Flugbetriebs. Die Corona-Krise, die nun schon über ein Jahr andauert, hat dem Unternehmen hart zugesetzt. Der CEO, Dieter Vranckx, nennt die Restrukturierung deshalb «unumgänglich», man rechne mit einem mittelfristigen Rückgang der Nachfrage um 20 Prozent. Mit der Restrukturierung will das Unternehmen 500 Millionen Franken sparen. 15 Flugzeuge würden gemäss dem aktuellen Flottenstand veräussert oder ausser Betrieb genommen. Betroffen wäre davon vor allem die Langstrecke, bei der einzelne Ziele gar nicht mehr angeflogen werden sollen. Der CEO der Airline äussert sich in der Medienmitteilung wie folgt:

«Ich bedaure ausserordentlich, dass wir nach vielen Jahren des Erfolgs mit einem grossartigen Team einen derart schmerzhaften Schritt in Erwägung ziehen müssen. Leider bleibt die Situation äusserst anspruchsvoll und erfordert weiterhin eine hohe Kostendisziplin und -effizienz. Wir sind aber überzeugt, dass wir durch die geplante Restrukturierung gestärkt aus dieser Krise herauskommen würden, um auch im New Normal wieder nachhaltig erfolgreich zu sein.»

Dieter Vranckx, CEO Swiss

Kritik von Seiten der Gewerkschaften

Die Sektion Luftverkehr der Gewerkschaft VPOD hat sich bereits zu Wort gemeldet und sieht den «worst case» eingetreten. Sie nennt den Entscheid der Swiss einen «sozialen und strategischen Fehler», denn eine Erholung des Flugbetriebs könne bereits im Jahr 2021 eintreten. Es brauche in diesen unsicheren Zeiten nun stabilisierende Massnahmen der Politik. Die Mitarbeitenden der Swiss hätten bereits viele Opfer erbringen müssen. Als Dank würden sie nun die Ankündigung der Massenentlassung erhalten. Man werde sich dafür einsetzen, dass die Swiss ihren Entscheid noch einmal überdenkt und stattdessen weiter auf die Kurzarbeit setzt, heisst es in einer Medienmitteilung.

Während der Corona-Pandemie hat die Swiss Unterstützung aus Bern erhalten. Der Bund sprach dem Unternehmen verbürgte Kredite in der Höhe von 1,5 Milliarden Franken aus. Auflage war damals unter anderem, dass der Mutterkonzern Lufthansa sicherstellt, dass das Fluggeschäft in der Schweiz nicht übermässig reduziert wird, im Vergleich mit anderen Standorten, wie Wien oder München. Die Unternehmensführung erklärt, dass man sich nach wie vor an die Regeln halte. Ihr dürfte in den kommenden Tagen aber ein harter Wind entgegenblasen. Die SP hat sich bereits zu Wort gemeldet:

Das Restrukturierungsprogramm mit dem Namen «reaCH» werde zusammen mit den Sozialpartnern umgesetzt, erklärte das Unternehmen in seiner Mitteilung. Die Anzahl der Kündigungen solle tief gehalten werden. Für die meisten Angestellten würden Sozialpläne aufliegen – ausser für die Piloten. Hier wird sich das Unternehmen zurück an den Verhandlungstisch mit der Gewerkschaft Aeropers setzen müssen, mit der es in der Vergangenheit schon mehrfach zu Streitigkeiten gekommen ist.

Weiterhin Erstklass-Flüge und Ausrichtung auf Nachhaltigkeit

«Ein Grossteil» des Streckennetzes soll gemäss der Medienmitteilung vom Donnerstag weiterhin abgedeckt werden. Auch die Hub-Funktion der beiden Flughäfen in Zürich und Genf sei nicht gefährdet. Auf die erste Klasse will man bei der Swiss ebenfalls nicht verzichten. In einer Medienmitteilung erklärt das Unternehmen, dass Teil des Umstrukturierungsplans auch eine stärkere Ausrichtung auf die Nachhaltigkeit sein soll. Ausserdem wolle man der Belegschaft in Zukunft flexiblere Arbeitsmöglichkeiten anbieten.

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