Aktualisiert 19.04.2010 19:52

Messflüge

Swiss und Armee fliegen durch Aschewolke

Test-Offensive am Schweizer Himmel: Mehrere Maschinen der Swiss und der Luftwaffen absolvieren derzeit Testflüge von Genf bis zum Bodensee.

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Über der Schweiz wird wieder geflogen: Im Auftrag des Bundesamts für Zivilluftfahrt (BAZL) führten die Swiss und die Schweizer Armee Testflüge durch. Luftwaffen-Sprecher Laurent Savary erklärt gegenüber 20 Minuten Online, es seien Flüge mit einem F-5 Tiger, einem PC-6 Pilatus-Porter und einem Super-Puma-Heli geplant. «Noch sind aber nicht alle Tests absolviert», so Savary. Die Maschinen fliegen von Alpnach, Payerne und Emmen aus.

Die Swiss hat einen Airbus A319 für den Testflug zur Verfügung gestellt. Die Maschine mit lediglich den Piloten an Bord überfliegt den Luftraum zwischen Zürich, Bodensee und Genf. Sie wird am Montagabend wieder in Zürich-Kloten erwartet.

«Es geht darum, neue Informationen im gesamten Schweizer Luftraum zu sammeln», sagt Daniel Göring vom Bazl. Aufgrund der breiteren Datenbasis werde dann entschieden, ob der Schweizer Luftraum weiterhin gesperrt bleibe. Das BAZL wolle wissen, wie die Flugzeuge auf die Aschewolkeschicht reagierten. Zudem sollen die Testflüge Ergebnisse über den Inhalt der Aschewolkeschicht über der Schweiz liefern.

Messflugzeug kreist seit Tagen über der Schweiz

Die Aschewolke über der Schweiz verliert immer mehr an Dichte. Heute Vormittag ist Atmosphärenphysiker Bruno Neininger mit einer mit Messinstrumenten vollgepackten 'ECO-Dimona' auf dem Flugplatz Birrfeld gestartet und hat während zweier Stunden die Aschewolke durchflogen. «Die Ascheschicht auf 6000 Metern Höhe ist sehr, sehr dünn - rund zehn Mal weniger dicht als noch am Samstag», sagt Neininger nach der Landung zu 20 Minuten Online. Im Gegensatz zum Wochenende habe er im Cockpit auch keinen Rauch mehr gerochen. Damals habe es «wie eine Dampflock gestunken». Was die geringe Aschedichte für die Sperre des Luftraums bedeutet, bleibt unklar. Einerseits fehlt nach wie vor ein Grenzwert. Anderseits sind die Testflüge nur partielle Messungen. Die Aschewolke aus Island ist nach Beobachtungen von deutschen Forschern löchrig. «Wir können mittlerweile sagen, dass es Zeiträume gibt, die kritischer sind und solche, wo die Luft rein ist», sagte der Atmosphärenforscher Cornelius Schiller.

Deutsches Messflugzeug gestartet

Nach tagelangen Vorbereitungen ist am Nachmittag auch in Deutschland ein Messflugzeug gestartet. Das mit einer Art Laser-Radar (Lidar) ausgerüstete Flugzeug vom Typ Falcon 20E ist am in Oberpfaffenhofen bei München zu einem dreistündigen Flug über ganz Deutschland abgehoben. Erste Ergebnisse sollten noch in der Nacht vorliegen. Wissenschaftler an Bord wollen mit dem Laser die Dichte und Ausbreitung der Ascheteilchen feststellen. An den Tragflächen sind zudem sogenannte Partikelzähler montiert.

Der Lufthansa ist bereits gestern der Geduldfaden gerissen: Sie schickte am Sonntag eine mit Klebefolien beklebte MD-11 Frachtmaschine von Frankfurt nach Istanbul und zurück. «Wir haben überhaupt nichts gespürt von der Wolke», sagte der Kapitän gegenüber dem ZDF. Auf der Folie seien überhaupt keine Partikel messbar gewesen. «Ich würde jederzeit wieder losfliegen», so der Pilot.

Airbus schickt A380 in die Wolke

Der Flugzeugbauer wird den möglichen Einfluss der Vulkanasche auf Verkehrsmaschinen testen: Dazu soll am Montagnachmittag ein Super-Airbus A 380 vom Werksflughafen in Toulouse aufsteigen, vollgestopft mit Computer- und Messtechnik.

(am/sda)

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