Swissair-Pleite: Mammutaufgabe für kleines Bülacher Gericht
Aktualisiert

Swissair-Pleite: Mammutaufgabe für kleines Bülacher Gericht

Im Fall der Swissair-Pleite wartet auf das zuständige Bülacher Bezirksgericht eine Riesenarbeit. In den nächsten Wochen müssen rund 4150 Ordner gesichtet werden. Das Bülacher Gericht muss für den Gerichtsfall zusätzliches Personal einstellen.

Die Schutzvereinigung Schweizer Anleger (SVSA) hat erfreut auf die Anklageerhebung im «Fall Swissair» reagiert. Die SVSA um den Zürcher Anwalt Hans-Jacob Heitz befürchtet vor allem, dass das nun zuständige Bezirksgericht Bülach unterdotiert sei. Das Gericht müsse dringend personell verstärkt werden.

Zufrieden ist auch die Gewerkschaft des Kabinenpersonals kapers. Die Anklage sei für die Geschädigten eine moralische Genugtuung, heisst es in einer Mitteilung. Denn bei Firmenpleiten hätten die Angestellten die Hauptlast des Missmanagements zu tragen.

Bülach rüstet auf

Das Bezirkgericht Bülach hat aufgrund der 19 Strafklagen gegen die Swissair-Verantwortlichen seinen Personalbestand aufgestockt. Gerichtspräsident Rainer Hohler hat eine entsprechende Meldung von «Radio Zürichsee» bestätigt. Um in den nächsten Wochen die rund 4150 Ordner der Anklageschrift zu prüfen, habe man alle notwendigen organisatorischen und personellen Massnahmen getroffen, so Hohler.

Wann über die Zulassung der Klagen entschieden werde, könne zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht gesagt werden. Damit ist zurzeit auch offen, wann die Prozesse stattfinden werden.

FDP hofft auf kompetentes Gericht

Die FDP des Kantons Zürich, der einige der Angeklagten zur Swissair-Pleite angehören, sieht eine grosse Herausforderung auf das zuständige Bülacher Bezirksgericht zukommen. Sie fordert ein für komplexe Wirtschaftsfälle kompetentes Gericht.

Angesichts des emotionalen Umfelds und des hohen finanziellen Schadens könne der Ruf nach Schuldigen schnell laut werden. Deshalb sei zu begrüssen, dass die Zürcher Staatsanwaltschaft am Freitag im Zusammenhang mit den Anklageerhebungen die Unschuldsvermutung betont habe.

Das Bezirksgericht Bülach als nicht spezialisiertes Gericht stehe im Zusammenhang mit den Anklagen vor einer grossen Herausforderung. Damit das Strafverfahren tatsächlich vor der Verjährungsfrist beendet und Transparenz geschaffen werden könne, sei die Schaffung eines temporären «auf komplexe Wirtschaftsfälle spezialisiertes Richterteams» zu prüfen. (sda)

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