Swissair-Corti: «Das ist eine Unterstellung»
Aktualisiert

Swissair-Corti: «Das ist eine Unterstellung»

Der Swissair-Prozess ist heute mit der Befragung von Mario Corti und Georges Schorderet in die zweite Woche gestartet. Corti liess kein gutes Haar an der Anklage und wurde mit zunehmender Dauer der Befragung unwirscher.

Mario Corti hat im Swissair-Prozess heute den Spiess umgekehrt und bissige Kritik an der Anklageschrift geübt. Der letzte Chef der zusammengebrochenen SAirGroup und Ex-Finanzchef Georges Schorderet plädierten auf «nicht schuldig».

Corti und Schorderet wiesen am Montag die Vorwürfe der Anklage entschieden zurück. Sie seien «nicht schuldig» erklärten beide ehemaligen Manager der SAirGroup. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen wie den damaligen Verwaltungsräten im Zuge der Restrukturierung der Airline-Tochter SAirLines Gläubigerschädigung und ungetreue Geschäftsführung vor.

Corti wurde unwirsch

Die über 400 Prozessbesucher in der zum Gerichtssaal umfunktionierten Stadthalle Bülach erlebten einen Corti, der keinen guten Faden an der Anklage liess und die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich mit zunehmender Dauer der Befragung mit immer schärfer und unwirscher kritisierte.

Die vorgeworfene Scheinsanierung der SAirLines sei eine schlimme Unterstellung, sagte Corti, der dieses Jahr 61 Jahre alt wird und sich nach Boston in die USA zurückgezogen hat. Der Vorwurf der Gläubigerschädigung beruhe auf einer «zentralen Fehlannahme»; im Gegensatz zur Behauptung der Anklage sei die Tochter nicht überschuldet gewesen. Auch eine Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit des Konzerns sei nie ein Thema gewesen. Dass es bei der Sanierung der Subholding SAirLines zu einer Vermögensverminderung gekommen sei, entspreche einer «absoluten Fehlvorstellung einer Bilanz». Die Staatsanwaltschaft beziehe sich bei ihren Informationen und Vorwürfen «auf eine Hilfsperson, die nicht dabei war und reine Papiergutachten liefert». Es sei nicht um Wahrheitsfindung gegangen, sondern um die Stützung vorgefasster Meinungen.

Dass die SAirLines schon im März 2001 die Bilanz hätte deponieren sollen, bezeichnete Corti als «lebensfremd» und als eine «wahnwitzige Vorstellung». In diesem Falle wäre es zu einem Kollaps der Flugbetriebe und damit schon damals zu einem Grounding der Swissair gekommen. «Es wäre hirnwütig gewesen, diese SAirLines sich selbst zu überlassen», sagte Corti. Zur inkriminierten Zahlung der SAirGroup von 150 Millionen Euro an die belgische Sabena machte Corti wegen der hängigen Zivilverfahren keine Aussagen. Der frühere Nestle-Finanzchef Corti war seit April 2000 Verwaltungsrat der SAirGroup und hatte nach der Ablösung von Eric Honegger am 15. März 2001 dessen Aufgaben als vollamtlicher Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats übernommen.

Corti, der im fatalen Jahr 2001 innerhalb von sechs Monaten vom «Super-Mario» zum Buhmann wurde, wurde eingangs auch zu vorab kassierten zwölf Millionen Franken befragt. Der Vorausbezug sei eine eine Absicherung für seine Familie gewesen für den Fall, dass ihm in dieser Zeit etwas zustosse. «Niemand konnte ahnen - ich sicher am wenigsten, was dann später passiert ist», sagte Corti.

Stumme Angeklagte

Corti war bisher der zweite Angeklagte, der im Swissair-Prozess ausgesagt hat. Der gleichentags befragte ehemalige Finanzchef Georges Schorderet verweigerte die Aussage. Neben Corti hat von den neun Beschuldigten, die bisher vor Gericht erschienen waren, einzig der ehemalige Verwaltungsrat Thomas Schmidheiny die Fragen des Richters beantwortet. (sda)

Deine Meinung