Swiss: Übernahmepoker mit verdeckten Karten
Aktualisiert

Swiss: Übernahmepoker mit verdeckten Karten

Die Übernahme der Swiss durch die Lufthansa scheint in Griffweite. Einen Tag nach der Bestätigung der Verhandlungen lagen am Montag aber noch nicht alle Karten auf dem Tisch.

Und die Swiss-Grossaktionäre mit dem Bund an der Spitze wollen ihren Trumpf nicht vorzeitig spielen.

Die Reaktionen in der Schweiz machten deutlich, dass Lufthansa und Swiss mit ihrem Übernahmeplan kaum auf unüberwindbare emotionale Widerstände und Heimatschutzargumente stossen werden. Positive Signale sandte auch die EU-Kommission in Brüssel aus, die einen Zusammenschluss unter wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten prüfen müsste. Die Architekten der Fusion sehen sich dafür mit ebenso handfesten wie unterschiedlichen Forderungen in der Schweiz konfrontiert.

Die Gewerkschaften verlangen langfristige Arbeitsplatzgarantien von der Lufthansa und die Fortsetzung der Verhandlungen über neue Gesamtarbeitsverträge. Die Fluglärmgegner und verschiedene Kommentatoren fordern vom Bund, dass er sich die Übernahmegelüste der Lufthansa mit dem Einlenken Deutschlands im Fluglärmstreit abgelten lässt. Den Aktionären aller Kategorien geht es schliesslich darum, einen möglichst guten Preis auf den tief unter den Nennwert gefallenen Aktien herauszuholen.

Finanzanalysten beurteilten die Aussichten dennoch als gut, dass der Lufthansa-Deal im zweiten Anlauf innerhalb von zwei Jahren über die Bühne gehen wird. Die Lufthansa selber wollte die Spekulationen nicht kommentieren, wonach die Zustimmung der Grossaktionäre zu einem symbolischen Übernahmepreis mit dem Verzicht auf eine vorgängige Kapitalerhöhung erkauft werden soll. Im Unterschied zu früher liess sich auch Finanzminister Hans-Rudolf Merz kein Wort zur Position des Bundes entlocken. Im vergangenen Februar hatte der Bundesrat im Zusammenhang mit dem Verkaufsszenario noch an die Gebote der Luftfahrtpolitik erinnert, bei denen die Sicherstellung einer optimalen Anbindung der Schweiz an die europäischen und weltweiten Zentren zuoberst steht.

Das zwischen Lufthansa und Swiss ausgehandelte Geschäftsmodell soll diesem Ziel laut bisherigen Informationen gerecht werden und auch die Hub-Funktion des Flughafens Zürich-Kloten sicherstellen. Details sollte ein Teil der Grossaktionäre noch am Montagabend erfahren. Die Lufthansa will offenbar bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung vom 22. März Nägel mit Köpfen machen. (dapd)

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